Milliardenschwere Rettungsschirme sollen nach Fehlspekulationen strauchelnde Banken und Autokonzerne auffangen. Deutschland steckt in der Finanzkrise und der Staat greift ein. Was den Großen recht ist, muss den Kleinen billig sein, dachte sich deshalb Ernst-Hermann Brink ( Die Linke ) aus Amesdorf und wandte sich als privater Bittsteller an Bundeskanzlerin Angela Merkel ( CDU ).

Staßfurt. " Da die Konjunkturpakete I und II für mich einen Nutzen haben, möchte ich Sie um eine Bürgschaft der Bundesregierung in Höhe von wenigstens 100 000 Euro bitten ", schreibt Ernst-Hermann Brink in einem Brief Anfang des Jahres an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Seine Bitte an die Regierungschef n fndet der Amesdorfer nicht verwegen, weiß er doch um die Initiativen der Obrigkeit, den Banken und Autokonzernen aus der Krise zu helfen. Warum soll das nicht auch für den Steuerzahler möglich sein, dachte sich Brink und kann auch schwerwiegende Gründe vortragen. " Zum einen möchte ich mich als überzeugter Konsument im Rahmen meiner Möglichkeiten an der Rettung unserer Volkswirtschaft beteiligen und die Mittel aus einem entsprechenden Kredit meiner Bank ausschließlich antizyklisch in die krisenbedrohte Wirtschaft pumpen. " Lange zurückgestellte Kauf- und Investitionswünsche im Hause Brink könnten zum Wohle der Konjunktur realisiert werden. Daneben, so der Amesdorfer, würden die Wünsche der Kinder und Enkelkinder seine finanziellen Möglichkeiten übersteigen. " Mit einer Bürgschaft könnte ich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen : Die Kinderaugen würden strahlen, meine Bank würde gestärkt, der Konsum würde angekurbelt und die hiesige Geschäftswelt würde vor drohenden Umsatzrückgängen bewahrt werden. "

Als Anlage zu seinem Brief sandte Brink gleich ein Überweisungsformular mit seiner Bankverbindung an das Kanzleramt in Berlin, voller Hoffnung, Merkel werde ihn als " persönliche Risikoschirmherrin gewiss nicht im Regen der Krise stehen lassen. "

Antwort aus der Bundeshauptstadt ließ nicht lange auf sich warten. " Ihre Ausführungen wurden hier aufmerksam aufgenommen ", ließ Kanzleramtsmitarbeiter Werner Bügler bedeutungsschwanger verlauten.

Doch : " Der Bundeskanzlerin stehen allerdings wegen der für alle Bürger geltenden Sozialregelungen keine Haushaltsmittel für eine finanzielle Hilfe an einzelne Mitbürger zur Verfügung. " Bei der Vielzahl von Eingaben wäre die Regierungschefn auch privat überfordert. " Deshalb muss sie, um gegenüber allen gerecht zu bleiben, von Zuwendungen an einzelne Mitbürger grundsätzlich absehen und sich auf die Unterstützung von karitativen Einrichtungen beschränken ", so Bügler.

Brink musste aus Berlin letzlich erfahren, dass auch der Kanzlerin Grenzen gesetzt sind. Werner Bügler : " Sie ist nicht befugt, die Bewilligung von privaten Krediten durch öffentliche oder private Kreditinstitute oder sonstigen Stellen – so zum Zweck der Umschuldung – zu beeinf ussen. "

Ernst-Hermann Brink hatte keine andere Reaktion aus Berlin erwartet, sagt er schmunzelnd. " Aber vielleicht denkt der ein oder andere in Berlin auch mal über den kleinen Mann nach. "