Einen Diskurs zur Zukunft der Altmark wollte die 26-jährige Stendalerin Stefanie Michaelis im Rahmen ihrer Masterarbeit im vergangenen Jahr anstoßen. Die Masterarbeit wurde erfolgreich verteidigt und liegt jetzt vor. Durchaus mit ernüchternden Erkenntnissen. Heute Teil 2: Erkenntnisse für die Zukunft.

Stendal/Salzwedel. Der Umgang mit dem demografischen Wandel und seine Auswirkungen auf die Zukunft der Altmark stehen im Mittelpunkt der Masterarbeit der Stendalerin Stefanie Michaelis, die erfolgreich an der Universität Kassel verteidigt wurde. Unter dem Titel "Zukunft Altmark – einen regionalen Diskurs anstoßen" hat die Stendalerin nicht nur drei Zukunftsszenarien entwickelt (die Volksstimme berichtete), sondern auch den Umgang der Region mit dem demografischen Wandel beobachtet und protokolliert. Und genau dieser zweite Punkt gibt einen tiefen Einblick. Stefanie Michaelis bilanziert, dass zwar seit Jahren mögliche Folgen des demografischen Wandels in der Altmark thematisiert würden, die Komplexität aber noch nicht erkannt worden sei.

Zwar seien viele Studien erstellt, doch diese seien an vielen Stellen zu abstrakt, resümiert die Diplomingenieurin. Zudem würden aktuelle Probleme und Termine den Blick auf die Zukunft versperren. Ein Konzept für die Altmark 2030, eine Idee, einen Leitfaden – nichts dergleichen kann die Region aufweisen.

Mehr Autonomie nötig

"Der Zeitgeist der Zukunftsdebatte im Rahmen des demografischen Wandels muss in der Altmark am Laufen gehalten werden. Die Auswirkungen des demografischen Wandels in der Region und die damit verbundenen Herausforderungen müssen dauerhaft in den Köpfen der verantwortlichen Akteure präsent sein. Diese Themenfelder dürfen nicht nur nach Schließung von Einrichtungen der öffentlichen Daseinsvorsorge oder im Vorfeld einer Altmarkkonferenz offen thematisiert werden", stellt Stefanie Michaelis in ihrer Masterarbeit fest.

Sie hat nicht unrecht. Eine tiefergehende Auseinandersetzung zur Zukunft der Altmark hat es bislang sowohl in den beiden altmärkischen Kreistagen als auch in der Regionalversammlung schlichtweg nicht gegeben. Zum Beispiel ist derzeit völlig offen, welche wirtschaftliche Entwicklung die Altmark nimmt, wenn die geplante Nordverlängerung der A 14 nicht kommt. Immerhin ist extra mit Blick auf die Autobahn ein Industrie- und Gewerbegebiet Stendal-Borstel vorgesehen und im Landesentwick- lungsplan auch festgeschrieben.

Zudem hat die gebürtige Osterburgerin festgestellt, dass in beiden altmärkischen Kreisen allen öffentlichen Beteuerungen zum Trotz "Diskrepanzen und das Gefühl der Benachteiligung" den Alltag bestimmen. Das macht sie unter anderem an der geplanten Nordverlängerung der A 14, aber auch an der Fachhochschule Stendal deutlich. Beides wird in den ausgefüllten Fragebögen der westlichen Altmark deutlich abgeschwächt als Stärke der Region angesehen. Stefanie Michaelis sieht ihre Eingangsthese vom Kirchturm-Denken in der Altmark bestätigt. Ein Denken, das lähmt. Die Stendalerin fordert, dass alle an einem Strang ziehen müssen – auch der Außenwirkung wegen.

Dass zeigt sich auch daran, dass die Region vor gut sieben Jahren durchaus eine Vorreiterrolle in Sachen demografischer Wandel eingenommen hatte. Das Thema ist früh diskutiert worden. Nur, bislang ohne handfeste Ergebnisse. Netzwerke wie das Städtenetzwerk oder die Regionalversammlung werden als Instrumente und wichtige Plattformen für die Willensbildung nicht ausreichend genutzt.

Schlussendlich stellt die Diplomingenieurin auch eine Forderung an die Landespolitik: Die Landesregierung müsse den Kommunen mehr Autonomie überlassen.

Aus Theorie wird Praxis

Die Masterarbeit wird jetzt nicht in der Schublade verschwinden. Stefanie Michaelis schickt sie sowohl ans Wirtschafts- als auch ans Umweltministerium in Magdeburg. Auch beide Landräte werden wie die anderen 13 interviewten Gesprächspartner aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft die Arbeit erhalten. Lesestoff, der jedem altmärkischen Kommunal- und Landespolitiker zu empfehlen ist.

Und: Seit September 2010 arbeitet Stefanie Michaelis in der Regionalen Planungsgemeinschaft der Altmark. Unter anderem kümmert sie sich mit um das Modellprojekt der Verbandsgemeinde Beetzendorf-Diesdorf zur Zukunft der Kindertagesstätten. Ein ganz konkretes, vom Bundesinnenministerium gefördertes Projekt, das sehr viel mit Altmark 2030 zu tun hat.

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