" Wir müssen uns das nicht bieten lassen. " Die 50 Mitarbeiter des Stadtkrankenhauses Calbe, die gestern eine " aktive Mittagspause " einlegten, sind sich einig. Sie fürchten um den Ruf ihres Hauses. Mit Transparenten, Trillerpfeifen und anderen " Krachmachern " kritisierten sie vor allem Stadtrat und Bürgermeister. Der Konf ikt verschärft sich. Die Gewerkschaft Verdi hatte zur " Info-Demo " aufgerufen.

Calbe. " Ihr leistet eine gute Arbeit. " Thomas Mühlenberg, Verdi-Gewerkschaftssekretär

aus Magdeburg, erhielt für diese Feststellung gestern vor dem Stadtkrankenhaus Calbe viel Applaus. 50 Klinikmitarbeitern reichte es. Sie protestierten in einer " aktiven Mittagspause " gegen den ihrer Meinung nach " unprofessionellen " Umgang mit ihrer Einrichtung durch Vertreter der Kommunalpolitik. Wie berichtet hatten Bürgermeister Dieter Tischmeyer und Stadtrat Sven Hause ( Alternative Liste, ALC ) erste Ergebnisse aus einer Studie der renommierten Wirtschaftsprüfer Pricewaterhouse Coopers öffentlich gemacht. Aus dieser " Tiefenprüfung " gehe hervor, dass es im Krankenhaus über Jahre Verstöße gegen Vergaberichtlinien und Probleme bei der Vergütung des Personals gebe. Vorwürfe, die der Betriebsleitung anzulasten seien.

" Macht unsere Klinik nicht kaputt. " Nicht nur auf Transparenten machten sich Mitarbeiter Luft. Die Personalratsvorsitzende des Krankenhauses Kerstin Thiemann, gestern als Verdi-Mitglied in Aktion, wurde ebenfalls deutlich : " Wir müssen uns das nicht gefallen lassen. "

Wenn alles so schlimm sei, müssten sich die Kommunalpolitiker an die eigene Nase fassen, war Tenor der Kritik. " Was hat der Stadtrat in den letzten Jahren durchgewunken ", sagte Verdi-Mann Mühlenberg unter kräftigem Beifall. Und : " Wer verhandelt denn Chefarztverträge ?" Erbost reagierten die Mitarbeiter auf eine Weisung von Bürgermeister Dieter Tischmeyer. Der hatte vor der " Info-Demo " verfügt, dass die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Klinik ab sofort nur noch über ihn selbst erfolgen darf. Außerdem hatte er Kundgebungen und Demonstrationen in der Klinik untersagt und disziplinarrechtliche Konsequenzen angedroht. " Es gibt in diesem Land Versammlungsund Meinungsfreiheit ", konterte Verdi-Mann Mühlenberg. Er habe " vorsorglich " gehandelt, erklärte Tischmeyer. Chefarzt, Dr. Karl-Heinz Ulrich, habe ihm auf Nachfrage nur erklärt, er wisse von der geplanten Demo seiner Mitarbeiter nichts.

Besonders sauer sind die Klinikmitarbeiter auf Stadtrat Sven Hause, weil dieser die Notwendigkeit der Tiefenprüfung durch die negativen Ergebnisse bestätigt sieht. Hause erklärte dazu : Er begreife nicht, wieso jetzt die gesamte Belegschaft in den Konfikt um Verwaltung und Betriebsleitung hineingezogen werde. Daran, dass das Personal " hervorragende Arbeit " geleistet habe, bestehe kein Zweifel. Dies betonte auch der Stadtratsvorsitzende Dr. Georg Hamm ( CDU ). Er kritisierte allerdings, dass man die Stellungnahme des Krankenhauses zu den Vorwürfen nicht abgewartet habe. Diese wird für Montag erwartet. Die Diskussion sei auch nicht förderlich im Hinblick auf mögliche Pläne zur Privatisierung.

" Privatisierung an sich ist kein Teufelszeug ", erklärte Verdi-Sekretär Mühlenberg. Es komme auf die Konditionen an. Das Personal habe Angst, erklärte Kerstin Thiemann. Im Konf ikt um die Klinik hat der Calbenser Stadtrat den Wirtschaftsplan für 2009 am Donnerstag erst einmal von der Tagesordnung genommen.