Staßfurt. Bei der Staßfurter Urania trifft sich einmal im Monat donnerstags ein Kurs, in dem Menschen schreiben. Die Hobby-Autorenschmiede um Schriftsteller Siegfried Maaß beschäftigt sich mit vielen literarischen Formen und Themen. Im Mittelpunkt der derzeitigen Arbeit stehen Erfahrungen mit der politischen Wende anlässlich des 20. Jahrestages. Doch das Spektrum im Uraniakurs ist viel weiter gefächert.

Wie kommt man zum Schreiben ? Die Wege sind vielfältig. Bei Eva Smyrek aus Staßfurt war es das Lesen. " Ich habe viele Bücher gelesen und irgendwann für mich entdeckt, dass ich im Schreiben eine Form fnde, mich auszudrücken ", sagt die Staßfurterin. Sie hat ihr Steckenpferd gefunden. Eva Smyrek schreibt an einen Märchenbuch für Kinder. Prinzessinnen und Könige kommen darin vor, schlaue Menschen, Feen und Elfen. Das Buch ist noch nicht fertig, doch eine erste Feuertaufe hat die Autorin schon hinter sich. Vor Schülern der Goethe-Grundschule hat sie Episoden aus ihrem Märchen vorgelesen und war beeindruckt von der Resonanz. " Die Kinder waren ganz aufmerksam und still, sie hörten zu, hinterfragten aber auch und wollten immer mehr wissen ", erinnert sich die Autorin. Für sie ein schöner Beweis, dass sie mit dem Märchen auf dem richtigen Weg ist und eine Motivation dazu.

Andere Mitglieder der Schreibwerkstatt haben Tagebuch geschrieben, haben sich schon ihr gesamtes Leben mit dem Verfassen von literarischen Texten auseinandergesetzt oder fnden im Schreiben eine Möglichkeit, persönliche Erlebnisse zu verarbeiten und zum Ausdruck zu bringen. Dinge, über die man sonst nicht reden kann.

Diese vielen Interessen will Schriftsteller Siegfried Maaß als Kursleiter zusammenbringen. Seine Aufgabe : Das Handwerk vermitteln, ein bisschen den eigenen Stempel aufdrücken, aber nichts von der Individualität der einzelnen Teilnehmer preis geben. " Oft haben alle schon sehr gute Ansätze, man muss nur ein klein wenig feilen, damit die Texte rund werden ", so der Schriftsteller. Dann werden Sprachbilder zurecht gerückt, Überschriften verändert oder Wörter durch andere ersetzt. Die Arbeit in der Gruppe macht Eva Smyrek viel Spaß. Anfangs sei es eine große Herausforderung gewesen, gesteht die Staßfurterin, sich vor anderen zu offenbaren, seine eigen Texte vorzutragen und damit auch der Kritik der Gruppe und des Leiters auszusetzen. " Man schreibt ja doch mit dem ganzen Herzen und denkt, es ist perfekt. " Doch letztendlich ist die Hobbyautorin dankbar für jeden guten Vorschlag von Siegfried Maaß – " dafür ist er ja der Fachmann und wir seine Schüler " – und aus der Gruppe.

Gegenwärtig arbeitet die Schreibwerksatt an einem Projekt, dass den Bezug zu einen ganz aktuellen Jubiläum herstellt und künstlerisch aufgreift. Es geht um die politische Wende in der DDR vor 20 Jahren ( Volksstimme berichtete ). Die Mitglieder haben sich dazu eigene Gedanken darüber gemacht, wie sie die Zeit ganz persönlich erlebt haben, welche Erfahrungen sie gemacht haben, welche Wünsche sie hatten, wie sie sich seit dem entwickelt haben, wo es Erfüllung aber auch wo es Resignation gab. Die Biograf en der einzelnen Mitglieder in der Schreibwerkstatt sind so unterschiedlich wie ihre Herkunft, man darf also vielfältigspannende Geschichten – umgesetztinvielenliterarischen Formen von der Erzählung bis zum Gedicht – erwarten. " 20 Jahre friedliche Revolution " ist das Motto der Veranstaltung, bei dem die Autoren am 11. Juni ab 18 Uhr ihre Geschichten bei der Staßfurter Urania am Prinzenberg vorstellen.