Mit einer Willensbekundung haben sich die Mitglieder des Ortschaftsrates in Hohenerxleben einstimmig für den Bau des neuen Dorfgemeinschaftshauses ausgesprochen.

Hohenerxleben. Das Einvernehmen der Bürgervertretung im Staßfurter Ortsteil war wichtig, damit in den Fachausschüssen und im Stadtrat entsprechende Vorlagen beschlossen werden können, um Planungsleistungen auszuschreiben und das Baugenehmigungsverfahren in Gang zu bringen. Die Zeit drängt, denn die Verwaltung setzt auf die finanzielle Förderung über Programme der Europäischen Union, immerhin 400 000 Euro Baukosten sind veranschlagt. Das gesamte Projekt wurde noch einmal intensiv im Ortschaftsrat und mit den Vereinen besprochen, zum Teil in einer hitzigen Diskussion.

" Wir haben jetzt die historische Chance, ein Haus bauen zu können, in dem bürgerliches und Vereinsleben getragen wird. Ein Bürgerhaus für alle Bürger ", sagt Jürgen Daumann vom Kultur- und Heimatverein in Hohenerxleben. Er betont, dass unter den jetzigen finanziellen Bedingungen der öffentlichen Hand der Neubau einmalig sei. Deshalb müsse die von ihm angedeutete wichtige Chance genutzt werden, ohne Fehler aus der Vergangenheit zu wiederholen.

Grundsätzlich stehe der Kultur- und Heimatverein zum Ersatzneubau für das alte Dorfgemeinschaftshaus, ohne Wenn und Aber. Doch verbinden die in dieser Gruppe organisierten Hohenerxlebener auch Ängste mit dem Projekt. Denn der Kultur- und Heimatverein wird seine Heimat nicht im neuen Dorfgemeinschaftshaus finden. Sicherlich, der Saal kann von den Mitgliedern wie auch beim jetzigen Haus genutzt werden.

Dennoch, sein Domizil behält der Verein in der alten Schule. Bald als einziger " Mieter ". Und das bereitet den Vereinsmitgliedern Sorgen. " Allein können wir das Objekt hier nicht halten ", erklärt Jürgen Daumann. Mit viel Mühe habe man Räume saniert. Doch wenn man für sich selbst in dem großen Haus sei, würden die Kosten den Verein überfordern und ihn zur Aufgabe seiner Arbeit zwingen, malt Daumann aus. Ein Argument, hinter dem viele aus dem Verein stehen. Nicht zuletzt plagt die Gruppe der Gedanke, dass die Schule eines Tages verkauft werden könnte, man dann auf der Straße stehe.

Aussagen, die Ortsbürgermeister Sven Wagner während der Sitzung des Ortschaftsrates diskutiert wissen wollte, die für ihn aber haltlos sind. Er verwies auf den Mietvertrag des Vereins mit der Stadt Staßfurt, der sich automatisch nach Drei-Jahresfrist verlängere. Auch an den Kosten, die jetzt vom Verein getragen werden, ändere sich dabei nichts.

Größerer Saal für Veranstaltungen

Die Kostendiskussion, so Wagner, sei zuerst Spekulation. Denn : " Wenn die Vereine irgendwann stärker finanziell herangezogen werden, beginnt dieser Prozess nicht nur in Hohenerxleben, sondern in allen Ortsteilen. " Und dass sei schließlich auch eine politische Entscheidung, die Ortschaftsräte und Stadtrat mittragen müssten. " Ob die eine Gefährdung ihres Vereinslebens in den Orten festlegen, ist doch mehr als fraglich. "

Wagner verwies auf die Chancen, die der Kultur- und Heimatverein in der Schule hätte. " Die Möglichkeiten der Entfaltung sind hier optimal. " Beispiele dafür gebe es in Unseburg und Löderburg, wo die Heimatvereine umfangreiche Sammlungen zusammengetragen und ausgestellt hätten, die viel Raum benötigten, ohne dass jemand nach den Kosten fragt. " Dabei geht es um Geschichte und Identität des Ortes. "

Kritikpunkt des Kultur- und Heimatvereins bleibt auch die Größe des Saals im Dorfgemeinschaftshaus. Der Platz für rund 100 Leute, so die Ansicht vieler Mitglieder, genüge nicht vollends. Im Verein gebe es viele Ideen, die sicherlich auch entsprechendes Publikum anziehen würden. Bisher konnten sie nicht umgesetzt werden, weil der Platz fehlte.

In diesem Zusammenhang kam auch die Frage auf, ob der Schützenverein so viel Platz im neuen Bürgerhaus brauche oder ob für die Sportschützen nicht ein anderer Ort gefunden werden könnte.

Wolfgang Waschk, Fachbereichsleiter für Bauen und Stadtsanierung im Staßfurter Rathaus, erklärte, dass es dazu zahlreiche Untersuchungen in verschiedenen anderen Gebäuden, wie der Schule oder der alten Turnhalle, gegeben habe. Technisch sei aber hier niemals der Einbau eines Schießstandes, der mit verschiedenen Sicherheitsauflagen verbunden sei, möglich gewesen. Rund 80 Quadratmeter stehen der Schützengilde im neuen Bürgerhaus zu, 20 weniger als jetzt. Das sind 20 Prozent der Nettofäche, dennoch befürchtet der Heimatverein, das Bürgerhaus werde Schützenhaus.

Viel Spielraum, so die Planer habe man bei der Größengestaltung des Saales nicht, wenn man den Kostenrahmen nicht sprengen möchte, ein finanzieller Mehraufwand von bis zu 65 000 Euro könnte zustande kommen, baue man die zusätzlich vom Heimatverein geforderten Quadratmeter.

Als Verweis blieb die überdachte Terrasse unmittelbar am großen Saal, die im Sommer auch genutzt werden könne.

Die Kosten spielen wie bei vielen öffentlichen Bauvorhaben eine wichtige Rolle. 400 000 Euro soll der Neubau kosten. Wenn es der Stadt gelingt, in entsprechenden Fördermittelanträgen ein ausgeglichenes Kosten-Nutzen-Verhältnis darzustellen, ergibt sich die Möglichkeit einer bis zu 70-prozentigen Förderung durch das Leader-Programm der Europäischen Union, verteilt vom Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten ( ALFF ).

Hohe Förderung über EU möglich

Auf einer internen Prioritätenliste stehe man mit Abriss des alten Hauses und Neubau unter rund 30 Projekten auf Platz drei. Deshalb, so Wolfgang Waschk, sei es wichtig, mit entsprechenden Beschlüssen die Planungsphase in Gang zu bringen. Im neuen städtischen Haushalt ist der Eigenanteil für den Neubau aufgeführt. Frühestens im Mai liegt der Etat genehmigt vor.

Dann müssten die Fördermittelanträge gestellt werden. Nur 2009 und 2010, als Baujahre vorgesehen, könne die Stadt die hohe finanzielle Unterstützung beantragen, danach verringere sich der Förderanteil. Auch deshalb sei Eile geboten, meinte der Fachbereichsleiter.

Die vom Ortschaftsrat verabschiedete Absichtserklärung soll nun die von Waschk angesprochenen Verfahren anschieben. Außerdem muss neu beschlossen werden, dass die Heimatstube nun doch nicht in das neue Haus kommt, wie ursprünglich geplant.

Beim Ortschaftsrat rannte die Verwaltung mit ihrem Eilverfahren offene Türen ein. Einstimmig bekannte man sich zum Neubau des Dorfgemeinschaftshauses.

Das Projekt wird nun im Bauausschuss und Stadtrat diskutiert.