Die Stadt Calbe hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt und strebt an, den seit zehn Jahren insolventen Industriepark ( IPC ) wiederzubeleben und für Investoren und ansässige Unternehmen neu zu erschließen. Erster Schritt ist eine Machbarkeitsstudie, die zu 70 Prozent vom Land und zu 30 Prozent von den ortsansässigen Firmen finanziert werden soll. Jetzt liegen die ersten Verträge unterschriftsreif vor.

Calbe. Einst war es " das eiserne Wunder von Calbe " und rettete die DDR energiepolitisch über den Kalten Krieg. 20 Jahren nach der Wende verfällt das einst einzige Niederschachtofenwerk der Welt und spätere Metall-Leichtbau-Kombinat ( MLK ), ohne dass es bislang eine Perspektive gegeben hätte.

Grünes Licht im

Wirtschaftsministerium

Seit der Insolvenz der Industriepark Calbe GmbH und der Industriepark Calbe Beteiligungs GmbH 1999 geht auf dem 500 000 Hektar großen Inustriegebiet nichts vor und zurück. Calbes Bürgermeister Dieter Tischmeyer ( parteilos ) hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Wiederbelebung des Geländes anzupacken. " Auch wenn das Gelände nicht der Stadt gehört, ist es für uns eine entscheidende Größe und deswegen engagieren wir uns hier ", sagt Tischmeyer.

Erster Schritt : eine Machbarkeitsstudie, die Aufschluss geben soll über die Chancen der Revitalisierung und die einzelnen Schritte bis dorthin inklusive Finanzierung. Kostenpunkt : rund 65 000 Euro. " Davon würde das Land 70 Prozent übernehmen ", erklärt Tischmeyer. 30 Prozent Eigenanteil, rund 24 000 Euro, wollen acht große im IPC ansässige Firmen übernehmen. Die Verträge haben sie bereits auf dem Tisch. Sie sollen binnen der nächsten Tage abgeschlossen werden.

Ist es überhaupt realistisch den seit Jahren brach liegenden Industriepark wiederzubeleben ? Ja, meint Hermann Kieschke, Projektmanager aus Magdeburg, der sich für das Vorhaben engagiert.

Kieschke hat landesweit Erfahrung mit der Erschließung von komplizierten Gewerbe- und Industrieflächen. Er hat dies bereits in Burg, Genthin, Harzgerode und Thale unter Beweis gestellt und unter anderem den Fördermittelantrag für das Gründerzentrum Inno-Life in Schönebeck erarbeitet. Lohnenswert sei die Anstrengung vor allem deshalb, " weil es sich hier schließlich um Industriefläche handelt und weil das Objekt so groß ist ", so Kieschke. Das sieht offenbar auch das Land Sachsen-Anhalt so. Vom Wirtschaftsministerium der Investitions- und Marketinggesellschaft haben Kieschke und Tischmeyer bereits grünes Licht bekommen. " Die Anträge müssen wir noch stellen ", so Tischmeyer. Dafür muss das Vorhaben aber erst durch den Stadtrat. Im nächsten Wirtschaftsausschuss will der Bürgermeister seine Pläne vorstellen. Dann muss ausgeschrieben werden. Wenn alles gut geht, könnte die Machbarkeitsstudie noch in diesem Jahr vorliegen, rechnet Hermann Kieschke vor.

Das hält er insofern für sinnvoll, weil für die dann folgende Neuerschließung Fördermittel genutzt werden könnten, die nur noch bis 2013 zur Verfügung stehen. " Zeit- und Finanzierungsplan wäre aber in jedem Fall Teil der Machbarkeitsstudie ", erläutert Kieschke.

Es muss sich endlich

etwas bewegen

Eine entscheidende Größe in den Plänen zur Revitalisierung ist der in Bremen lebende Insolvenzverwalter Wolfgang Wutzke aus Bremen. Bei einem Besuch vor Ort sind Kieschke und Tischmeyer nach eigenen Angaben auf positive Resonanz gestoßen. Nach zehn Jahren ist man offenbar auch dort zu der Erkenntnis gelangt, dass sich im Industriepark Calbe endlich etwas bewegen muss.

In den vergangenen Jahren hatten ansiedlungs- oder erweiterungswillige Firmen immer wieder über mangelnde Kooperation und überhöhte Preisvorstellungen geklagt. Die Standortsicherung und -erweiterung und infolgedessen die Arbeitsplatzsicherung ist auch das Hauptargument für Bürgermeister Dieter Tischmeyer, den komplizierten Sachverhalt anzugehen und das IPC wieder flott zu machen.

Grünes Licht gab es für die Stadt Calbe auch von der Kommunalaufsicht des Salzlandkreises. Schließlich unterliegt Calbe wegen seiner Schulden den Bestimmungen zur Haushaltskonsolidierung. Bedingung für eine Genehmigung der Finanzierung seitens der Kommunalaufsicht : " Es darf die Stadt keinen Cent kosten. " Deshalb muss der Eigenanteil auch über die ansässigen Firmen fi nanziert werden.