Simone und Axel Schäfer zeigen in den Werkstätten der ehemaligen Tischlerei Weißing auf Barbys Markt 8a weit über tausend Gegenstände aus 40 Jahren DDR-Alltag. Ihre Ausstellung trägt den sinnigen Titel "Alles was es früher so (nicht) gab".

Barby. "Bisher 38 Meter – jetzt 48 Meter", warben die VEB Vereinigten Zellstoff- und Papierfabriken Merseburg auf ihren Toilettenpapierrollen. Vermutlich wollte man damit eine Preiserhöhung rechtfertigen, die es im Land der stabilen Einheitsverkaufspreise eigentlich nicht gab. Die Verpackungsbanderole ist schlicht, schlichter gehts nicht. Ende der 80er Jahre hatten die Verwalter der DDR-Mangelgesellschaft keinen Sinn mehr für Ästhetik und Verkaufsdesign. Schon gar nicht bei so profanen Dingen wie Klopapier.

Diese und viele andere Entdeckungen macht man im "DDR-Museum" von Simone und Axel Schäfer, die ihr gewaltiges Sortiment aus zwei Jahrzehnten fröhlicher Sammel-Besessenheit Pfingstmontag von 13.30 Uhr bis 17 Uhr der Öffentlichkeit präsentieren.

Stück DDR-Geschichte ohne Ostalgie

"Mein Garten wurde immer kleiner, weil Axel einen Anbau nach dem anderen errichtete", lächelt Simone Schäfer etwas gequält. Die Erweiterung des überdachten Raums in der Gethsemanestraße hatte nur einen Grund: Lagermöglichkeiten für die Sammlung schaffen, die aus allen Nähten platzte.

Aus diesem Grund war das Paar seit einiger Zeit auf der Suche nach einem größeren Grundstück. Nicht etwa, um dort wohnen zu wollen. Nein, einzig und allein sollten Kapazitäten für den privaten Fundus geschaffen werden.

Eine ehemalige Tischlerei auf dem Markt entsprach dann den räumlichen Vorstellungen der Schäfers. In einer wochenlangen Transaktion materialisierter DDR-Geschichte ist nun alles da wo es ist und bleiben soll: Im Herzen der Elbestadt.

Auch wenn sich Simone und Axel in Sachen öffentlicher Werbung noch sehr zurückhielten, ist die im Ausbau begriffene Sammlung ein Hammer. In mehreren Werkstatträumen sind Themenbereiche gestaltet: Ein Kaufladen zeigt ein üppiges Lebensmittelsortiment, das von Spirituosen dominiert wird. Wenn vorne in der Vitrine Käse, Butter, Rübensirup und sogar ein echtes Toastbrot liegen, präsentieren die Regale dahinter geballt das Who’s Who geistiger VEB-Getränke. Vom "Prima-Sprit" bis zum "Curacao", vom "Hohnsteiner Trinkbrandwein" bis zum "Klarer Juwel" des Abtshof Magdeburg, den das sozialistische Volk nur "Blauen Würger" nannte. Hoch oben im Regal steht auch eine Flasche "Rosenthaler Kadarka". Zeitzeugen werden wissen, dass der Bulgarische Rotwein zwar in die Zeit passt, aber selten im Regal, sondern fast immer unter dem Ladentisch zu finden war.

"Unsere Ausstellung soll neben einer Zeitreise auch so manche Erinnerung wecken und jüngeren Leuten einen Einblick in den Alltag ihrer Eltern geben", erklärt Bautischler Axel Schäfer, der gleich mit Entschiedenheit klar stellt, kein DDR-Ostalgiker zu sein.

Simone Schäfer ist im öffentlichen Dienst als Sozialpädagogin beschäftigt. Kein Wunder, wenn sie sagt: "Ich kann mir vorstellen, dass auch Schul- und Kindergartenkinder unsere Ausstellung besuchen." Dafür soll in den Tiefen der alten Tischlerei ein "Klassenzimmer" eingerichtet werden. Das Wohnzimmer ist bereits fertig. Darin dominiert die Schrankwand aus den 80er Jahren, typische Schalensessel der 60er und jede Menge geschmackvoller oder kitschiger Zierrat.

Zu Letzterem zählt die eloxierte Etagere aus billigem Alublech, die vorgab, aus Kupfer zu sein. Bei Durchzug hatte dieser dreietagige Apfel- und Birnenableger ungefüllt so seine Probleme, standhaft zu bleiben. Sogar Bad und Küche wollen die Schäfers noch im DDR-Look einrichten.

Dreiecksbadehose der frühen 60er Jahre

In der unteren Etage wird das Thema Camping bedient. Über dem Zelt baumeln auf der Wäscheleine Badesachen. Darunter die berühmte Herren-Dreiecksbadehose der frühen Sechziger, die 1,50 Mark (!) kostete. Und man gewinnt bei deren Betrachtung wieder eine Erkenntnis: Dieses Sexy-Teil scheint beim heutigen Triangel-Bikini Pate gestanden zu haben.

Die Ausstellung beweist viele methodische Ansätze. So bilden in der Abteilung "Post" Zolluniform und aufgerissenes Westpaket eine Einheit. Unweit davon erinnern Konserven an hausfraulichen Fleiß. Ein Werbeaufsteller des Einmachgläser-Herstellers INKO wird durch gefüllte Weckgläser ergänzt. "Die Kirschen haben wir von einem Barbyer bekommen. Sie wurden vor über 20 Jahren von seiner Mutter eingeweckt", sagt Axel Schäfer. Und sie sind noch immer dicht und genießbar.

Wir wussten es ja immer: In der DDR war nicht alles schlecht.