Bernburg ( MZ ). Die Ausstattung ist spartanisch : ein Bett, ein Stuhl, ein Blechschrank, ein Tisch. Fünf Quadratmeter Wohnraum stehen nach dem Gesetz einem Bewohner in der Gemeinschaftsunterkunft für ausländische Mitbürger zu, erklärte Christiane von Wagner, Leiterin des Ordnungsamtes beim Salzlandkreis. Die Mitglieder des Gesundheits- und Sozialausschusses des Kreistages sahen sich am Dienstagabend zu Beginn ihrer AusschusssitzunginderBernburger Gemeinschaftsunterkunft um.

Die Besichtigung des Bernburger Heimes hatte noch einen anderen Hintergrund : Die zweite Gemeinschaftsunterkunft des Salzlandkreises in Aschersleben soll in diesem Jahr geschlossen werden. Die derzeit in Aschersleben untergebrachten 76 Ausländer werden dann in Bernburg betreut.

" Wir stellen einen rückläufgen Trend bei den in Gemeinschaftsunterkünften untergebrachten Personen fest ", erklärte Dezernentin Reingard Stephan. Im Salzlandkreis leben derzeit 284 geduldete Ausländer sowie 16 Asylbewerber. Davon sind 197 Personen derzeit in den Gemeinschaftsunterkünften des Kreises untergebracht, die zusammen eine Kapazität von 317 Plätzen haben. Darum mache es für den Salzlandkreis keinen Sinn, weiterhin zwei Gemeinschaftsunterkünfte zu betreiben. Ein direkter Vergleich der beiden Unterkünfte durch die Verwaltung habe ergeben, dass für den Kreis die Schließung des Heimes in Aschersleben die günstigere Variante darstellt, sagte die Dezernentin.

Als Vorteil für den Standort Bernburg nannte Stephan, dass das Gebäude nur angemietet sei. Investitionen seien nicht Sache des Landkreises, sondern des Eigentümers, der Halleschen Mitteldeutschen Bau-Aktiengesellschaft ( HMB ). Die HMB habe zugesagt, dass sie in das Gebäude investieren werde, sobald ein Vertrag zwischen Landkreis und neuem Betreiber vorliegt. Außerdem hätten in Aschersleben die Versorgungsunternehmen die Lieferverträge gekündigt. " Zum 1. August haben wir keine Heizung und kein warmes Wasser mehr ", sagte Stephan. Der Kreis müsste in Aschersleben investieren, dafür fehle das Geld. Spätestens im Juni soll das Betreiben der Bernburger Gemeinschaftsunterkunft ausgeschrieben werden. Der jetzige Vertrag mit der Awo läuft zum Jahresende aus.

Befürchtungen, bei der Ausschreibung müsse das billigste Angebot den Zuschlag bekommen, widersprach die Amtsleiterin. " Im Rahmen der Ausschreibung sind auch Qualitätskriterien zu erfüllen. " Nicht das billigste, sondern das wirtschaftlichste Angebot erhalte den Zuschlag. Ausschusschef Ralf-Peter Schmidt ( Linke ) machte sich für die Einzelunterbringung stark. " Bei 200 Menschen in einem Gebäude sind menschliche Konflikte vorprogrammiert. "