Das Staßfurter Sodawerk wird auch nach dem erfolgreichem Abschluss der Großinvestitionen, die im Zusammenhang mit der neuen Müllverbrennungsanlage umgesetzt wurden, weiter expandieren. Das kündigte der Geschäftsführer Ulrich Eichhorn nach seinen Gesprächen mit der Ciech-Konzernspitze in Polen an.

Staßfurt. " Wir haben in den letzten drei Monaten die Zielgerade erreicht. Alle 2007 beziehungsweise 2008 errichteten Apparate sind in Betrieb und arbeiten mit einem Riesenerfolg ", sagte Eichhorn.

Nicht ohne Stolz hob er hervor, dass das Unternehmen auch sein Versprechen, was die neugeschaffenen Arbeitsplätze anbelangt, nicht nur erfüllen, sondern noch übertreffen konnte. Statt der damals angekündigten 20 neuen Jobs seien insgesamt 33 sowie weitere 20 Lehrstellen entstanden, sagte Eichhorn.

Nach seiner Einschätzung zahlt sich die Integration des Sodawerkes in den polnischen Ciech-Konzern, mit dem man über einen gemeinsamen Vertrieb und eine klare Marktaufteilung verfüge, positiv für den heimischen Chemiebetrieb und für dessen Absatz aus. " Dieser Verbund ist in der Finanz- und Wirtschaftskrise für uns lebensnotwendig. Ohne Ciech hätten wir richtige Probleme ", so Eichhorn.

Mit Staßfurt besitzen die Polen insgesamt vier Sodawerke mit einer Gesamtproduktionskapazität von über zwei Millionen Tonnen, davon zwei im eigenen Land und eins in Rumänien. " Dadurch spielen wir in einer anderen Liga, denn wir sind zum zweitwichtigsten Sodaanbieter in Europa geworden ", sagte Eichhorn.

Seinen Worten zufolge sei es dem Sodawerk gelungen, das neue Glaswerk, das in Osterweddingen entsteht, als Kunden zu gewinnen. Dort sei man sehr daran interessiert, einen großen Anteil des Sodabedarfs aus Staßfurt zu decken, so Eichhorn.

Uni verleiht Eichhorn Ehrendoktorwürde

Als weitere Investitionen nannte der Geschäftsführer die von RWE für rund 300 Millionen Euro geplante Erweiterung des Erdgasuntergrundspeichers Neustaßfurt. Das Sodawerk selbst strebt eine bessere Auslastung der Dickstoffversatzanlage an. Vorgesehen ist, künftig auch die Asche aus der Müllverbrennungsanlage in Staßfurt nach deren Einbindung in ein Kalkgemisch in den unterirdischen Kavernen in Neustaßfurt einzulagern. Damit könnte die Anlage vom Zwei- auf den Vierschichtbetrieb umgestellt werden, was auch mit neuen Arbeitsplätzen verbunden wäre, sagte Eichhorn. Mit Hilfe der Verbrennungsrückstände könnten die Hohlräume langfristig stabilisiert werden. Zudem fielen dann lange Transporte weg.

Darüber hinaus sucht das Sodawerk einen Investor, der die Abwärme im Umfeld für die Gemüseproduktion in Gewächshäusern nutzen will. Dazu gebe es Kontakte nach Holland.

Wichtig ist es Eichhorn auch die Ausbeutung der Kalksteinlagerstätte bei Förderstedt zu effektivieren. Das gehe nur mit wissenschaftlich-technischer Begleitung. Aus diesem Grund arbeitet das Sodawerk eng mit den Hochschulen in Clausthal-Zellerfeld und Freiberg sowie mit den Universitäten Halle und Dneperpetrowsk zusammen. Letztere verlieh Eichhorn sogar die Ehrendoktorwürde.

" Damit wurden seine wissenschaftlich-technischen Leistungen bei der Optimierung der Sodaherstellung und zur Einsparung von Rohstoffen anerkannt. Das ist aber auch eine Würdigung der Aktivitäten, die Ulrich Eichhorn und sein ehemaliger Kollege Jochen Ohm zur Rettung und zum Ausbau des Sodawerkes nach der Wende unternommen hatten ", sagte der Landtagsabgeordnete Dr. Manfred Püchel ( SPD ). Hervorheben müsse man auch die Anstrengungen zur Verbesserung des Umweltschutzes. So konnte zum Beispiel der Ammoniakausstoss trotz der Verdopplung der Produktion um 99 Prozent gesenkt werden.