Stendal. Den blanken Horror erlebte der 25-jährige Tim Schönfisch in der Notaufnahme des Stendaler Johanniter-Krankenhauses: Trotz starker Schmerzen wurde er nicht als Patient aufgenommen. Der Tangermünder hatte sich zuvor in einem Bundeswehrkrankenhaus einer Kreuzband-Operation unterzogen. Einige Tage später stellten sich Schmerzen im Knie ein.

Schönfisch ist Soldat. Und genau diese Tatsache wurde ihm am 18. Juli vergangenen Jahres in der Notaufnahme des Johanniter-Krankenhauses zum Verhängnis. Laut Dr. Roland Jahn, Chefarzt in der Johanniterklinik, seien Angehörige der Bundeswehr dazu angehalten, sich - wenn irgend möglich - bei einem Bundeswehrarzt vorzustellen. Ausnahmen seien akute Notfälle oder Behandlungen nach vorheriger Zustimmung durch den Truppenarzt. So selbstverständlich, wie es die Klinikleitung beschreibt, ist es anscheinend nicht, als Soldat behandelt zu werden.

Erguss im Knie nach Kreuzband-Operation


"Ich hatte am 8. Juli eine Kreuzband-Operation in einem Berliner Bundeswehrkrankenhaus. Nach der Entlassung war ich krankgeschrieben. Nach drei Tagen bildete sich im Knie ein wässriger Erguss und ich konnte kaum laufen oder Auto fahren", erzählt der 25-Jährige. "Ich hatte bis zur Vorstellung im Stendaler Krankenhaus mein Schmerzmittel schon aufgebraucht, also bin ich direkt zur Notaufnahme gefahren."

Zuvor habe Schönfisch mit seinem Truppenarzt telefoniert und eine Erlaubnis für die Behandlung im Johanniter Krankenhaus bekommen. "Im Zweifel hätte der Truppenarzt auch im Krankenhaus angerufen", sagt der Soldat. Zu seiner Überraschung erklärte ihm die behandelnde Ärztin, dass nur Blut abgenommen werde und lediglich die Klammern von der Operation gezogen werden könnten. Weiterbehandeln dürfe sie ihn nicht, weil er in diesem Krankenhaus nicht operiert wurde und er Soldat ist, erinnert sich Schönfisch.

"Ich wurde als Patient abgelehnt, obwohl ich auf die Erlaubnis von meinen Truppenarzt hingewiesen habe, das muss man sich mal vorstellen." Ihm wurde geraten, in das Bundeswehrkrankenhaus nach Berlin zu fahren, das 170 Kilometer entfernt ist.

Eltern fahren Tim Schönfisch zur Behandlung nach Berlin


Danach ist der 25-Jährige wegen der Schmerzen in die nächstgelegene Praxis eines Stendaler Chirurgen gefahren. "Der Arzt sah sich mein Knie an und meinte zu mir, das sieht nicht normal aus. Punktieren könne er das Knie leider nicht in seiner Praxis." Der Chirurg stellte eine Einweisung für das Krankenhaus aus. "Der Arzt meinte, mit der Einweisung müssen sie mich annehmen", erzählt der Tangermünder.

Das Krankenhaus lehnte auch beim zweiten Versuch, den 25-Jährigen als Patienten ab. "Als ich mich wieder in der Notaufnahme angemeldet hatte, versprach die Ärztin Rücksprache mit dem leitenden Arzt zu führen. Doch auch der lehnte die Aufnahme ab. "Nach dem angeblichen Telefonat mit ihrem Vorgesetzten sagte die behandelnde Ärztin zu mir: ,Wir dürfen Sie nicht aufnehmen, weil Sie Soldat sind und nicht in unserem Krankenhaus operiert wurden\'", erklärt Schönfisch.

Seine Eltern fuhren ihn schließlich ins Bundeswehrkrankenhaus. "Am Nachmittag wurde ich dort zweimal punktiert und einmal arthroskopiert." Insgesamt seien nach seinen Angaben 60 Milliliter Flüssigkeit aus seinem Knie entfernt worden, die zu den starken Schmerzen geführt hätten. Ein 14-tägiger Krankenhausaufenthalt folgte.

Klinik: Keine Information vom Truppenarzt

"Hätten meine Eltern mich nicht ins Krankenhaus nach Berlin zu fahren können, hätte ich nicht gewusst, was ich machen sollte. Das wünsche ich wirklich keinem." Auch heute noch sind Schönfisch die Begründungen der damaligen behandelnden Ärztin unverständlich. Auf Nachfrage der Volksstimme antwortet Dr. Roland Jahn, Chefarzt und Chirurg in der Johanniterklinik: "Wäre die erstbehandelnde Klinik der Meinung gewesen, dass wir die ambulante Nachsorge vornehmen sollten, hätte Herr Schönfisch einen entsprechenden Überweisungsschein von seinem Truppenarzt erhalten. Dies war nicht der Fall."

Nach Aussage des Chefarztes sei nicht ersichtlich, dass der Tangermünder die Klinik über die Erlaubnis vom Truppenarzt informiert habe. "Im Zweifelsfalle hätte der Truppenarzt uns auch telefonisch erreichen können, eine nachträgliche Überweisung ist dann völlig problemlos", so der Chefarzt. Die Klinik habe sich demnach korrekt verhalten.