Das schnelle Internet ist für Bürger wie Unternehmen als Standortfaktor im 21. Jahrhundert genau so verpflichtend wie die Anbindung an Verkehrslinien. Das sagt die Stadt Hecklingen und setzt jetzt alles daran, damit ihre Einwohner nicht länger warten müssen.

Hecklingen (nme) l Für Internetnutzer in der Stadt Hecklingen, die bisher keine schnelle DSL-Verbindung hatten, zeichnet sich ein weiterer Lichtblick ab. Nachdem der Haupt- und Finanzausschuss in der vergangenen Woche seine Zustimmung gegeben hat, dass die Kommune den Breitbandausbau in allen vier Orten (Hecklingen, Groß Börnecke, Schneidlingen, Cochstedt) in Angriff nehmen soll (die Volksstimme berichtete), hat sich auch der Stadtrat auf seiner Sitzung Dienstagabend dazu bekannt. Das Votum der 18 anwesenden Mitglieder fiel einstimmig aus.

Unterversorgung ist in den Orten der Stadt nachgewiesen

Damit es dazu kommen kann, muss aber die Finanzierung der Maßnahme gesichert sein. Alles in allem würde der Breitbandausbau mit rund 450 000 Euro zu Buche schlagen. Hecklingen arbeitet derzeit darauf hin, eine Förderung von Land, Bund und EU zu beantragen, wonach 87,5 Prozent der Gesamtkosten bezuschusst werden. Die Kommune müsste dann die restlichen Eigenmittel über rund 57 000 Euro bereitstellen. Der Stadtrat gab seine Zustimmung, dass entsprechende Mittel in den Haushalt mit Sperrvermerk bis zur Vorlage des Bewilligungsbescheides eingestellt werden.

Die Stadt hat sich bei der Antragstellung zur Förderung Unterstützung von einem Handelsinstitut der Hochschule Harz geholt, das von der Staatskanzlei zertifiziert ist, Kommunen beim Breitbandausbau zu begleiten. Mitarbeiter Hans-Martin Schulze stellte den Stadträten vor, wie weit die Bemühungen voran geschritten sind.

Damit die Förderung aber erfolgreich sein könne, müsse die Stadt drei Kriterien erfüllen, erklärte er, dass der Bedarf am schnellen Internet gegeben und eine Unterversorgung der Breitbandanschlüsse - das hat auch die Kabelnetzagentur bestätigt - festgestellt wurde.

Im Ortsteil Schneidlingen etwa seien 438 Haushalte unterversorgt, in Cochstedt 391, in Hecklingen 1163 und in Groß Börnecke sind es 127, nannte er die Ergebnisse einer Analyse. Weiterhin sei das sogenannte "Marktversagen" nachgesagt worden. Dafür hatte Hecklingen eine Ausschreibung eröffnet, auf die sich aber wie gefordert kein Unternehmen gemeldet hatte, dass den Ausbau ohne Förderung realisiert. Angebote von Netzanbietern, die mit Förderung bauen, konnten erst danach begutachtet werden. Aus der Vielzahl der Bewerber wurde beim Institut der Hochschule Harz auch schon eine Vorauswahl getroffen. Fünf kamen nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten in die engere Wahl. Das Preis-Leistungs-Verhältnis müsse stimmen, weiterhin seien Ausschreibungskriterien von den Anbietern zu erfüllen, erklärte Schulze.

Auf der kommenden Beratung soll der Stadtrat in Hecklingen entscheiden, ob er dem Vorschlag des Institutes für ein Unternehmen folgt.

Auf die technische Umsetzung des Breitband-Ausbaus, wenn dieser kabelgebunden ist, eingehend, informierte Schulze, dass die Datenübertragung derzeit wegen zu langer Kupferkabel nicht schnell genug ist. In den Orten selbst soll die Länge über den Einbau sogenannter Multifunktionsgehäuse verkürzt werden. Von der Ortsvermittlungsstation zum Ort werde mit Glasfaser neu ausgebaut.

"Der Netzanbieter, der in die engere Auswahl gekommen ist, garantiert 6 Mbit/s"

So erreichen Internetnutzer eine höhere Datenrate. Liegt die Verbindung derzeit in vielen Haushalten unter 2 Mbit/s, soll sie künftig anwachsen. "Der Netzanbieter, der in die engere Auswahl gekommen ist, garantiert 6 Mbit/s", ergänzte Schulze gestern im Volksstimme-Gespräch. Mit einer damit möglichen schnellen DSL-6000-Leitung könnten größere Bilddateien versendet werden. Auch das Herunterladen von Musik und Videos wäre beispielsweise problemlos möglich. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass die Anbieter mindestens 2 Mbit/s (DSL 2000) zur Verfügung stellen.

Bleibt zu fragen, wann das Surfen im World Wide Web für all jene, die darauf angewiesen sind, in den Orten der Stadt Hecklingen mit keinen langen Wartezeiten mehr verbunden sein kann. Dass das davon abhängt, wann der Zuwendungsbescheid der Förderung eintrifft, machte Schulze in seiner Antwort deutlich. Dies sei die Voraussetzung dafür, dass der Vertrag mit dem Netzanbieter unter Dach und Fach gebracht werden kann, damit dem Ausbau nichts mehr im Wege steht.

Die Weichen dafür werden gestellt. Momentan liegt der Förderantrag beim zuständigen Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) zur sachlichen Prüfung.