Der Wagen Nummer 4 der ehemaligen Stendaler Pferdebahn hat ein neues Obdach gefunden: eine Scheune in Miltern.

Stendal/Miltern l Der Wagen Nummer 4 der einstigen Stendaler Straßenbahn-Aktiengesellschaft ist umgezogen. Bei einer Neuausrichtung des Stendaler Bauhofes musste er zum Ende des Vorjahres seinen Platz dort räumen. Nachdem die Firma Roloff Fahrgastkabine und Fahrgestell für eine Übergangszeit Asyl gewährte, ist der Wagen nun nach Miltern umgezogen.

Holzhandwerker Malte Fröhlich stellte dort den Teil einer Scheune zur Verfügung. Mit schwerer Hebetechnik, unter großer Kraftaufwendung und unter Verlust so manchen Schweißtropfens wurden die Teile der historischen Bahn und weitere Gerätschaften in die Scheune bugsiert. Von Mitgliedern des Stendaler Husaren-Traditionsvereins und weiteren Helfern.

Zeichnungen als Vorlage für Restaurierung

Die rund 20 aktiven und fördernden Mitglieder des Traditionsvereins um Peter Krupp haben sich seit 2009 dem Aufbau des historischen Wagens Nummer 4 verschrieben. Als seine maroden Teile, die zuletzt als Gartenlaube dienten, entdeckt wurden, waren sich die Husaren einig, ihn wieder aufzubauen. Alte Zeichnungen und Fotos dienten dabei als Vorlagen.

"Nachdem wir das Wrack in die Halle des Bauhofes geholt hatten, gingen wir optimistisch an die Restaurierungsarbeiten", erinnert sich Krupp. Das war alles andere als einfach: Die Husaren sind keine Fachleute, und häufig fehlten Spezialwerkzeuge. "Aber", zieht Krupp ein positives Fazit, "während der Arbeiten haben sich Handwerker und andere Interessenten gefunden, die uns finanziell oder mit ihrem Fachwissen unterstützten. Das ist erfreulich, denn alle Teile, auch die kleinsten, zum Beispiel Scharniere, Schrauben, Lederbänder, Schriftzüge, Farben, sollen dem Original gleichen." Zudem mussten das Holz wie die Esche für die beiden Überdachungen an den Stirnseiten des rund sechs Meter langen Wagens, sowie für die Sitze beschafft werden.

Fahrgastteil ist bereits fertig

Die Fortschritte sind unübersehbar. So können Insassen auf den Sitzen Platz nehmen, die Namensschilder tragen. "Diese Schilder nennen die Namen von zwölf Förderern, die den Platz gekauft - das heißt mit jeweils 250 Euro gesponsert - haben. Innerhalb von zwei Wochen waren diese Plätze belegt. Auch 16 Stehplätze von insgesamt 24 konnten schon vergeben werden.

So war es möglich, den gesamten Fahrgastteil fertigzustellen. Davon konnte sich die Öffentlichkeit unter anderem bei der 200-Jahr-Feier der Husaren im Vorjahr, am Tag des offenen Denkmals und auch schon auf einem Weihnachtsmarkt in Stendal - der Rauschebart fuhr damit vor - überzeugen.

Nun also der Umzug nach Miltern. "Die Suche nach einer neuen Unterkunft gestaltete sich schwierig, denn viele Anbieter von Hallen, Scheunen und ähnlichen geeigneten Objekten verlangten hohe Mieten, die der Verein nicht aufbringen konnte", erzählt Peter Krupp.