Staßfurt. " Ich finde es gut, dass es die Aktion gibt und die Themen Gewalt und Hilfe in diesen Notsituationen einmal konkret angesprochen werden ", sagt Sylvia Topf. Während sie spricht, packt Oberbürgermeister René Zok den Einkauf der Staßfurterin in einen Beutel. Einen ganz besonderen. " Sieh nicht weg – Gewalt ist keine Privatangelegenheit " steht auf ihm geschrieben. Ein rotes Logo ist sofort Blickfang für jedermann. 500 dieser Beutel hat der Arbeitskreis Hilfe bei Gewalt am Dienstag in zwei Märkten des Bodeparkes verteilt. Schlecker und Netto unterstützten die Aktion. Der Drogeriemarkt stellte die Stoffbeutel zur Verfügung, die Stiftung Staßfurter Waisenhaus sponserte Druckfarbe und der Verein Rückenwind sorgte für den Druck. Mit der Aktion will der Staßfurter Arbeitskreis Hilfe bei Gewalt das Thema Gewalt vom Rand in das Zentrum der öffentlichen Diskussion rücken, Tabus aufbrechen und informieren. " Das ist wichtig, gerade in der heutigen Zeit ", meint Sylvia Topf. Vieles passiere wie nebenbei, auch in den Familien, und komme nie zur Sprache. " Jeder muss für dieses Thema sensibilisiert werden, um im Ernstfall couragiert zu handeln. " Einen Gedanken, den Kristin Hacker, Leiterin des Staßfurter Frauenhauses und Mitarbeiterin des Arbeitskreises, gern aufgreift. " Die Formen von Gewalt sind vielfältig. Sie kann sich gegen Kinder oder Partner richten, verbal oder handgreif ich sein. " Aber gesprochen werde über das Thema so gut wie nie.

Hier wolle der Arbeitskreis Zeichen setzen. Die Hoffnung der Initiatoren : Vielleicht schaut jemand zu Hause nach dem Einkauf auf den Beutel, überlegt und denkt einmal über das Thema nach. Abgedruckt ist auch eine Kontaktnummer. " Wenn jemand selbst betroffen ist, in der Familie oder dem Bekanntenkreis Fälle kennt, kann er sich sofort melden ", erklärt Hacker. Der Arbeitskreis Hilfe für Gewalt könne individuelle und konkrete Hilfen vermitteln, sei Ansprechpartner für erste Kontakte und berate.

Prominenter Schirmherr der Aktion war OB René Zok, der eine Stunde lang Waren für die Kunden einpackte und damit auf die Aktion aufmerksam machte.

Dass die Stoffbeutelaktion parallel zum Kindertag im Kaligarten stattfand, hatte Sinn. In den Kinderrechtskonventionen, die 1989 fast alle Länder der Erde unterschrieben haben, sind die Rechte von Jungen und Mädchen zusammengefasst. Auch, dass Kinder vor jeder Art von Gewalt zu schützen sind. " Ich unterstütze die Aktion, weil sie alle Formen von Gewalt ablehnt ", sagt Zok mit dem Hinweis auf die Kinderrechtskonventionen.

Der OB hat aber auch noch das Frauenhaus direkt im Blick. Im Salzlandkreis gibt es Überlegungen, die Anzahl der Frauenhäuser zu regulieren. " So schlimm die Hintergründe sind, die dazu führen, dass es Frauenhäuser gibt, so wichtig ist es auch, dass eine Kommune diese Hilfeleistung für Betroffene vorhalten kann ", sagt Zok und erteilt den Kreisplanungen eine klare Absage. " Ich weiß nicht, wie Staßfurt diese Aufgabe leisten soll ohne das Frauenhaus. " Die meiste Arbeit werde ehrenamtlich und im direkten Kontakt zu den Menschen geleistet. " Das Frauenhaus in Staßfurt muss erhalten bleiben ", fordert der Oberbürgermeister.