Stendal l Geschäftsführerin Heike Korte sitzt auf gepackten Kartons. Zum Ende des Monats zieht sie mit ihrem Geschäft "Sporteck" vom nördlichen Teil der Breiten Straße in Stendal in den Süden an die Sperlingsida. Neun Jahre hat sie den Laden an der Kreuzung zum Uppstall betrieben. "Nun läuft der Mietvertrag aus", sagt Korte. Das sei für sie der richtige Zeitpunkt gewesen, um über "eine Veränderung nachzudenken". Sie lebe zwar stark von der Stammkundschaft und weniger von der Laufkundschaft, so Korte, setze aber trotzdem auf die bessere Lage ihres Geschäftes in den ehemaligen Räumen der Dresdner Bank.

Korte ist nicht die erste, die in der jüngsten Vergangenheit die nördliche Breite Straße verlassen hat. Nachdem das Uppstall-Kaufhaus als sogenanntes "Anker-Geschäft" im Dezember 2011 die Türen geschlossen hat, folgten zahlreiche weitere, zuletzt war es das Traditionsgeschäft Puchert sowie eine Parfümerie. Das Lebensmittelgeschäft Edeka, das sich ebenfalls an der Uppstall-Kreuzung befand, zog in den Schachdewachten.

Schneeballeffekt soll vermieden werden

"Wir müssen aufpassen, dass es nicht zum Schneeballeffekt kommt und immer mehr Geschäfte aufgeben", sagt Thilo Heinemann, Geschäftsführer des Modehauses Ramelow. Er wünscht sich vonseiten der Stadtverwaltung mehr Engagement. Es müsse mehr Optimismus verbreitet werden. Bei einer Versammlung vor kurzem, bei der es um Stadtentwicklung ging, habe er die Verwaltung auf die Baulücken hingewiesen. "Wir brauchen ein Zugpferd wie einen Elektro-Markt oder die Nordsee-Kette in diesem Teil der Einkaufsstraße", so Heinemann. Die Einzelhändler stünden in der nördlichen Breiten Straße "auf wackeligen Beinen".

"Wir haben nur beschränkte Möglichkeiten zum Eingreifen", sagt Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU). Sowohl bei der Frage der Baulücken als auch beim Uppstall-Kaufhaus habe man es mit privaten Eigentümern zu tun. "Wir haben nur eine vermittelnde Funktion", so Schmotz. Sobald es Interessenten gibt, gebe es vonseiten der Verwaltung jede Unterstützung, sofern es sich nicht gerade um Spielcasinos oder Rotlichtgewerbe handele. "Dann wertet man das Gebiet ja nur weiter ab."

Was das Uppstall-Kaufhaus angeht, so zeichne sich keine Neubelegung ab. "Es ist nicht erkennbar, dass die Eigentümer sich um Mieter bemühen", sagt Stadtsprecher Klaus Ortmann. Jedenfalls wisse er nichts von Vermarktungsangeboten beispielsweise im Internet.

Die riesige Verkaufsfläche auf zwei Etagen müsse vermutlich ohnehin aufgeteilt werden, um Mieter zu finden, glaubt Oberbürgermeister Schmotz. "Da benötigt man wohl einen kreativen Mieter."

1997 war das Uppstall-Kaufhaus in einem Neubau eröffnet worden. "Es war zu der Zeit sicherlich richtig, ein so großes Wagnis für so ein großes Geschäft einzugehen", sagt Ramelow-Chef Heinemann. Seinerzeit habe es einen "Gründerzeitoptimismus" gegeben. Allerdings habe es demgegenüber schon 1992 und auch später Studien gegeben, die darauf verwiesen, dass das geplante Kaufhaus für die Stadtgröße überdimensioniert sei, sagt Klaus Schmotz, der als Rathauschef erst 2000 das Ruder übernahm.

Uppstall-Kaufhaus ist das zentrale Problem

Dass das Modeunternehmen H M Interesse an Stendal hat, bestätigt der Oberbürgermeister. Jedoch komme für das Unternehmen ausschließlich eine A-Lage in Frage und die gibt es in Stendal nur in der Fußgängerzone zwischen Sperlingsida und Ramelow. "Es muss gelingen, die nördliche Breite Straße zu einer A-Lage zu machen", sagt Thilo Heinemann. Außerdem müsse auch der Marktplatz zu einer B-Lage entwickelt werden. Nach einer Kategorisierung der Verwaltung spricht man dort von C-Lage. Dass sich gerade die Geschäftsleute am Markt nicht integriert fühlen, hatten einige von ihnen vor kurzem bei einer Sitzung der Innenstadtkaufleute geäußert.

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