Ein zusammenfassender Bericht über die Funde des Archäologen Dr. Volkhard Hirsekorn in der Tangermünder Straße und der Elbstraße liegen der Stadt Arneburg vor. Unter anderem wurden Fundamente des Tangermünder Tores sowie eine mittelalterliche Straßenpflasterschicht ans Tageslicht gebracht.

Arneburg. "Uns liegt eine Zusammenfassung über die archäologischen Grabungen in Arneburg vor." Stolz präsentiert Bürgermeister Lothar Riedinger das kleine Heft, in dem Archäologe Dr. Volkhard Hirsekorn das Resultat seiner Arbeit 2010 in der Elbestadt schilderte.

Im Frühjahr und Sommer vergangenen Jahres war der Wissenschaftler auf der Tangermünder Straße und der Elbstraße beschäftigt. Gemeinsam mit Mitarbeiterin Diana Dahlke begleitete er die Straßenbauarbeiten. Interessante Funde, auch aus mittelalterlicher Zeit, wurden dabei entdeckt. "Sogar die Fundamente des Tangermünder Tores wurden freigelegt", berichtet Riedinger. Für das Stadtoberhaupt ist dies eines der besonderen Funde des Archäologenteams.

Außerdem verweist Riedinger auf Fotografien, die in der schriftlichen Zusammenfassung Hirsekorns abgebildet sind. So ist unter anderem der Porzellandeckel einer Kosmetikcremedose aus dem vorigen Jahrhundert anzusehen.

Für den Archäologen lag die bedeutendste Entdeckung wohl in der Tangermünder Straße. Dort, wo ein Bagger die Stelle freiräumte, an der ein Hausanschluss gelegt werden sollte, kamen Steine zum Vorschein. Alte Steine lagen dort fein säuberlich nebeneinander. Für den Archäologen wurde schnell klar, dass es sich um eine historische Pflasterschicht handeln müsse. Eine Messung mit dem Zollstock zeigte, dass sich diese Schicht etwa einen Meter unter der heutigen Straßenoberfläche befindet. Die ein Meter dicke Kulturschicht legte sich im Laufe der Jahrhunderte über den Erdboden. Der Archäologe schlussfolgert daraus, dass vor rund 500 Jahren Kaufleute, Handwerker und Stadtbürger auf diesen Steinen durch Arneburg gelaufen sind.

Pflastersteine aus dem Mittelalter blieben nicht die einzigen Funde in der Tangermünder Straße. Auf Höhe der Hausnummern 45 bis 47 entdeckte Hirsekorn auf circa 35 Metern Länge 22 Feuerstellen. Diese Gruben haben einen Durchmesser von einem Meter und sind etwa 40 Zentimeter tief. Gefüllt sind sie mit Steinen, die Spuren von Feuerungen aufweisen. Die Feuerstellen stammen aus prähistorischer Zeit. Hirsekorn datiert sie auf 2800 bis 2500 vor unserer Zeitrechnung. Vermutlich dienten sie zum Garen von Speisen.

Im Mündungsbereich der Tangermünder Straße in die Breite Straße wurden hölzerne Wasserleitungen entdeckt. Bei Straßenbaumaßnahmen 2009 auf der Breiten Straße wurden bereits ähnliche Rohrfunde gemacht. Das Rohr in der Tangermünder Straße war aus einem massiven Holzstamm gefertigt und in der Mitte durchbohrt. Verlegt wurde es offenbar im 19. Jahrhundert und war vermutlich bis zum Bau eines Wasserwerks 1908 und der Verlegung von gusseisernen Rohren in Gebrauch.

In der Elbstraße fehlen mittelalterliche Zeitzeugen. Hirsekorn vermutet, dass diese Straße im 17. oder 18. Jahrhundert befestigt wurde und daher ältere Funde ausbleiben. Entdeckt hat er zwei Flaschensiegel aus dem 18. beziehungsweise dem beginnenden 19. Jahrhundert. Mit einem solchen Siegel wurden damals Flaschen gestempelt um zu versichern, dass die Füllmenge in den Flaschen mit dem landesüblichen Maßstab übereinstimmt. Eines dieser Siegel weist die Prägung 1801 auf, wie eine Abbildung zeigt.

Die archäologischen Arbeiten auf den Straßenbaustellen waren baubegleitend. Es wurden also nur dort Untersuchungen vorgenommen, wo die Bautechnik die Funde freilegte. Für Dr. Volkhard Hirsekorn blieb nur eine kurze Zeit, um die Funde zu dokumentieren, zu vermessen und zu fotografieren.