Kabarettist Hans Werner Olm stammt aus Bochum, ist seit über 30 Jahren Wahlberliner und steht seit dieser Zeit als Musiker oder moderner Komödiant auf der Bühne. Am Montagabend gastiert er ab 19.30 Uhr im Theater der Altmark mit seinem neuesten Programm "Mit VOLLgas im LEERlauf". Volksstimme-Redakteur Frank Eckert hat sich zuvor mit ihm unterhalten.

Volksstimme: Kann man Ihnen eigentlich noch ein gesundes, erfolgreiches und schönes neues Jahr wünschen so mitten im Januar?

Hans Werner Olm: Danke, das dürfen Sie. Ich wünsche den Leuten selbst auch im März noch ein gesundes neues Jahr und noch viel später – bis in den August hinein, wenn ich denjenigen bis dahin nicht gesehen habe. Man muss die Regeln, die es gibt, einfach brechen, dazu sind sie ja da.

Volksstimme: Apropos Regeln brechen: Sie brechen mit ihrem neuen Bühnenprogramm "Mit Vollgas im Leerlauf" ja auch so manche Regeln. Sie bieten darin einen Abenteuer-Urlaub in Afghanisten an. Ist das nicht ein wenig zu viel des Humors?

Hans Werner Olm: Weshalb? Klar, es klingt verrückt. Es ist doch so: Heutzutage reicht doch ein einfacher Urlaub den Menschen bei uns nicht mehr aus; sie wollen immer noch mehr erleben. Der Erlebnisfaktor muss immer mehr steigen. Nur einfach Mallorca reicht nicht mehr. Wir müssen ja in piranhaverseuchten Gewässern baden gehen, damit es noch Spaß macht.

Volksstimme: Sie überschreiten da also bewusst Grenzen. Birgt das nicht auch Risiken?

Hans Werner Olm: Ja sicher. Aber es kommt auch auf das Niveau an. Humor ist ja ein Wert an sich. Und klar: Es gibt Grenzen, die vorgegeben sind. Doch davon darf man sich nicht einschüchtern lassen. Allerdings sollte man auch nicht vergessen, sich selbst mal in Frage zu stellen. Und das passiert ja im richtigen Leben auch zur Genüge. Leute stellen ihr Land in Frage, auch ihre einstigen Positionen und gehen auf die Straße – wie bei Stuttgart 21. Da wacht ja der CDU-Bürger auf und fragt sich: Was läuft da eigentlich? Bürger werden im Argen gelassen von der Politik. Es entsteht da keine neue Weltreligion, aber ein neues Bewusstsein. Es ist schön, das mitanzusehen.

Volksstimme: Welchen Unterschied stellen Sie da zwischen Ost und West fest? Gibt es überhaupt einen in Fragen des Humors?

Hans Werner Olm: Sicher, schon. Weiter östlich kann ich Dinge anders aufziehen oder ansprechen als im Westen. Ich finde das spannend, weil es mich variabel sein lässt, je nach Publikum. Für mich ist aber wichtig, dass die Gedanken frei sind, man offen und frei seine Meinung äußern darf und man niemanden nach dem Munde redet. Wichtig für uns ist ja: Es gibt noch viel zu viele Länder, wo wir so eine Art Humor und eine eigene Meinung nicht zeigen dürfen. Wie ist das mit Russland, die vielleicht mal in die EU wollen.

Volksstimme: Da brauchen wir gar nicht außerhalb der EU zu schauen. Ungarn erlebt gerade, was passiert, wenn in Medien Meinungen vorherrschen, die den Regierenden nicht passen.

Hans Werner Olm: Wenn so etwas passiert, dann bleiben die Individuen auf der Strecke. Die freie Entfaltung von Meinung und Humor, auch mit dem eigenen Publikum, ist das, was zählt und was möglich sein muss. Und das tat ja Kurt Tucholsky unter den schwierigen Bedingungen der Unfreiheit. Heute muss Humor ja grenz- wie parteiüberschreitend sein, und Humor kennt umgekehrt keine Parteien. Wenn das nicht geht, dann liegt das am System.

Volksstimme: Sie als gebürtiger Bochumer und bekennender Fußballfan müssen derzeit ja auch viel Humor mit ihrem Lieblingsverein, dem VfL Bochum, beweisen.

Hans Werner Olm: Sie sagen es. Masochistisch ist das bei mir. Ich bin zwar kein Hardcore-Fan, aber doch sehr dem VfL verbunden und schaue auch in der 2. Liga bei denen hin. Ich habe ja sogar eine Mitgliedschaft. Aber auch für die Berliner wäre es ja regelrecht peinlich, wenn Hertha nicht aufsteigen würde. Für den VfL habe ich zudem mal eine CD mit fünf Liedern produziert.

Volksstimme: Ich habe Sie mitten im Studio gestört. Woran arbeiten Sie gerade?

Hans Werner Olm: Das wird hier gerade eine Kinderlieder-CD; aber keine Rolf-Zuckowski-Variante.