An der Grundschule Wolmirsleben gibt es fachlich nichts auszusetzen. Die integrativ betriebene Einrichtung liegt in einem grünen, verkehrsberuhigten Bereich. Sie ist sogar im Schulentwicklungsplan als erhaltungswürdig eingestuft. Trotzdem droht der Bildungsstätte das Aus. Träger ist die Kommune. Und die kann das Geld für eine dringend nötige Sanierung nicht aufbringen.

Wolmirsleben. " Es ist alles da. Der Standort ist ideal. " Knut Kluczka, stellvertretender Bürgermeister von Wolmirsleben, steht auf dem Dach der Grundschule. Die Bildungsstätte biete beste Bedingungen für die Sechs- bis Zehnjährigen. Ein gepf egter Sportplatz und eine Sporthalle schließen sich direkt an. Viel Grün, viel Ruhe in diesem verkehrsberuhigten Bereich dürften dem Lernen förderlich sein. Das pädagogische Konzept, das Engagement des Lehrerkollegiums, die beispielgebende Zusammenarbeit mit einem im Ort ansässigen Förderzentrum für behinderte Kinder, sprich : die integrative Beschulung ist top und steht nicht in Frage.

Das große Problem ist der bauliche Zustand des aus DDRZeiten stammenden Plattenbaus. In einigen Klassenzimmern herrscht an kalten Tagen aufgrund fehlender Dämmung eine Temperatur von gerade einmal 16 Grad Celsius. Das provisorische, mehrfach gefickte Flachdach hält die Feuchtigkeit nur noch mit Mühe von den Räumen darunter ab. Die unter der Dachpappe liegende Dämmung ist vollgesogen mit Wasser, an einigen Stellen fießt der Regen nicht mehr ab, es bilden sich Lachen. Die braune Brühe sickere bereits an der Hauswand herunter, klagt Hausmeister Harald Klatt und zeigt auf die besonders heiklen Stellen.

Wolmirsleben, sagt Knut Kluczka, habe sich für die dringende Sanierung der Grundschule fnanzielle Mittel aus dem Konjunkturpaket II der Bundesregierung ausgerechnet. Ein Antrag sei frühzeitig gestellt worden, zu Händen von Landesbauminister Karl-Heinz Daehre ( CDU ). Der habe den Antrag weiterreichen lassen an das Kultusministerium. Von dort sei signalisiert worden, dass der Landkreis zuständig ist. Der Landkreis wiederum habe darauf hingewiesen, dass das Land zuständig ist. Auf alle Fälle bewege sich in punkto Sanierung nichts.

Kluczka vermutet Arges. Weil mehrere Orte in der Verwaltungsgemeinschaft Egelner Mulde ein Konzept des Landesinnenministeriums zur Übernahme von Altschulden des Abwasserzweckverbandes " Bodeniederung " ablehnen, komme jetzt die Retourkutsche. " Für mich sieht das nach Erpressung aus. Hier wird auf den Köpfen unserer Kinder ein Machtkampf ausgetragen ", sagt Kluczka. Der Pressesprecher des Innenministeriums in Magdeburg, Martin Krems, weist auf Nachfrage eine solche Verknüpfung als frei konstruiert zurück. " Dieser Zusammenhang besteht nicht ", betont er. Für weitere Recherchen solle sich die Volksstimme doch bitte an die Kommunalaufsicht, also den Landkreis wenden.

Den Sanierungsbedarf für die Grundschule beziffert Kluczka auf insgesamt 800 000 Euro. Zu viel für ein Dorf mit reichlich Schulden und wenig Steuereinnahmen. Die Summe könne aus eigener Tasche nicht bezahlt werden, winkt Kluczka ab. Projektierungen für eine schönere Schule liegen aber bereits vor. Der Lokalpolitiker breitet die Pläne aus. Zu sehen ist ein schickes Gebäude mit einer großen solarthermischen Anlage auf der Südseite des Daches.

Wolmirslebens Bürgermeister Klaus Bierende holt weit aus. Im Salzlandkreis, bef ndet er frustriert, rangieren Grundschulen unter ferner liefen. Er habe in Gesprächen mit Vertretern von Land und Landkreis feststellen müssen, dass sich diese politischen Ebenen in erster Linie für Sekundarschulen und Gymnasien einsetzen. Grundschulen auf dem Lande würden inzwischen nicht nur aus demographischen Gründen geschlossen, sondern auch aus purem Geldmangel. Dieses Schicksal könnte auch die Wolmirsleber Bildungsstätte ereilen. " Ich empfnde es als einen Skandal, dass eine Grundschule für eine Kommune mittlerweile einen Armutsfaktor darstellt ", schimpft der 65-J ährige.

Er weist ausdrücklich darauf hin, dass in der Grundschule Wolmirsleben schließlich auch Schüler des vom Landkreis getragenen Förderzentrums unterrichtet werden. " Dafür haben wir nie einen Pfennig gesehen ", so Bierende. Eine Lösung sei für ihn nicht erkennbar. Die sei von höherer Stelle auch gar nicht gewollt. Solche " miesen Verhältnisse " an einer Schule gebe es nirgendwo. " Nur hier ", bemängelt der Bürgermeister mit Bitterkeit in der Stimme. Von " denen da oben " ist er tief enttäuscht. Die große Politik interessiere sich doch gar nicht für die Menschen. " Für die Banken gibt es Sonnenschirme. Für unsere Kinder gibt es Regenschirme ", zeichnet er ein drastisches Bild.

Aber was ist aus dem Antrag geworden, vom Konjunkturpaket II der Bundesregierung etwas abzubekommen ? " Wir werden daraus insgesamt 40 000 Euro für Wolmirsleben erhalten ", sagt Bierende und zeigt mit dieser Zahl die Grenzen des Machbaren auf. So ist das Schicksal der Grundschule im Grünen also besiegelt ? Eine Frage an die vom Innenministerium empfohlene Kommunalaufsicht in Bernburg.

" Die Trägerschaft der Schule liegt bei der Kommune ", hebt die für die Schulverwaltung zuständige Dezernentin des Salzlandkreises, Petra Czuratis, hervor. Zu einer innerkommunalen Angelegenheit wie dieser mag sie sich nur ungern äußern. " Ich kann über meine Zuständigkeit hinaus nicht tätig werden ", argumentiert die Dezernentin. Sie weist jedoch darauf hin, dass bei unaufschiebbaren Mängeln eine Sanierung auch bei vorläuf ger Haushaltsführung möglich ist. Das Land halte zudem ein Schulbauförderprogramm vor, von dem auch Grundschulen proftieren können. " Das wissen die Wolmirsleber aber alles ", sagt die Dezernentin. Sie werde sich demnächst mit dem stellvertretenden Bürgermeister zu einem informellen Gespräch treffen. Dieser Termin sei am Donnerstag vereinbart worden.