In Stendal-Süd gab die Vermietergesellschaft M & E Real Estate gestern den Startschuss zum Bau von Blockheizkraftwerken und Photovoltaikanlagen. Damit will sich die Firma vor allem vom Fernwärmebezug über Techem unabhängig machen. Allerdings stehen die Häuser in Süd unter Zwangsverwaltung.

Stendal. Die türkisch-aserbaidshanischen Vermieter wollen in Süd investieren – ungeachtet der nicht beigelegten Querelen mit der Versorgungsfirma Techem, ungeachtet des am 17. März anstehenden Zwangsversteigerungstermins für vier "ihrer" sechs Wohnblocks. Im Laufe dieses Jahres – auf genauere Termine ließ man sich gestern noch nicht ein – soll jedes der sechs Häuser im Keller mit einem Blockheizkraftwerk und auf dem Dach mit einer Photovoltaik-Anlage ausgerüstet werden.

Jörg Glewwe, der die Geschäftsstelle der Vermieterfirma vor Ort leitet, und Seyfettin Soykan von der mit M & E geschäftlich verbundenen Immobilienmarketingfirma Casa gaben gestern eine Art Startschuss für die geplante Investition. Glewwe blickte optimistisch in die Zukunft von Süd. Man habe damit eine Lösung für die Probleme gefunden, sagte er. M & E erreiche damit "eine gewisse Autarkie" in Sachen Wärme und Energie und eine Verringerung der Nebenkosten.

Für Süd gilt laut Fernwärmesatzung der Stadt Stendal ein Anschlusszwang, aus dem sich ein Vermieter nicht still und heimlich herausmogeln kann. Das tut M & E allerdings auch nicht. Einen entsprechenden Antrag auf Befreiung vom Anschlusszwang hat die Stadtverwaltung mit einem Schreiben vom 22. Dezember vergangenen Jahren geneh-migt. Das bestätigt Norbert Wesling, als Amtsleiter für das Beteiligungscontrolling zuständig. "Wenn jemand wie in diesem Fall kleine Blockheizkraftwerke mit Kraft-Wärme- Kopplung bauen oder mit Photovoltaikanlagen erneuerbare Energien erzeugen will, stellt das einen sogenannten Befreiungstatbestand dar", sagte er gestern der Volksstimme.

Ob die im baden-württembergischen Bad Rappenau ansässige Vermieterfirma ihre Pläne verwirklichen kann, erscheint trotzdem sehr fraglich. Wenn das Amtsgericht, wie von Gerichtssprecher Dr. Michael Steenbuck bestätigt, für den 17. März einen erneuten Zwangsversteigerungstermin für vier der sechs Wohnblocks angesetzt hat, dann bedeutet dies, dass zumindest diese vier Häuser M & E gar nicht gehören. Techem hat inzwischen beim Landgericht auch die Zwangsverwaltung für die betreffenden Wohnblocks erwirkt, war gestern sowohl von Unternehmenssprecher Jens Christmann als auch von Steenbuck zu erfahren. Der Magdeburger Rechtsanwalt Torsten Klinkau ist als Verwalter eingesetzt.

Für Ende Januar hatte Techem mit dem erneuten Abstellen der Fernwärme- und Warmwasserversorgung gedroht. Dazu wird es nun möglicherweise nicht kommen. "Wir erwarten, dass durch die Zwangsverwaltung die Bewirtschaftung der Immobilien wieder in geordnete Bahnen gelangt und die Zahlungen der Mieter zweckentsprechend verwendet werden", so Techem-Geschäftsführer Peter Metz gestern. Techem wolle dafür sorgen, dass die Mieter "nicht zu Leidtragenden dieser Situation" werden.

Der Rechtsstreit zwischen Techem und M & E ist noch nicht beendet. Im Oktober hatte das Landgericht in einem Eilverfahren Techem das Recht zugesprochen, wegen ausstehender Zahlungen die Fern-wärmeleitungen in Süd zu kappen. Ein erneuter Prozesstermin, für den 5. Januar angesetzt, war geplatzt. Ein Ersatztermin ist derzeit noch nicht in Sicht.