Astrologie, Kartenlegen, Böthen, Kinesiologie, Hellsichtigkeit, Hellfühligkeit – für viele ist es Scharlatanerie und Quacksalberei. Für Petra List aus Könnigde sind es alternative Heilmethoden für Körper, Geist und Seele. Die Beschäftigung damit sei ihre Vorsehung.

Könnigde. Petra List (53) hatte eine Lebensphase, in der sie sich ständig krank fühlte. Auch die Ärzte konnten nicht richtig helfen. "1995 bin ich nach Käthen zu Frau Feißel zum Böthen (Besprechen, eine der ältesten Heilmethoden; Anmerkung der Redaktion) gefahren", erzählt Petra List. Auf einen gezielten Griff in die Leistengegend (Akupressur) reagierte Lists Körper ungewöhnlich stark. "Ich bin raus, habe mich in meinen Trabbi gesetzt und Gänsehaut verspürt", erinnert sich die gebürtige Könnigderin. "So eine Körperreaktion hatte ich nie in meinem Leben erlebt."

Der Besuch in Käthen löste bei Petra List das Interesse an der Beschäftigung mit alternativen Heilmethoden aus. "Ich bin erst einmal in eine Buchhandlung und habe mir zwei Bücher über Akupressur gekauft", erzählt List. Es folgten das Ablesen von Krankheiten vom Antlitz (vom Aussehen) und von der Zunge. Petra List war nicht nur fasziniert, sie machte auch erste Erfahrungen, dass ihre Hinweise und Ratschläge angenommen und als hilfreich empfunden wurden.

Zu der Zeit führte Petra List in Könnigde einen Friseursalon. Bereits 1989, noch zu DDR-Zeiten, wollte sich die gelernte Friseuse selbständig machen. Aber ohne Meisterbrief. Der Weg führte durch sieben Abteilungen beim Rat des Kreises in Gardelegen und endete in einem improvisierten Friseurgeschäft im Keller des Wohnhauses in Könnigde. Mit der Wende erfolgte der professionelle Ausbau. "Die Leute sind mir die Bude eingerannt", erinnert sich Petra List.

Parallel zum Friseursalon nahm bei ihr die Beschäftigung mit alternativen Heilmethoden immer mehr Raum ein. "Ich habe mir alles selbst beigebracht", erzählt die 53-jährige. "2005 habe ich dann meinen Friseursalon abgeschlossen." Aufgrund von Seminarteilnahmen, verbunden mit den entsprechenden Abschlüssen und Zertifikaten, eröffnete Petra List noch im gleichen Jahr in Gardelegen eine Praxis als "Wirbelsäulen- und Gelenktherapeutin". Zudem bot sie das Kartenlegen als Lebensberatung an und beschäftigte sich mit Kinesiologie (Energieausgleich).

Es folgte das Studium der Astrologie. Heute ist Petra List ausgebildete Astrologin. Weiterhin verfügt sie über Fähigkeiten der Hellsichtigkeit und Hellfühligkeit. Damit vereint sie in sich ein Grundlagenwissen, das nur selten anzutreffen ist. "Wenn man Schulterprobleme hat, kann man nicht nur die Schulter behandeln", erklärt Petra List. Da könnten zum Beispiel auch Magenprobleme mit hineinspielen. "Körper, Geist und Seele bilden nun einmal eine Einheit", so die Könnigderin.

Aus finanziellen Gründen musste Petra List ihre Praxis in Gardelegen aufgeben. Seit März 2010 arbeitet sie als angestellte Friseuse. Um Geld zu verdienen. Ihre eigentliche Berufung verliert sie dabei aber nicht aus den Augen. Im Fernstudium lässt sie sich jetzt zur Heilpraktikerin ausbilden. "Mein Ziel ist es, so schnell wie möglich wieder eine Praxis zu eröffnen", erklärt Petra List. "Vielleicht sogar zweigleisig mit Astrologie."

Als Astrologin müsste sie ja eigentlich wissen, wie ihre berufliche Zukunft aussieht. "Als Astrologin kann ich nur tendenziell in die Zukunft schauen", erklärt List. So hatte sie zum Beispiel für sich anhand der Planetenstellung "große Spannungen im Haus der Selbständigkeit" gesehen. Dass sie sogar ihre Praxis aufgeben musste, damit hatte sie nicht gerechnet. In Sachen Selbständigkeit wird sie auch weiterhin viele Kämpfe auszustehen haben. "Das weiß ich, das ist aber meine Vorsehung", so List. "Mein Horoskop ist nun einmal auf Heilung ausgelegt."

Von den täglichen Horoskopen in der Zeitung hält Petra List überhaupt nichts. "Diese oberflächlichen Erklärungen sorgen dafür, dass die Leute die Astrologie nicht ernstnehmen", erklärt sie. Es gehe immer nur bezogen auf eine Person. Ausgangspunkt ist der Planetenstand zum Zeitpunkt der Geburt. Und da ist nicht nur der Tag wichtig, sondern die genaue Uhrzeit.