Staßfurt. " Kinder haben ein natürliches Gespür für Gefahrensituationen, sie müssen allerdings darin geschult werden ", meint Steffen Claus, Sachsen-Anhalts bekanntester Kinderpolizist. Er ist auch Initiator des Projektes " Agentur Schutzengel ", bereist Kindertagesstätten und Grundschulen, um mit Mädchen und Jungen im Alter zwischen vier und sechs Jahren über Gefahren zu sprechen – vom Schulweg über den Brandschutz bis hin zu Straftaten, längst keine Ausnahmedelikte mehr, denen Kinder immer wieder ausgesetzt sind. Claus war gestern in der Staßfurter Kindertagesstätte Sandmännchen zu Gast. " Wichtig ist, dass Kinder sich in diesen Situationen auf ihre Intuition verlassen, richtig und gelassen reagieren und einen gewissen Verhaltenscodex anwenden. "

Es reiche zum Beispiel nicht aus, einfach allen fremden Menschen mit Mißtrauen zu begegnen, sondern zu begreifen, was das Gegenüber wirklich will, dann zu unterscheiden : Ist es gut oder nicht, nennt Claus ein Beispiel. Denn Stereotypen, wie " dem bösen Mann ", begegne man im Alltag nicht. Meist würden Straftäter freundlich und vertraulich auftreten. Oft kämen sie sogar aus dem Umfeld des Kindes selbst und seien nicht fremd. " Hier muss das Kind gewisse Verhaltensformen sofort abrufen können, reagieren oder weglaufen. "

Wichtig ist dem Präventionsberater, dass alle Themen aus dem Blickwinkel des Kindes besprochen werden. In seiner " Agentur Schutzengel ", gefördert vom Sozialministerium des Landes Sachsen-Anhalt, hat er verschiedene pädagogische Modelle konzipiert. Da gibt es " Kinder lernen Bösewichte kennen " – ein kriminalpräventives Puppen- und Rollenspiel, den " Polizeiraben Rudi " oder " Unterricht mit Kommissar Schröder ", einem kuschligen Besuchshund. In der Kita Sandmännchen hieß es gestern " Tatort Märchenwald ". Anhand Grimmscher Märchenfguren zeigte Claus Gefahrensituationen auf. Seine Erfahrung bestätigte sich auch in Staßfurt : " Die Kinder wissen schnell, welche Fehler zum Beispiel Rotkäppchen macht, wenn sie unerlaubt den Weg verlässt und die Gefahr im Haus der Großmutter erkennt, aber eben nicht wegrennt. " Schnell könnten so Verbindungen zur Wirklichkeit hergestellt werden. Der Kinderpolizist erachtet es als wichtig, über diese Dinge zu sprechen. Eltern wollten ihre Kinder in vielen Fällen behüten und hielten Gespräche über an Kindern begangene Straftaten von den Kleinen fern. Diese falsch verstandende Vorstellung von Schutz, so Claus, mache die Kinder aber erst schutzlos.

Damit Eltern wissen, wie sie Themen wie Gefahren für Kinder, Gewalt oder Verbrechen mit ihrem Nachwuchs kommunizieren können, bietet Claus thematische Elternabende an. In Staßfurt gab es gestern auch so einen unter dem Motto " Damit Kinder nicht Opfer werden ". " Es reicht nicht aus, alles nur mit den Kindern zu besprechen. Auch jene müssen Bescheid wissen und die richtigen Ansatzpunkte geschult bekommen, die jeden Tag mit ihrem Kind sprechen. " Das Elterngespräch vermittelte Empfehlungen und Verhaltensregeln, die dem Kind ermöglichen, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und sein Verhalten in solchen Situationen nach bewährten Möglichkeiten zu steuern. So würden nicht Ängste geschürt, sondern genommen, ist sich Kinderpolizist Claus sicher.