Leergefegt hatten Beate Kramer und ihre Mitarbeiter die Räume hinter den Kulissen des Staßfurter Salzlandtheaters. Um sie im Stil der 20-er wieder zu zu füllen. Auch mit Hilfe der Gäste. Die meisten erschienen zeitgemäß gekleidet – mit Zylinder und Federschmuck.

Staßfurt. Ein feiner, schmaler Sichelmond stand am Nachthimmel. Eine feine, glamouröse Gesellschaft tanzte, schwelgte und amüsierte sich am Sonnabend durch den diesjährigen Theaterball des Salzlandtheaters Staßfurt.

Gedämpftes Licht, weich fließende Stoffe, dezentes Gemurmel. Salons in orangenen, blauen und weißen Farben. Fein verkleidete Tische und noch feiner verkleidete Menschen. Die Damen in Charlestonkleid und Federboa gehüllt, die Herren in Frack und Zylinder. Le Bal – eine Nacht lang machten Gäste und Akteure sie wieder lebendig : die Zeit der 20-er Jahre.

Sie taten es nicht nur optisch, auch gefühlt lag über dem gesamten Abend eine entspannte, gelöste Stimmung. So musste Peter Schulze, Conférencier des Abends, seine Gäste nicht lange bitten, sich die Bühne zu erobern. Diese hatte sich zum Ballsaal samt Buffet, Tanzf äche und Orchester verwandelt.

Viele Gäste aus Magdeburg, Berlin, Staßfurt, Köthen, Sangerhausen, Quedlinburg oder Aschersleben passten in diese Ballnacht. Aber passen zwei Menschen in einen Ball, der im Durchmesser nicht größer als ein Meter ist ? Die Theaterperformance Anasages trat einen " bewegenden " Beweis an. Mit beeindruckenden Kostümen, Farben, Tönen und Bewegungen gingen Kathrin Sanders und Hilmar Messenbrink auf Tuchfühlung, zunächst mit sich selbst, im Laufe des Abends auch mit ihrem Publikum.

La Bohéme – es wurde nicht nur das Motto des Abends, es ist auch der Name des Naumburger Salonorchesters, das mit Swing, Tango, Fox, Twist und Walzer die Musik der 20-er in geübte und ungeübte Tanzbeine spielte. Getanzt wurde, wo es gefiel : Tanzverliebte Pärchen schwebten gekonnt über den Bühnenboden, im abgedämpfteren Licht der Nebenbühne gab es " eheliche Tanzstunden ". Er tanzte mit Ihr ganz spontan, gleich neben dem Tisch oben auf dem Rang.

Doch nicht nur zwischen Salonorchester und Tanzpublikum sprang der Funke der Symphatie hin und her, auch in der Galerie amüsierten sich Gäste und Musiker gleichermaßen. In anrührend-bissigen Geschichten erzählten Chansonier Karsten Troyke und Pianist Götz Lindenberg von liebeskranken Millionären, mörderischen Handküssen und einem Weihnachtsmann auf der Reeperbahn. Klang- und stilvoll verpackt in Melodien deutscher, russischer, jiddischer Komponisten und eigener Melodien des Pianisten Götz Lindenberg. Chansonier Karsten Troyke schwitzte und sang sich die Lieder aus dem Leib, das Publikum dankte es beiden Musikern am Ende mit tobendem Applaus.

So wechselten die Szenen und Bühnen dieses Abends : vom Ballsaal in den Salon, vom zweisamen Tischgespräch zu den Bravorufen für die Musiker. Von der Absinth-Bar zum Buffet eines Staßfurter Speiseservice-Unternehmens.

An diesem Abend gelang dem Förderverein des Salzlandtheaters als Veranstalter und den Mitarbeitern des Hauses die Kunst der Balance : zwischen Vergnügen und Unterhaltung, zwischen Leichtigkeit und Eleganz. Eine Balance, die auf die Lust der Gäste traf, sich dieser Nacht der 20-er hinzugeben. Es war noch immer jener feine Sichelmond, als sich mit Audrey Hepburns " Moonriver " der Vorhang dieser ballrunden Nacht leise senkte.

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