Fünf Tage ist das Schülerakkordeonorchester der Kreismusikschule im Salzlandkreis im Probenlager. Im Tarthuner Wöhl bereiten die jungen Musikerinnen und Musiker ihr Programm für ein Konzert im Juni vor. Viel Üben ist deshalb angesagt. Aber auch der Spaß kommt nicht zu kurz. Musikschulleiter und Orchesterdirigent Dieter Giesemann setzt auf eine ausgewogene Mischung von musikalischer Arbeit und Osterferienspaß.

Tarthun. Kroko sitzt in der Probe neben Noah. Das gut einen halben Meter lange grüne Stofftier passt genau auf, dass der Siebenjährige aus Löderburg die richtigen Töne auf seinem kleinen Akkordeon greift. " Kroko ist fast immer und überall dabei ", sagt Noah, der seit einem Vierteljahr im Schülerakkordeonorchester der Kreismusikschule spielt.

Zum ersten Mal nimmt der Grundschüler am Probenlager im Tarthuner Wöhl teil, probt intensiv mit vorwiegend Gleichaltrigen und älteren Musikschülern die Stücke für ein Programm ein, das am 20. Juni ab 15. 30 Uhr zur Aufführung im Staßfurter Salzlandtheater gelangen soll. Eine Woche lang ist Noah von Zuhause weg. " Das ist nicht schlimm. Meine Freunde sind hier, wir machen viel Musik, aber auch viele andere Dinge. " Und Kroko ist Garant dafür, dass sich Noah niemals allein fühlen muss.

Musikschulleiter und Orchesterdirigent Dieter Giesemann bestätigt, dass Heimweh bei den Kindern kein Problem in den Probenlagern sei, eher - so die Erfahrung – die Sehnsucht der Eltern nach ihren Schützlingen. Befürchtungen, die Kleinen würden nicht allein außerhalb schlafen, lösten sich im Haus der Lebenshilfe Bördeland im Waldstück bei Tarthun von selbst auf. " Den Kindern gefällt es hier ausgezeichnet. "

Seit 1996 kommt das Ensemble regelmäßig in den Wöhl, um intensiv zu arbeiten. Herausforderung für den künstlerischen Leiter ist in diesem Jahr, dass sich die Besetzung seines Orchesters stark verjüngt hat. 25 Kinder und Jugendliche spielen im Schülerakkordeonorchester

mit, wenige davon sind in der siebten oder achten Klasse, die meisten sind jünger. " Der Durchschnitt hat sich so bei Klasse vier bis fünf eingepegelt ", sagt Giesemann. Fortgeschrittenere Instrumentalisten hätten die Musikschule und damit auch das Orchester verlassen, um zu studieren oder einen Beruf zu erlernen.

Die Kinder und Jugendlichen, die jetzt mitspielen, haben allesamt jeweils eine Wochenstunde Solounterricht und zusätzlich eine Orchesterprobe in der Woche. Auf diese Faktoren müsse man reagieren, so Giesemann, wenn man sich überlegt, welche Stücke im Konzert gespielt werden sollen.

" Es soll ein Programm auf die Beine gestellt werden, bei dem sich alle Zuhause fühlen. " Kleinere Bearbeitungen, Popsongs, Tänze aber auch leichte Originalkompositionen werden auf dem Programmzettel zu finden sein. "… auf die Tasten, fertig, los …" ist dann das Motto des Jahreskonzertes vom Schülerakkordeonorchester. " Der Generationswechsel ist vollzogen und wir wollen einfach zeigen, welche Möglichkeiten das junge Ensemble schon hat. Interessantes Stück wird dabei die Suite " Im Brummerland ", eine Kurzgeschichte für Sprecher und Orchester von Chris Sandner.

Damit alles gelingt, muss jetzt in Tarthun viel geübt werden. Sechs Stunden am Tag sitzen die Kinder und Jugendlichen in den Proben. Entweder alle zusammen im Orchester oder in kleineren Formationen bei den intensiveren Registerproben. Unterstützt wird Giesemann hierbei von Tutoren, älteren Musikschülern, die dem Orchester schon lange verbunden sind : Markus Kothe, Kevin Dietrich, Hilde Biedermann, Rolf Meyer, Franziska und Friederike Giesemann. Das sei auch für die Kinder spannend, die bei den wenig Älteren erlebten, wie weit man mit dem Akkordeon kommen könne.

Dieter Giesemann ist es dabei immer wichtig, den Ausgleich zwischen intensiver musikalischer Arbeit und dem Spaß zu finden. " Konsequent aber nicht verbissen ", nennt er das. Die jungen Instrumentalisten müssten ein Gespür dafür bekommen, dass Musizieren eine ernste Angelegenheit sei, aber auch eine erfüllende verbunden mit Freude. So ist der Dirigent in der Probe immer wieder mal für einen Spaß zu haben, muss dann aber wieder Momente der Ruhe und Konzentration schaffen. Seine Erfahrung seit Jahren sei auch, dass die Kinder das Musizieren sehr ernst nehmen würden, trotz recht langer Probenphasen. Mit einem Ergebnis, das jeder bemerke : " Was wir hier in fünf Tagen schaffen, schaffen wir sonst in einem halben Jahr nicht. "

Neben den Proben gibt es viele Freizeitaktivitäten. Ein Geländespiel, Lagerfeuer, Disko – auch das müsse sein, weiß der Musikschulchef. Rund um die wöchentliche Probe des Orchesters bleibe oft nur wenig Zeit, in der die Kinder miteinander ins Gespräch kämen. Im Wöhl sei das anders, hier lerne man sich richtig kennen.

Und das, so Giesemann, wirke sich wieder auf das Ensemble insgesamt aus : " So das Probenlager eine schöne Sache ", ist sich der Musikschulchef mit Nachwuchsspieler Noah einig. " Es bringt die jungen Instrumentalisten zusammen, weckt den Spaß beim Üben, motiviert – das alles kommt aus der Gemeinschaft. Das Rezept, um aus der Breite eine Spitze zu formatieren. "