Noch ist das Hochwasser an der Elbe kein Thema im Landkreis. Doch seit dem vergangenen Sonntag steigen auch hier die Pegel – in Tangermünde bis gestern um 80 Zentimeter auf 5,35 Meter. Die Prognosen gehen davon aus, dass zum Wochenende bei Tangermünde ein Pegelstand von um die 6 Meter und damit die Hochwasserwarnstufe II erreicht wird.

Stendal. Die Prognose, die der Flussbereichsleiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz, Hans-Jörg Steingraf, gestern während einer Lagebesprechung mit Landrat Jörg Hellmuth vorlegte, weicht nur unwesentlich von der des Elektronischen Wasserstraßen-Informationsservice ab. Letzterer sagt voraus, dass die Elbe bis zum Sonnabend bei Tangermünde auf einen Pegelstand von 6,10 Meter anschwellen könnte. Der LHW ging gestern davon aus, dass es bis zum Sonntag nur 5,95 Meter werden. "Herr Steingraf hat aber auch nicht ausgeschlossen, dass die Hochwasseralarmstufe II erreicht wird", war nach er Beratung von der Büroleiterin des Landrats und Kreis- sprecherin Angela Vogel zu erfahren.

Diese zweite Alarmstufe wird ausgerufen, wenn der Elbepegel bei Tangermünde die Sechs-Meter-Marke übersteigt. "In diesem Fall könnten land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet werden. Deshalb wird mit Auslösen der Hochwasseralarmstufe II ein Kontrolldienst eingerichtet", erläutert Angela Vogel. Neu-ralgische Punkte entlang des Stroms wären dann zu kontrollieren, um die Besitzer betroffener Flächen rechtzeitig informieren zu können. Das jedoch würden die LHW-Mitarbeiter bereits jetzt tun, habe Steingraf versichert.

Deichwachen, die ständig patrouillieren, würden mit Erreichen der Alarmstufe III eingerichtet. "Das wird im Moment aber ausgeschlossen", gibt die Kreissprecherin die Einschätzung der Fachleute aus der gestrigen Beratungsrunde wieder. Die Betonung liege auf "im Moment", denn niemand wisse derzeit hundertprozentig, wie viel an Regen- und Schmelzwasser die Elbe bis zum Wochenende zu verkraften haben wird. Die müsste bis zur Alarmstufe III um mehr als einen weiteren 1,25 Meter steigen. Gestern am späten Nachmittag hatte es bei Tangermünde 5,35 Meter erreicht. Die Alarmstufe III wird ausgerufen, wenn der Pegel auf 6,60 Meter anschwillt. Dann wäre der "Onkel-Toms-Hütte-Deich" bei Tangermünde allerdings bereits um zehn Zentimeter überflutet und das Wasser würde in die Tangerniederung fließen.

Um die Hochwasserlage neu zu bewerten, werden sich Landrat Hellmuth und Flussbereichsleiter Steingraf am morgigen Donnerstag wiedertreffen. Für den Fall, dass sie sich mehr als erwartet zuspitzt, wird am Freitag der kreisliche "Stab Außergewöhnliche Ereignisse" (SAE) zusammentreten und das weitere Vorgehen festlegen.