Schönebeck. Kann ein Bajan, ein russisches Akkordeon, schreien, wie ein Mensch in höchster Not ? Die 60 Zuhörer, die das Passionskonzert der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck in der heimischen Johanniskirche gehört haben, konnten es erleben. Eine bewegende musikalische Meditation brachten die Musiker in kleiner Besetzung unter Leitung ihres Chefdirigenten Christian Simonis zu Gehör : " Die sieben Worte ", ein Werk der russischen Komponistin Sofa Gubaidulina. Mit den beiden Solisten Elsbeth Moser ( Bajan ) und Reynhard Rott ( Violoncello ) gelangen dem Orchester gleich mehrere Kunststücke : Moderne und " klassische " Elemente vereint schon die Komposition an sich. In der Aufführung schafften es die Musiker, eine Atmosphäre höchster Emotionalität und Eindringlichkeit herzustellen ohne – wie mitunter bei Neuer Musik üblich – akustische Extremsituationen zu produzieren.

Dabei sind es keineswegs gängige Töne, die die 1931 geborene, seit 1992 bei Hamburg lebende Komponistin, wählt. Elsbeth Moser quetscht aus ihrem Instrument noch den letzten Ton heraus, wenn es eigentlich schon keine Luft mehr haben kann. Das Cello spielt stets auf dem Drahtseil einer fast zerreißenden Spannung, das Orchester erzeugt Klänge voll flirrendem Schmerz.

" Die sieben Worte ", das Stück Gubaidulinas, bezieht sich auf die letzten Worte des sterbenden Jesus am Kreuz. In der Musik lebendig wird nicht nur die christliche Passionsgeschichte vom Tod am Kreuz, für den der Karfreitag in der kommenden Woche steht. In der Musik haben menschliche Grenzerfahrungen Raum, in denen sich jeder wiederfinden kann. Schmerz, der bis über das scheinbar Erträgliche hinausgeht, immer noch ein Stück mehr. Gewalt, der der Mensch ausgeliefert ist, ohne die Situation ändern zu können. Verzweifung wie sie in der Bibelstelle zum Ausdruck kommt : " Mein Gott, warum hast du mich verlassen ?" Und dann nach allem Durchlittenen doch Zuversicht. " Mir scheint, dass ich die ganze Zeit durch meine Seele reise. " Der Satz der Komponistin Sofia Gubaidulina, Schülerin von Dimitri Schostakowitsch, scheint wie für diesen Nachmittag in Schönebeck gemacht.

Die Hingabe, mit der sämtliche Musiker, besonders aber die beiden Solisten, diese ungewöhnliche Musik gestalten, teilt sich dem Publikum mit. Ganz still ist es in der Johanniskirche an diesem vorösterlichen Nachmittag. Ein paar Momente auch nach dem Konzert, bevor es dann für die Musiker den verdienten Beifall gibt. Unterstützt wurden sie von den beiden Pfarrern Matthias Porzelle und Thomas Thorak.