Sie ist seit dieser Spielzeit neu am Theater der Altmark und stand seither in vier Stücken auf der Bühne. Demnächst ist Susanne Kreckel (30) in der Reihe "Frei-Raum" zu erleben – als Meerjungfrau, begleitet vom Saxophon.

Stendal. "Eine der schönsten und tragischsten Liebesgeschichten, die ich kenne." Das sagt Susanne Kreckel über die Geschichte der kleinen Meerjungfrau von Hans-Christian Andersen. Sie wird sie spielen, in der nächsten Folge von "Frei-Raum" am 27. Januar um 19.30 Uhr. Die Geschichte ist verwoben mit der der Loreley, die für ewig allein auf einem Felsen sitzen muss. Aber die Kreckelsche Meerjung-Loreley wird vielleicht doch erlöst, denn plötzlich kommt ein Mann vorbei ... Happy End? Susanne Kreckel zuckt mit den Schultern, schweigt und lächelt vielsagend.

Nein, es war nicht ihr Kindheitstraum, jemals auf der Bühne zu stehen. "Auch wenn ich in der Schule im Literaturkurs Theater gespielt habe – ich hätte mir nie vorstellen können, das zu meinem Beruf zu machen", sagt Kreckel und fügt lakonisch an: "Außerdem wollte ich ja reich werden."

Die Leidenschaft fürs Spielen vor Publikum hat sie erst später entdeckt. Ihre berufliche Laufbahn begann für die gebürtige Iserlohnerin nach dem Abi mit einem Studium der Immobilienwirtschaft in Berlin. "Aber das fand ich ganz furchtbar und hab‘ nach dem ersten Semester abgebrochen." Es brauchte noch einen zweiten Anlauf, der sie BWL mit Kultur- und Theaterwissenschaft kombinieren ließ, bevor sie schließlich ihr Schauspielstudium begann. "Ich habe gemerkt, dass ich lieber machen als analysieren wollte", sagt Kreckel (30), die seit 2007 Engagements in Bochum, Bremen, Hildesheim und ein abenteurliches, aber bereicherndes Zwischenspiel in Nepal hatte.

Nach einem ziemlich spontanen Vorsprechen landete sie schließlich ziemlich spontan in Stendal, wo sie seit dieser Spielzeit das Ensemble unter Intendant Dirk Löschner verstärkt. "Wie es euch gefällt", "Der Volksfeind", "Anatevka" und das Weihnachtsprogramm waren TdA-Stationen ihres ersten festen Engagements.

Vorlieben für bestimmte Rollen hat Susanne Kreckel nicht, stellt aber amüsiert fest: "Ich werde hier immer für die jüngsten Rollen besetzt. Zum Beispiel bin ich eine 15-Jährige in Anatevka, obwohl ich doch doppelt so alt bin."

Was man im normalen Leben nicht tun würde

Aber so ist das eben, und sie sagt ja selbst: "Im Theater kann man alles machen, was man im normalen Leben nicht machen würde." Theater sei ein sehr reflektierendes Medium. "Es kann mehr als unterhalten. Es bringt einen dazu, über etwas nachzudenken, setzt sich mit allen wichtigen Themen auseinander. Daher finde ich es tragisch, dass so viel gekürzt wird."

Die private Susanne Kreckel ist schnell erzählt: Solo ("Aber ziemlich entspannt."), wohnt in einer WG in Stendal, hat noch ein Zimmer in Berlin, hat mal Dressurreiten gemacht und – sucht einen Badminton-Partner. "Der muss aber zeitlich sehr flexibel sein." Viel Zeit ist bei den vielen Proben und Aufführungen nicht. "Man ist einfach sehr viel im Theater. Daher würde ich fast schon sagen, dass mein liebster Platz in Stendal die Raucherkantine ist."