Ein Jahr haben sich die Jungen und Mädchen der Sekundarschule Am Tierpark um den Titel bemüht. Gestern wurde ihnen in einer Feierstunde der Titel " Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage " verliehen.

Staßfurt. Wenn die sechs Mitglieder der Schlichtergruppe auf dem Schulhof unterwegs sind, konzentrieren sie sich nicht nur auf ihr Pausenbrot. Sie haben auch ein Auge auf ihre Mitschüler. Verbale Attacken, Mobbing oder sogar körperliche Gewalt wollen sie unterbinden helfen. Dabei geht es nicht vordergründig um fremdenfeindliche Anlässe. Damit habe man an der Schule so gut wie keine Probleme, erklärt Jeanette Schilling, die sich mit ihrer Lehrerkollegin Constanze Koch seit einem Jahr um das Projekt kümmert. " Doch schon ein Wortwechsel, meist unbewusst, kann weh tun. Das wollen wir den auslösenden Schülern klar machen ", verdeutlicht Constanze Koch das Bemühen für ein tolerantes Miteinander unter den Schülern.

Dario Balke, Sarah Knorr, David Salm, Judith Schenk, Christel Woiwode und Pascal Gallus gehören dem Schlichterteam an, wurden dafür sogar einmal in der Woche von Angehörigen der Fachhochschule der Polizei Aschersleben geschult. " Wenn ‘ s hoch kommt, müssen wir zweimal die Woche schlichten ", erklärt David. " Meistens schaffen wir es, die Streithähne zu beruhigen, wenn nicht, sind auch immer die beiden Lehrerinnen zur Stelle ", ergänzt Sarah. Manchmal müsse sogar ein Termin angesetzt werden, um in Ruhe über das Problem miteinander zu sprechen, weiß Dario.

Für ihr freiwilliges Engagement überreichte Cornelia Habisch gestern den sechs Mädchen und Jungen mit den ritterlichen Tugenden vor versammelter Schülerschaft eine Urkunde und ein Schild. Die Mitarbeiterin der Landeszentrale für politische Bildung als Träger des Projekts verwies dabei darauf, dass sich die Schule für den Titel stark eingesetzt habe und dass es mit dem Anbringen der Tafel auch nicht getan sei. Mit " Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage " werden Besucher ab demnächst im Eingangsbereich begrüßt, informierte Schulleiterin Ingrid Richter.

Stolz zeigte sich Oberbürgermeister René Zok über die Schüler, denen es wichtig sei, ihre Umwelt zu tolerieren, und die sich für den humanistischen Grundgedanken gegen Rassismus und Gewalt entschieden haben. " Ihr habt euch selbst auferlegt, miteinander zu lernen ohne Gewalt und ohne Mobbing ", lobte er. Und : In Sachsen-Anhalt gebe es erst 30 Schulen, die diesen Titel tragen.

Wie Sarah Knorr ihre Mitschüler in der voll besetzten Turnhalle noch informierte, beteiligen sich deutschlandweit nunmehr rund 250 000 Jugendliche an diesem Projekt. Und von Cornelia Habisch war zu erfahren, dass das keine deutsche Erfndung, sondern in vielen europäischen Schulen zu Hause ist. Als Gründer gelten belgische Schüler, denen vor 20 Jahren eine fremdenfeindliche Partei in ihrem Land nicht ganz geheuer war.

Und noch etwas lässt hoffen : Die nächste Generation Schülerschlichter wurde bereits aus den künftigen 7. und 8. Klassen geworben.