Staßfurt. " Es war eine sehr intensive Zeit. Realitäten veränderten sich schnell, die Dinge überschlugen sich ", erinnert sich Erika Peter, wenn sie auf die Wende zurückblickt. Mit der Zeit des politischen Umbruchs in der DDR vor 20 Jahren befassen sich seit einigen Monaten die Autoren der Schreibwerkstatt in der Staßfurter Urania um Schriftsteller Siegfreid Maaß.

Erika Peter gehört zu dieser Runde. Seit ihrem Studium 1965 führt sie Tagebuch, auch die Wende fndet sich in ihren Aufzeichnungen wieder. " Tagebuchschreiben ist wie ein Bedürfnis für mich geworden. Ich halte die wichtigen Dinge fest, aber auch Gefühle ", beschreibt Erika Peters. Ihre Aufzeichnungen vom Ende der 80 er Jahre seien aber eher spärlich. " So viel ist passiert, dass man oft kaum Ruhe gefunden hat, um alles niederzuschreiben. " 20 Jahre später hat sie Gelegenheit, das Thema noch einmal literarisch aufzuarbeiten, ihre persönlichen Aufzeichnungen aus der Wendezeit helfen ihr dabei.

Siegfried Maaß erklärt, das genau sei Hintergrund der Semsterarbeit. " Es sollte nicht um Fakten oder einen Geschichtsabriss gehen, sondern um individuelle Eindrücke. " Der Autor selbst hat seinen Beitrag zum Thema " 20 Jahre friedliche Revolution " bereits geleistet und am Mittwoch sein neuestes Buch " Nachtfahrten " in der Stadt- und Regionalbibliothek vorgestellt. Nun erarbeitet er es mit den Autoren seiner Schreibwerkstatt. " Das Jubiläum bietet einen Anlass, das historische Geschehen aufzuarbeiten ", so der Schriftsteller. Er habe de Erfahrung gemacht, dass die Teilnehmer des Kurses viele Erfahrungen im Zusammenhang mit der Wende gemacht hätten und die unterschiedlichsten Formen f nden, diese zu artikulieren. " Oft sind diese Ideen aber nicht an der Oberfäche, sondern es bedarf eines kleinen unmittelbaren Anstoßes. " Denn jeder, der den politischen Umbruch erlebte, sei davon in irgendeiner Form betroffen und geprägt. " Ziel der Schreibwerkstatt ist es, diese eigenen Erfahrungswelten allgemeingültig zu formulieren. " Erika Peter ergänzt, dass ihr das Schreiben aufgrund der historischen Gegebenheiten leichter gefallen sei, als wenn es um reine Fantasiegeschichten ginge.

Doch die literarischen Formen waren den Kursteilnehmern jetzt in Gänze frei gestellt. So finden sich fiktive Erzählungen über eine Familie mit autobiographischen Bezügen der Autorin Eva Smyrek neben den Erzählungen von Erika Peter und modernen Gedichten von Reinhard Ziegler. Siegfried Maaß erachtet die Schreibarbeit als ganzheitlich wichtig, als Schatz für das Miteinader. " Jeder Mensch besitzt so viele Erfahrungen und mit jedem Menschen, der diese Welt verlässt, gehen auch diese Erfahrungen. "

Den Schatz ihrer Erlebniswelten wollen die Autoren der Schreibwerkstatt mit anderen teilen. In diesen Tagen arbeiten sie noch an ihren Wende-Geschichten, verleihen ihnen den letzten Schliff. Am Donnerstag, dem 11. Juni, lesen ab 18 Uhr die Mitglieder der Schreibwerkstatt bei der Staßfurter Urania aus ihren Manuskripten. Dann dreht sich alles um " 20 Jahre friedliche Revoltion ", gesehen aus sieben ganz verschiedenen und doch höchst persönlichen Perspektiven.