Güsten/Staßfurt (dw). Die geplanten Anlagen für 600 000 Legehennen und 30 000 Schweine im Raum Güsten werden öffentlich heißt diskutiert. Nicht nur in der Verbandsgemeinde Saale-Wipper, sondern auch in Staßfurt. Tierschützer und Umweltfreund Holger Werner aus der Salzstadt meldete sich in der Redaktion. Er hegt viele Befürchtungen. "Nicht nur die zu erwartende Geruchsbelästigung und die Zerstörung der Landschaft wird die Lebensqualität der Einwohner in den anliegenden Gemeinden Amesdorf, Schackenthal, Warmsdorf, Giersleben und andernorts nachhaltig verändert. Es wird dadurch mit Sicherheit zur weiteren Abwanderung und damit einhergehenden sinkenden Immobilien- und Grundstückspreisen kommen", sagt unser Leser.

Nicht nur die bisher lediglich zu erahnenden Auswirkungen brennen Holger Werner unter den Nägeln. Ihm geht es zuerst um die Tiere. "Hier sollen Hennen und Schweine ¿produziert‘ werden, wie es einer der Investoren auf der letzten Haupt- und Finanzausschusssitzung zu diesem Thema schon treffend respektlos darlegte." Diese Äußerung zeige unserem Leser, wie mit den Tieren verfahren werden solle.

Er erklärt skeptisch, was die in seinen Augen nicht tiergerechte Bodenhaltung der Legehennen bedeute: "Schon bei der Jungtiergewinnung beginnt der erste Wahnsinn. Da ja nur die weiblichen Tiere für die Betreiber von Nutzen sind, sortiert man die ¿nutzlosen‘ männlichen Tiere aus." Meistens würden sie zu Dünger oder Tiermehl verarbeitet, sagt unser Leser.

"Die weiblichen Tiere, die das zweifelhafte Glück haben, am Leben bleiben zu dürfen, werden in große Hallen transportiert. Hier leben dann, nach dem Gesetz erlaubt, rund acht bis neun Hennen auf einem Quadratmeter." Um Verletzungen vorzubeugen, würden den Hennen Schnabelspitzen abgeschnitten. "Als Folge des ganzen Stresses kommt es nicht selten zu massiven Verhaltensstörungen, wie Kannibalismus. Tageslicht bekommen diese armen Geschöpfe in ihrem kurzen Leben nie zu sehen. Nach etwa zehn bis zwölf Monaten, trotz einer Lebenserwartung von bis zu 20 Jahren, lässt die Legeleistung der Tiere nach und sie enden im Schlachthof als Billigfleisch."

Immer mehr Menschen setzen auf Naturschutz

Auch in der geplanten industriellen Schweinemast, so der Staßfurter, werde es den sprichwörtlich "armen Schweinen" nicht besser ergehen. Von Natur keine Spur, findet Holger Werner. "Fakt ist, dass diese Tiere in der industriellen Produktion nicht die geringsten ihrer natürlichen Bedürfnisse ausleben können, wie es zum Beispiel auf einem herkömmlichen Bauernhof der Fall wäre. Es ist unerklärlich, wie man mit unserem heutigen Wissenstand Tiere eine so unwürdige, qualvolle Haltung antun kann."

Der Mensch, so der Naturschützer, stelle Kapitalerwägungen und Profitverlangen vor das Leben. Und Holger Werner fragt sich, ob das überhaupt notwendig ist. "Über Moral und Ethik der Geschichte wollen wir hier nicht richten, sagen die Verantwortlichen und verweisen sogar auf Importe aus anderen Ländern. Aber genau das ist der Punkt. Uns wird ein Bild von der Notwendigkeit solcher Massenanlagen vorgespielt und das Gegenteil ist der Fall." Schon jetzt gebe es ein so großes Überangebot an tierischen Lebensmitteln, dass jährlich tausende Tonnen an Eiern, Fleisch und anderes vernichtet werden. "Mit jeder Massentierproduktion wird noch ein größeres Angebot geschaffen. Die Folge ist, immer mehr Landwirte mit artgerechter, umweltverträglicher Haltung können diesem Konkurrenzkampf nicht mehr Stand halten." Auf diese Weise würden langfristig Arbeitsplätze zerstört oder erst gar nicht geschaffen, meint unser Leser. Und das, obwohl die Menschen immer mehr auf naturgerechte Lebensmittel anstelle von "billiger Massenware" setzen. "Die Zukunft kann so etwas auch für diese Region nicht sein. Wir sind es den Tieren, unserer Umwelt und vor allem unseren nächsten Generationen schuldig", meint Holger Werner.

Ein Volksstimme-Forum zu diesem Thema findet am Donnerstag, dem 20. Mai, um 19 Uhr im Saal der Gaststätte "Bürgerhaus" in Güsten statt.