Stendal. Wenn sich Gunvor Hädrich, die agile grauhaarige Rentnerin, mit ihrem Namen vorstellt, stutzen ihre Gegenüber doch zuweilen. Denn dieser Vorname ist in unseren Breiten eher ungewöhnlich. Diese Reaktionen kann sie verstehen, denn der Ort Larvik, wo sie geboren ist und ihre Kindheit verbracht hat, liegt im weit entfernten Norwegen.

Ihre Aussprache verrät ihre Herkunft nicht, denn inzwischen lebt Gunvor Hädrich schon 67 Jahre in Deutschland. "Ich kam in den Kriegswirren als Rote-Kreuz-Schwester nach Deutschland", erzählt sie, die kürzlich ihren 95. Geburtstag feierte. In Bad Homburg lernte sie den deutschen Soldaten, Oskar Hädrich kennen, der durch die Kriegsverletzungen beide Beine verloren hat. Die zwei verliebten sich, heirateten und wurden in Stendal heimisch, weil Oskar hier zu Hause war.

Viele Bilder, Postkarten und Bücher mit Abbildungen von historischen Stendaler Bauten, Straßen und Grünanlagen aus verschiedenen Zeitepochen sind in der Wohnung und in den Alben zu sehen, die Frau Hädrich gern zur Hand nimmt und dann so manche persönliche Begebgenheit oder Geschichte erzählt. Ein Beweis mehr, dass sie hier in der Altmark heimisch geworden ist.

Ihr Mann, der trotz seiner körperlichen Behinderung Sitzball spielte, schwimmen ging, kegelte und sich auch anderweitig betätigte, wurde so auch zum Gründungsmitglied der ersten Versehrtensportgruppe bei der damaligen BSG Post und dem daraus entstandenen Behinderten-, Rehabilitations- und Seniorensportverein. Diesen sportlichen Aktivitäten schloss sich auch seine Frau an. Darüber hinaus wurde sie Mitglied in den verschiedensten Gruppen und Vereinen, wo ihre liebenswerte Art und ihre vielseitigen Interessen und Aktivitäten geschätzt werden. Und sie ist noch sehr reiselustig, scheut die langen Fahrten in ihre ehemalige Heimat Norwegen oder zu ihren Kindern und Enkelkindern in verschiedenen Orten in Deutschland nicht.

Der Tod ihres Mann vor einigen Jahren war ein Schock für sie, aber Gunvor Hädrich erhielt Zuspruch von vielen Seiten und engagiert sich, trotz ihres hohen Alters, weiter in sportlichen und gemeinnützigen Bereichen. Über sich selbst sagt sie: "Ich bin fit, nehme keine Pillen und brauche den Kontakt zu den Mitmenschen. Deshalb kommt der sogenannte Ruhestand für mich nicht in Frage."