Der Einfuss des Lichtes im Klassenraum auf das Lernverhalten von Schülern erprobt die Universitätsklinik Hamburg. Die Ergebnisse sind überraschend. Auch am Staßfurter Gymnasium will man mit Licht im Klassenraum arbeiten, das sich an Unterrichtsphasen und dem Biorhythmus der Mädchen und Jungen flexibel anpasst. Mit der Idee beteiligt sich die Bildungseinrichtung am Wettbewerb " Ideen machen Schule " der PSD-Bank und der Volksstimme.

Staßfurt. " Nein, zu dunkel ist es in der Schule nicht ", sagt Michael Reuter, Lehrer am Staßfurter Dr.-Frank-Gymnasium. Dennoch : Licht soll in der Bildungseinrichtung demnächst eine große Rolle spielen und in verschiedenen Varianten probiert werden. " Intelligente Schulbeleuchtung " ist das Stichwort. Zwei glückliche Umstände, so Reuter, hätten zu der Initiative geführt. Der Lehrer stellte verschiedenen Klassen das Projekt " Ideen machen Schule " der PSD-Bank und der Volksstimme mit anderen Partnern vor. In dem werden bis zu 4000 Euro für Projekte ausgelobt, die für eine bessere Lernatmosphäre an Schulen sorgen, sei es eine spannende Arbeitsgruppe oder die Verbesserung des Umfeldes.

Konzentration und Aktivität steigern sich

" Von verschiedenen Schülern kam die Idee, etwas am Licht zu verändern ", sagt der Lehrer. Denn manche Klassenräume seien den gesamten Vormittag über der Sonne ausgesetzt, in anderen dagegen sei es dunkler, erst gegen Nachmittag, wenn der Unterricht vorbei ist, scheine das Licht durch die Fenster. Einmal von dem Gedanken angesteckt, stieß Reuter auf einen Zeitungsbeitrag. " Mehr Geist aus der Lampe " war dessen Titel und anhand von Versuchen fasste er die Ergebnisse empirischer Untersuchungen zusammen, wie sich Licht auf das Lernverhalten und die Motivation von Schülern auswirkt.

Die Universitätsklinik Hamburg hat das in Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen der Hansestadt erprobt. Insgesamt 166 Schüler im Alter von acht bis 16 Jahren und 18 Lehrer mehrerer Klassen verschiedener Schultypen waren Teilnehmer der Langzeituntersuchung, die diesen Sommer abgeschlossen wurde. Die jeweiligen Klassenräume wurden mit einem innovativen, dynamischen Beleuchtungssystem einer großen Fachfrma ausgestattet, bei dem sowohl die Beleuchtungsstärke als auch die Farbtemperatur angepasst werden kann. " Warmes " Licht beruhigt –" kühles " aktiviert. " Die in Hamburg gemachten Ergebnisse sind erstaunlich ", sagt Reuter. Sowohl Aufmerksamkeit und Konzentration, als auch die Aktivität von Schülern ließen sich durch den gezielten Einsatz des richtigen Lichts positiv beeinf ussen. Lesekompetenzen würden zunehmen, die Fehlerrate dagegen sinke. Auch die motorische Unruhe – die kommt zwangsläufig an einem Tag voller Konzentration – ginge zurück.

Am Dr .-Frank-Gymnasium war schnell klar, dieses Licht soll auch der Staßfurter Schule aufgehen. Das Licht als gute Ergänzung zum übrigen classroom-Management mit frischer Luft und Sitzanordnung. " Wir können so flexibler auf bestimmte Unterrichtsphasen reagieren. " Das beginne bei der Ausleuchtung der Tafel, oder bei milden Lichtverhältnissen in Entspannungsphasen.

Technisch werden die Räume mit unterschiedlichen Leuchtkörpern ausgestattet, zwölf Stück an der Zahl. Der Lehrer kann alles von einem Pult aus steuern. Der Kostenpunkt liegt bei rund 4000 Euro, passgenau für " Ideen machen Schule ".

Zurzeit werden an der Schule noch Absprachen getroffen, in welcher Form das Projekt durchgezogen werden kann. Möglich wäre, einen Raum dynamisch zu beleuchten, der von vielen Klassen genutzt wird und dann die Erfahrungen zusammen zu tragen. Michael Reuter fndet es aber spannender, das Klassenzimmer einer fünften Klasse für ein oder zwei Schuljahre zu geben. Hier böte sich ein Vergleich mit anderen Klassen – ihren Schülern und Lehrern – an, die in " normalen " Räumen lernen würden. Dann, so der Lehrer, könnte man perspektivisch auch Konsequenzen für die anderen Räume ziehen.

Computer für Initiativgruppe

Mit einem zweiten Projekt ist das Staßfurter Gymnasium bei " Ideen machen Schule " vertreten. Längst hat sich die Bildungseinrichtung als " Schule ohne Rassissmus – Schule mit Courage " profiliert. Die Initiativgruppe, die im Haus am Königsplatz das Projekt betreut, hat jetzt einen eigenen Raum, den es für die Recherchearbeit noch mit zwei Internetplätzen zu bestücken gilt.

Interessante Ideen, die in Staßfurt wirklich Schule machen könnten. Die Entscheidung der Jury, welche zehn kreativsten Vorschläge gefördert werden, fällt am Monatsende.