Von Wolfgang Biermann

Stendal l Ein vielfach vorbestrafter Mann aus Havelberg muss wegen Diebstahls im besonders schweren Fall für ein Jahr ins Gefängnis.

Die Berufungskammer am Landgericht Stendal hatte nach drei Verhandlungstagen in einem reinen Indizienprozess am Mittwoch "keine Zweifel" an der Schuld des 31-Jährigen. Die Kammer unter Vorsitz von Richter Gundolf Rüge bestätigte damit ein Urteil des Amtsgerichtes. Das hatte den Angeklagten, der erst im Februar 2013 nach Haftverbüßung auf freien Fuß gekommen war, im September zu ebendieser Freiheitsstrafe verurteilt. Die Verteidigerin hatte Freispruch beantragt, die Staatsanwältin die Verwerfung der Berufung des Angeklagten gegen das Amtsgerichtsurteil.

Wie die Erstinstanz sah es auch das Landgericht als erwiesen an, dass der Angeklagte dreimal im März vorigen Jahres in Havelberg Einbruchdiebstähle verübt hat. Wobei es in zwei Fällen

beim Versuch geblieben war, aber nur, "weil da nichts war", wie Richter Rüge in der Urteilsbegründung sagte.

So war er am 1. März in die neuapostolische Kirche eingedrungen, wo nichts gestohlen wurde. Ebenso nicht in einer Bäckerei am Markt, wo er am 11. März eingebrochen war. Erfolgreich war er indes in einer Gaststätte, wo er den Zigarettenautomaten knackte und eine nicht ermittelte Zahl an Zigaretten und Bargeld in unbekannter Höhe mitgehen ließ. Dumm nur, dass an jedem Tatort ein Werkzeug gefunden wurde - mit der DNA des Angeklagten. Das hätte ein "unbekannter Dritter" bewusst machen können, um die Ermittler in die Irre zu führen und den Verdacht auf ihren Mandanten zu lenken, führte die Verteidigerin in ihrem Plädoyer aus. "Warum hätte dies jemand tun sollen?", griff Richter Rüge die These im Urteil auf. "Wir haben das kritisch geprüft." Aber die Spurenlage weise eindeutig auf den Angeklagten hin.

Außerdem hätte dieser Dritte wissen müssen, welches Werkzeug der Angeklagte schon mal in Händen gehalten hätte. Der hatte erklärt, dass ihm die beiden Schraubenzieher und die in der Bäckerei als Hebel benutzte Heckenschere "abhanden gekommen" seien.