57 Paare aus der Altmark haben sich an der Hochzeitsfotoaktion der Volksstimme beteiligt. Am 1.Februar wird das Gewinnerpaar präsentiert. Zuvor erzählen drei Brautpaare ihre ganz spezielle Geschichte.

Schönhausen l Wenn Katja und Marcel Keller an ihre Hochzeit denken, ist es sofort da - das Hochwasser. Einen Tag nach ihrer Trauung am 8. Juni 2013 mussten die Schönhausener ihr Wohnhaus verlassen, wurden mitsamt ihrer Hochzeitsgesellschaft ins Stendaler Evakuierungszentrum geschickt.

Natürlich haben sie auch schöne Erinnerungen: an die Trauung im Schönhauser Bismarck-Museum, an ihre Kutschfahrt durchs Dorf, an die Feier zu Hause und in der Gaststätte. Ihr großer Tag "verlief genauso, wie wir uns das vorgestellt hatten".

Nach der Hochzeitsnacht hat Marcel Keller Sandsäcke befüllt

Zu dieser Zeit aber war das Hochwasser längst in aller Munde. Man bangte um den Fischbecker Deich. "Wir haben den Gedanken verdrängt", erinnert sich Katja Keller. Die Hochzeit zu verschieben, kam nicht in Frage, bekräftigt auch Ehemann Marcel. Schließlich war sie seit fast einem Jahr geplant. Schon Tage vor der Hochzeit rieten Freunde der Schönhauserin, sich ihr Brautkleid aus Stendal abzuholen. "Es war ja schon die Rede davon, dass die Brücke gesperrt werden könnte." Niemals hätte die 28-Jährige damit gerechnet, dass alles so kommen könnte, wie es dann kam.

Bis 5 Uhr morgens hatte das Brautpaar Hochzeit gefeiert - für den Sonntagvormittag war ein Brunch geplant. Doch nach drei Stunden Schlaf zog es den frisch gebackenen Ehemann nach Neuermark-Lübars. Er wollte seinen Vater unterstützen, befüllte Sandsäcke und packte, als er zurückkehrte, in Schönhausen mit an. Gegen 23.30 Uhr fielen die Kellers todmüde ins Bett - wenig später klingelte das Telefon. "Schönhausen wird evakuiert", hieß es um eins - der Deich in Fischbeck war gebrochen. Dann ging alles ganz schnell. "Alles, was griffbereit war, haben ich mitgenommen, auch das Brautkleid. Das war mir in dem Moment wichtig." Es ging nach Stendal ins Evakuierungszentrum, auch für die Hochzeitsgäste - Onkel, Tante, ihre Eltern, die Schwester mit ihrer zweijährigen Tochter.

Ungern erinnert sich Katja Keller an diese eine Nacht in Stendal. "Es war schrecklich, ich habe kein Auge zugemacht." Entwarnung am selben Tag, die Hochzeitsgesellschaft konnte umziehen - nach Tangermünde ins Hotel. Zur gleichen Zeit wurde die

Elbbrücke gesperrt. Die Kellers erfuhren über den Buschfunk, dass sie ihr Haus erst in etwa drei Wochen wiedersehen würden.

Die folgenden Tage beschreibt Katja Keller als "Wahnsinn". Die große Hilfsbereitschaft hat sie beeindruckt. "Wir haben immer kostenlos Essen bekommen, das war mir richtig unangenehm." Wie es zu dieser Zeit "drüben zuging", das wussten die Schönhausener nicht. Einmal war Marcel Keller mit dem Boot der Feuerwehr in Schönhausen. "Der Eindruck war nicht schön, überall stand das Wasser." Im Trockenen stand immerhin sein Haus. "Aber man befürchtete, dass das Wasser über die Kanalisation ins Haus gedrückt werden würde."

Am 15. Juni wurde das Ehepaar ein zweites Mal evakuiert, diesmal in Tangermünde. Ein leerstehendes Nachbarhaus am Hotel brannte lichterloh. Für Familie Keller ging es ins Exempel. Ein erstes Aufatmen am 21. Juni. Schönhausen wurde freigegeben. Doch Freude empfanden die Kellers da nicht. "Es war eine Fahrt ins Ungewisse. Wir wussten nicht, wie unser Haus aussieht." Das Unterdorf bot ein Bild des Grauens, sagen beide. Ihr Wohnhaus, das im anderen Teil Schönhausens steht, war in "trockener" Sicherheit geblieben.

Ihre Flitterwochen haben sie bis heute noch nicht nachgeholt

Glück im Unglück? "Wir hatten Glück, dass das Wetter mitgespielt hatte", so Katja Keller, die in den Tagen nach ihrer Rückkehr mit Aufräumarbeiten beschäftigt war. Nicht etwa in den eigenen vier Wänden, sondern man half bei den anderen. Das Paar ließ sich von der Arbeit befreien.

Die Flitterwochen waren da längst auf Eis gelegt. Am 11. Juni wollte das Paar nach Dubai fliegen. "Das Schlimme ist, dass die Hochzeit völlig untergegangen ist", sagt die Schönhausenerin und auch ihr Ehemann ist eher traurig gestimmt, wenn er an die Hochzeit denkt. "Es ist nicht zu ändern."

Ihre Flitterwochen haben sie bis heute nicht nachgeholt und nicht geplant. Wenn sie ihr Hochzeitsalbum anschauen, liegt da gleichzeitig ein zweites Album. Das von der Flut.