Seit gestern hat das Kreismuseum Schönebeck eine weitere Gemeinsamkeit mit dem Museum of Natural History in London : Beide nennen einen Baby-Quastenfosser ihr Eigen, ein Mini-Exemplar eines archaischen Knochenf schs, der in der Wissenschaft weltweit höchste Prominenz genießt. Spender ist der in Schönebeck geborene international renommierte Experte Professor Dr. Hans Walter Fricke. Allerdings muss der Fisch noch präpariert werden.

Schönebeck. Die Hauptperson lag auf Eis : Der Baby-Quastenfosser, der seit gestern dem Kreismuseum Schönebeck geört, musste erst aus der Kühlbox genommen werden. Bereits 1991 war er – noch im Bauch seiner Mutter – vor dem südostafrikanischen Land Mozambik gefangen worden. Von einer japanischen Flotte. Gemeinsam mit 27 Geschwistern. Eine Sensation, die den weltweit renommiertesten Forscher in diesem Bereich auf den Plan rief : Professor Dr. Hans Walter Fricke vom Max-Planck-Institut in München. Der gebürtige Schönebecker reiste in das damals vom Bürgerkrieg gebeutelte Land, um die seltenen Tiere für die Wissenschaft zu retten. Eine abenteuerliche Geschichte.

Gestern übergab Fricke einen der damals geborgenen Baby-Quastenfosser dem Kreismuseum in Schönebeck-Salzelmen. Olaf Busch und Uwe Regener vom Vorstand des Förderkreises, sowie Museumsleiter Rüdiger Radicke stand die Freude über dieses sensationelle neue Stück in der Sammlung des Museums buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Der Neuzugang reiste nach kurzer Zwischenstation in seiner neuen Heimat allerdings zuerst weiter nach Magdeburg. Dort muss er im Naturkundemuseum erst einmal fachgerecht präpariert werden, bevor er in Schönebeck präsentiert werden kann. Durchaus eine Herausforderung für Museumschef Dr. Hans Pellmann und sein Team. " Wir werden bis Ende des Jahres brauchen, um alles Notwendige für das Procedere vorzubereiten ", so Pellmann, " schließlich liegt das Tier bereits knapp 18 Jahre auf Eis, da müssen wir höchst sorgfältig vorgehen. "

Die Geschichte des neuen Schönebecker Fischbabys beginnt im August 1991 : " Ich wurde aus Paris angerufen und von dem Fang unterrichtet ", berichtet Fricke. 1987 erst hatte der deutsche Meeresforscher in einer spektakulären Aktion die archaischen Fische seit 1938 erstmals wieder gesichtet und schaffte es damals bis auf die Titelseite der New York Times. Interessant für die Wissenschaft ist der Quastenf osser vor allem deshalb, weil er vom Körperbau her den Übergang der Lebenwesen vom Meer aufs Land markiert. " Sehen Sie, diese Flossen hier sind schon die Anlage für Arme ", erklärt Fricke, " und auch der Beckenbereich ist vorgebildet. " Die Art ist zwischen 300 und 400 Millionene Jahre alt. 1991 überlegte Fricke nicht lange. Trotz massiver Warnungen vor dem brutalen Bürgerkrieg in Mozambik ertrotzte er sich ein Visum und reiste nach Maputo. An der Gewalt der rivalisierenden mosambikanischen Bürgerkriegsparteien kam er dort nicht vorbei : Vor dem Fenster seines Hotelzimmers sei ein Mann gequält und ermordet worden, ohne dass er habe eingreifen können. Im Museum von Maputo fand Fricke das getötete Muttertier und die ebenfalls toten 27 noch ungeborenen Babys in einem furchtbaren Zustand vor : " Die Jungtiere schwammen in einer Tiefkühltrühe neben Coladosen und Sandwiches ", erinnert sich der renommierte Forscher. Viele Hindernisse Korruption inklusive musste Fricke überwinden, um schließlich zehn Fische nach Deutschland retten zu können.

Erst 2010 werden die Salzländer und ihre Gäste das dann präparierte Jungtier in einem gesonderten Ausstellungsraum in Schönebeck bewundern können. " Wir werden es sicher im Zusammenhang mit unserem bereits vorhandenOriginalabguss eines ausgewachsenen Quastenfossers zeigen ", sagt Museumsleiter Radicke. Den hatte Fricke dem Museum bereits 2003 vermacht. Der Wissenschaftler engagiert sich regelmäßig für seine Heimatstadt. Im Kreismuseum ist auch seine erste, selbst konstruierte Taucherausrüstung zu sehen.

Am Montag, 6. April, zeigt Fricke um 19 Uhr seine neuesten Filmaufnahmen : " Verschollen am 80. Breitengrad Nord. "