Das herrliche Vogelgezwitscher ist ein sicheres Zeichen für den Frühling. Doch, dass es überall trällert und tiriliert, ist nicht ganz so selbstverständlich, wie es scheint. Die Futtersuche stellt die kleinen gefiederten Freunde in der kalten Jahreszeit auf die Probe. Der Naturschützer Friedhelm Stein sorgt seit zehn Jahren dafür, dass die Vögel in Schönebeck nicht Hunger leiden müssen. Zudem betreut er ehrenamtlich 125 Nistkästen.

Schönebeck. Pst ! Schauen Sie mal ! Ein wunderschönes Buchfnkenweibchen. Wo ? Na da, auf dem Ast. Wo ? Genau geradezu. Ich kann nichts sehen. Na dann schauen Sie mal genauer hin ! Ach da, wie niedlich.

Während unsereins lediglich durch den Wald flaniert, ist Friedhelm Stein auf Entdeckungsreise. Seine Augen " tanzen ", der Kopf dreht sich in alle Richtungen. Dem Vogelexperten entgeht nichts. Egal, wie dicht das Gestrüpp ist. Jeder Nistkasten, der schief hängt, jedes Loch, das ein Specht neu gemeißelt hat, jeden Baum, den der Biber zerlegte, alles nimmt er zur Kenntnis. Ein Spaziergang mit Friedhelm Stein durch die gerade erwachende Frühlingslandschaft bestätigt, dass man viel zu selten mit wachen Augen durch die Natur geht. Im grünen Dickicht passiert eine ganze Menge. Man nimmt es nur nicht wahr. Friedhelm Stein dagegen schon.

Pflege und Wartung von 125 Nistkästen

Der 69- Jährige betreut seit nunmehr zehn Jahren das Waldgebiet " Am Biberkopf ", in Schönebeck-Elbenau. Vor allem die Vogelwelt hat es den Hobby-Naturschützer angetan. Aus diesem Grund kümmert er sich seit gut einem Jahrzehnt um die Nistkästen in diesem Forstrevier. 125 Stück pflegt und wartet er Jahr für Jahr. Mal ist ein Dach kaputt, mal muss sauber gemacht werden, irgendwas ist immer zu tun. Im Winter sorgt er dafür, dass die gefiederten Freunde nicht verhungern. Mit selbst gemischtem Vogelfutter bringt er Meisen, Finken, Amseln und Dompfaffen über den Winter. Die Vögel danken es ihm. Er hat sich sozusagen in ihr Herz " gefüttert ".

" Inzwischen fressen sie mir sogar aus der Hand ", verrät Friedhelm Stein stolz. " Allerdings nur im Winter, denn im Sommer sollen sie sich selbst versorgen ", ergänzt er.

Angefangen hat alles mit der Freundschaft zum damaligen Revier-Förster Hans Häneke. " Stundenlang waren wir Wald unterwegs ", erinnert er sich. " Vogelarten haben wir bestimmt, Fährten gelesen und Tiere beobachtet. " Dass er Herr über 125 Nistkästen wurde, das ergab sich, wie er es formuliert, " einfach so ".

Dank seiner Fürsorge haben zahlreiche Blaumeisen, Kohlmeisen, Kleiber und Kernbeißer den strengen Winter überlebt. Stolz verweist Friedhelm Stein darauf, dass fast alle Nistkästen belegt seien. Das zeigt, dass er seine Arbeit gut gemacht hat.

Der Wald steckt voller Überraschungen

Jetzt hat er erstmal Pause und kann die kleinen und großen Wunder der Natur beobachten. Vor wenigen Tagen waren es Silberreiher am Gommerschen Loch, die sein Herz höher schlagen ließen. Auch lässt der Biber sich hin und wieder Blicken oder ein Wildschwein schaut um die Ecke. Gerade jetzt in der Frühlingszeit steckt der Wald voller Überraschungen und Friedhelm Stein garantiert, " ein Spaziergang lohnt sich ".