Was macht eigentlich ein Journalist ? Wie kommt er vor Ort an seine Informationen ? Das fragten sich am Wochenende Schüler des Staßfurter Gymnasiums und fuhren zu einem Fahrsicherheitstraining, um einen Artikel darüber zu schreiben.

Staßfurt / Reinstedt. Etwas ratlos sitzen Frederik Stein und Lars Fischer in der Cafeteria. Draußen geht der Wind. Draußen fällt der Regen. Draußen drehen 20 Leute auf der Kartbahn mit ihren Fahrzeugen Runde um Runde. Die beiden Schüler des Staßfurter Frank-Gymnasiums versuchen, die vielen Eindrücke des Tages zu verarbeiten. Sie sind nicht zum Spaß gekommen, um ein Fahrsicherheitstraining der Verkehrswacht zu erleben. Die Sache ist ernst.

Die Gymnasiasten sollen über das Geschehen schreiben, das sich auf und am Rundkurs abspielt. Einen richtigen Artikel. Für eine richtige Zeitung. Denn Lars und Frederik beteiligen sich mit ihrer Klasse am Volksstimme-Projekt " Schüler machen Zeitung " ( SchmaZ ). Und jetzt sind sie weit weg von der vertrauten Schulbank, mitten drin in einer vielschichtigen Handlung und auf der Suche nach einer angemessenen journalistischen Ausdrucksform.

Reportage, Bericht, Interview ? Wie geht ein richtiger Schreiberling ein Thema an ? Wie beginnen ? Wie den Text aufbauen ? Welche Informationen verwenden und welche ignorieren ? " Sie haben sich freiwillig für diesen Termin gemeldet ", sagt Sandra Schneider. Mit ihrer sympathischen Lehrerin dürfen Frederik und Lars eine wohlwollende Helferin an ihrer Seite wissen. Und doch wächst der Druck, etwas Druckbares zustande zu bringen. Denn letztlich soll der Artikel nicht nur publiziert, sondern die Leistung der Schüler insgesamt zensiert werden. Also, noch einmal das Material sichten. Aufzeichnungen entziffern. Welche Fakten liegen auf dem Tisch ?

Da ist am Morgen die Vorstellungsrunde gewesen. Die 20 Teilnehmer des Fahrsicherheitstrainings haben ihre Erwartungen geäußert. Fragen kursierten, wie : Schaltet sich das ABS-Programm beim Kuppeln aus ? Müssen bei einer Vollbremsung Kupplung und Bremse gleichzeitig getreten werden ? Moderiert vom unterhaltsam erzählenden Fahrtrainer Reinhard Bauer gaben die Fahrschüler auf Zeit Einblicke in ihr Leben mit dem Auto. Bauer hatte die Runde locker eingestimmt. Tja, bei dem nasskalten Wetter könnte die ein oder andere Kurve wohl gefährlich werden, flachste er. Oder auch nicht.

Auf der Piste sei alles Denkbare simulierbar : Glatteis, festgefahrener Schnee und ähnlich rutschige Untergründe. Ein Auto kippe nicht so schnell um, keine Bange. Überschlagen habe sich bei den von ihm geleiteten Trainingsstunden noch niemand. Vielleicht ja heute. Immerhin gehöre das Loslassen des Lenkrades beim Bremsen zu den Trainingseinheiten. " Mal sehen, was dann passiert ", malt Bauer von der Verkehrswacht ein unklares Bild in die Köpfe. Das ein oder andere leise Stöhnen entfährt den Anwesenden.

Sie alle waren dennoch gern einem kostenfreien Angebot der Öffentlichen Versicherungen Sachsen-Anhalt ( ÖSA ) gefolgt und an diesem Sonnabendfrüh aufgestanden. Mit dem eigenen Fahrzeug sollen auf der einen Kilometer langen Rennstrecke gefährliche Situationen erfahrbar gemacht und ihre Meisterung geübt werden. " Wir bieten unseren Kunden zehn Mal im Jahr die Möglichkeit zum Sicherheitstraining an ", sagt Ina Bachmann, Mitarbeiterin der ÖSA-Marketingsabteilung und fügt hinzu : " Das Interesse ist wirklich sehr groß. "

" Ich habe vor Jahren schon einmal an einem Fahrsicherheitstraining teilgenommen. Ich möchte meine Kenntnisse wieder auffrischen ", sagt Jens Aurich aus Teutschenthal. Dennis Kilian aus Hermsdorf hofft, sein Fahrzeug auf diese Weise besser kennenzulernen. " Was passiert eigentlich bei einer Vollbremsung ", fragt sich Elke Bock aus Gerwisch.

Auf der kurvenreichen, mit Altreifen gesicherten Strecke quietschen dann tatsächlich die Reifen. Vollbremsung auf nasser Fahrbahn. Nach der vierten Runde sind die Bremsen heiß und die Fahrer warm, nur Frederik und Lars, die Beobachter am Seitenstreifen, frieren im kalten Wind. Nach einem Kurzinterview mit Fahrtrainer Bauer schießen sie mit einer handlichen Kompaktkamera einige Fotos und ziehen sich schließlich, Recherche hin, Recherche her, in die warme Cafeteria zurück.

Da sitzen sie nun. Gesellschaft bekommen sie von Katharina Mohr, Lisa-Marie Krebs und Max Höhne. Die drei Neuntklässler vom Europa-Gymnasium Gommern sind ebenfalls SchmaZ-Reporter. Sie gehen die Aufgabe einer Berichterstattung locker an. " Wir werden uns nachher noch jemanden greifen und befragen ", gibt Katharina Mohr die Marschrichtung vor. Alle fünf Schüler erfahren an diesem Tag, dass Journalist eigentlich ein interessanter Job ist. Wenn nur das Schreiben nicht wäre ...