Seit elf Jahren gibt es in Stendal die Selbsthilfegruppe "Pflegende Angehörige an Alzheimer Erkrankter". Warum solch eine Gruppe wichtig, ja sogar lebensnotwendig sein kann, wissen Ingrid Heyer und Elke Planitzer aus eigener Erfahrung.

Stendal. Alzheimer – dieses Wort hat Elke Planitzer Angst gemacht. "Als ich 2006 erfahren habe, dass mein Mann an Demenz erkrankt ist, stürzte eine Welt zusammen. Ich konnte damit nicht umgehen." Sie war völlig fertig mit den Nerven, musste immerzu heulen, schämte sich. Heute kann sie ohne Hemmungen über diesen Schicksalsschlag, über die Krankheit Alzheimer und ihre Gefühle reden.

Das, so sagt die 66-Jährige, verdankt sie der Selbsthilfegruppe, in der sich Angehörige an Alzheimer Erkrankter immer am zweiten Montag im Monat in Stendal treffen. "Am Anfang, nach der Diagnose, hätte ich psychologische Hilfe gebraucht, ich wusste ja so wenig. Aber jetzt fühle ich mich erleichtert, kann über alles reden." Das macht sie innerlich frei. Elke Planitzer pflegt ihren Mann zu Hause, bringt ihn ein- bis zweimal pro Woche in die Tagesstätte.

Angehörige von Demenz-Erkrankten, die ihren Partner oder einen Elternteil zu Hause pflegen, vollbringen eine unschätzbare Leistung. "Meistens bis zur totalen körperlichen und psychischen Erschöpfung", sagt Ingrid Heyer, die mit Elke Planitzer und Gunnar Gille die Selbsthilfegruppe leitet.

Die Pflegenden tragen Verantwortung, die sonst nur Fachkräfte tragen. Sie müssen Entscheidungen treffen, mit denen man eigentlich niemanden allein lassen sollte. Und sie fallen nur allzu oft in soziale Einsamkeit. Freunde, Bekannte und sogar Familienangehörige wenden sich ab, können mit der Krankheit nicht umgehen und auch nicht mit den Veränderungen, die den Erkrankten prägen.

Selbstzweifel nagen am Gewissen: Mache ich alles richtig? Tue ich genug? Bin ich ein schlechter Mensch, wenn ich nicht mehr kann und ein Heim in Erwägung ziehe?

All diese Fragen sind den Teilnehmern der Selbsthilfegruppe sehr vertraut. "Für Außenstehende sind diese Dinge oftmals schwer nachzuvollziehen, aber hier sind Menschen, denen es genauso geht. Und manchmal sogar schlimmer", sagt Heyer. Sie hat selbst erst ihre Mutter, später ihren Mann gepflegt. Noch Jahre nach dessen Tod holt sie die Krankheit immer wieder ein. "Als ich im Theater das Stück über Demenz gesehen habe, hat mich alles eingeholt, da musste ich nach Hause gehen", sagt die 67-Jährige und schluckt.

Ingrid Heyer möchte die Gruppe als einen Ort verstanden wissen, "wo man heulen, fluchen und lachen kann". Und das, was einen bewegt, auch zum dritten oder vierten Mal erzählen. Solange es befreit und den Druck von der Seele nimmt.