Eigentlich ist der Jemen ihre Heimat. Doch seit einigen Jahren lebt Wedad Alban in Stendal. Damit ist sie eine von über 1000 Menschen mit Migrationshintergrund in der Hansestadt. Das stört sie nicht. Aber es ist auch nicht einfach.

Stendal l Es ist nicht so, dass sie mit Rassismus zu kämpfen hätte, erzählt Wedad Alban. Ihre Heimat ist der Jemen. In einer Stadt wie Stendal ist sie mit ihrem bunten Kopftuch eine auffallende Erscheinung. Das weiß sie auch. Aber ohne ihr Kopftuch würde sie nie aus dem Haus gehen. Das ist nun mal ein Teil von ihr.

Angst vor dem Kopftuch ist unbegründet

"Viele Menschen haben Angst vor dem Kopftuch, weil sie denken, dass die Muslime gewalttätig sind. Aber das müssen sie nicht. Die Menschen, die Attentate verüben, mit denen identifizieren wir uns nicht. Das ist eine falsche Interpretation unserer Religion, und wir Muslime lehnen das grundsätzlich ab", erklärt Wedad Alban mit Nachdruck.

Damit die Menschen ihre Vorurteile abbauen engagiert sich die gebürtige Jemenitin seit ihrer Ankunft in Stendal in der Stendaler Migranteninitiative (SteMi) für mehr Offenheit, Aufklärung und Annäherung zwischen den Hansestädtern und Migranten.

Sie spricht an Schulen und in Vereinen über ihre Heimat, Brauchtümer und Sitten und ist dabei so erstaunlich offen und ehrlich, dass sie oft von erstaunten Zuhörern gefragt wird, ob sie denn über all die Dinge reden darf und was ihr Mann dazu sagt. Und überhaupt, darf die studierte Medizinerin auch arbeiten und ist der Mann wirklich der Herr im Haus? Sicher, die eine oder andere Frage ist etwas indiskret, aber Wedad Alban nimmt sie hin. "Lieber so, als wenn die Menschen falsche Vorstellungen haben", sagt sie.

Natürlich dürfe sie als Hals-, Nasen-, Ohrenärztin arbeiten. Aber es gehe eben nicht, weil die Jobs hier rar sind und sie sich um ihre vier Kinder kümmern müsse. Schließlich sei ihr Mann, Anästhesist im Stendaler Johanniter-Krankenhaus, den ganzen Tag unterwegs. Auch sonst drehe sich alles um das Familienoberhaupt. "Wir beten fünf Mal am Tag. Alle zusammen. Das dauerte etwa 15 Minuten, danach geht jeder seiner Wege", erzählt sie. Die Mahlzeiten werden immer gemeinsam eingenommen. Mittag gibt es eben erst dann, wenn ihr Mann zu Hause sei. Das könne auch schon mal 16 Uhr sein. "So lange warten wir. Das ist einfach so bei uns."

Wedad Alban gehe es gut in Stendal, betont sie. Sie habe Freunde, sei ehrenamtlich aktiv und sei eigentlich glücklich. Wenn da nicht das Heimweh wäre...

   

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