Großmühlingen. Die Fotografen machen den verheerenden Zustand deutlich. Ergraute und marode Wände sind zu sehen, von denen seit langer Zeit stetig der Putz bröckelt. Das Dach ist schief, kann die schwere Last der durchlöcherten Ziegeldecke nicht mehr tragen und bricht daraufhin zusammen. Fensterscheiben bleiben lediglich als Scherbenreste in den Rahmen. Alles wirkt trostlos, verlassen, dem Verfall ergeben. Einzig die Mauern bleiben stehen. Das Taufbecken, die Kanzel und die Bänke wurden vorher in Sicherheit gebracht. Im August 1995 glich der Anblick der St. Petri-Kirche in Großmühlingen einem ausgebombten Gebäude am Ende des Zweiten Weltkrieges.

Kirche St. Petri drohte langsam zu verfallen

Die Kirchenleitung wollte das Gotteshaus im Bördeland als " geordnete Ruine " stehen lassen. Aufgeben ? Nein. Die Großmühlinger, allen voran der Pfarrer samt Gemeindekirchenrat, krempelten die Ärmel hoch, trugen tonnenweise Schutt ab, bauten ein Jahr später den Dachstuhl wieder auf. Auch die Kirchenfenster konnten mit einer Notverglasung geschlossen werden. An Initiative mangelte es nicht. Doch dann drohte die weitere Sanierung an dem zu scheitern, an dem tagtäglich viele Dinge scheitern. Das Geld konnte nicht aufgebracht werden. Hier beginnt der herausragende Einsatz von Gabriele Gödeke. Für ihr Engagement ist die 64-Jährige in der Kategorie Gesellschaft als " Salzlandfrau 2009 " in Bad Salzelmen ausgezeichnet worden – namentlich passend, ist sie doch im brandenburgischen Finsterwalde als Gabriele Salzmann aufgewachsen.

Gabriele Gödeke wollte Journalistik studieren, bevor sie in Zwickau auf Lehramt für Deutsch und Musik umschwenkte. In Leipzig lernte sie ihren Mann Gerald kennen, zog zu ihm nach Großmühlingen und unterrichtete viele Jahre mit ihm an der dortigen Sekundarschule, nach deren Schließung an der Schönebecker Maxim-Gorki-Schule. " Danach die Hände in den Schoß zu legen, kam nicht in Frage. Ich brauchte eine neue Herausforderung ", sagt die energische Frau, die stets ein Ziel vor Augen brauche, auf dass sie hin arbeiten könne.

Als Vorsitzende des 2005 gegründeten Kirchbauvereins St. Petri gelang es ihr mit vielen Mitstreitern und viel Ausdauer, das Gotteshaus in Großmühlingen als geistlichen und kulturellen Mittelpunkt einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren. Ein großes Maß an Beharrlichkeit war immer und immer wieder von Nöten, um Sponsoren ausfndig zu machen, vom eigenen Projekt zu überzeugen und auch später in Kontakt zu bleiben. Mit ihrer Umtriebigkeit schaffte es Gabriele Gödeke immer wieder, Menschen zu begeistern und mitzureißen.

Das Schreiben unzähliger Briefe, E-Mails und das Führen von Telefonaten lässt die ehrenamtliche Arbeit von ihr mittlerweile zu einem Vollzeitjob werden. " Daneben ist es sehr wichtig, in persönlichen Kontakt mit Förderern oder politischen Entscheidungsträgern zu treten. Wir haben teilweise zehn Mal mit dem Vorzimmer im Ministerium telefoniert. Beim elften Mal hatten wir einen Gesprächstermin in Magdeburg ", sagt Gabriele Gödeke, die einen großen Anteil daran hat, dass die Kirche in Großmühlingen heute in neuem Glanz erstrahlt.

Auch beim zweiten großen Projekt des Kirchbauvereins, dem Bördehoftag in Großmühlingen am vergangenen Wochenende, nutzte Gabriele Gödeke die Gelegenheit, in persönlichen Gesprächen mit Besuchern und Gästen für die weitere Sanierung der St .-Petri-Kirche zu werben.