Landtagspräsident Detlef Gürth (CDU) eröffnete gestern als Schirmherr die Ausstellung "Heimat im Krieg 1914/18 - Spurensuche in Sachsen-Anhalt". Die Schau wird in den kommenden vier Jahren in 18 Städten zu sehen sein.

Stendal l Vieles war neu am Ersten Weltkrieg, dem Konflikt, den Historiker gerne als die Urkatastrophe des 20.Jahrhunderts bezeichnen. Das betonte Professorin Silke Satjukow vom Historischen Institut der Universität Magdeburg gestern in Stendal. Die Hochschullehrerin hatte in Kooperation mit dem Museumsverband Sachsen-Anhalt vor mehr als einem Jahr die Ausstellungsinhalte zu "Heimat im Krieg 1914/19 - Spurensuche in Sachsen-Anhalt" mit ihren Studenten erarbeitet. Neben der totalen Mobilmachung und den neuen und brutalen Waffen wie Maschinengewehren, Panzern und Gasbomben war es das Spezifische des Ersten Weltkrieges, dass dieser vom ersten Tag an nicht nur auf den Schlachtfeldern, sondern auch an der "Heimatfront" ausgetragen wurde, sagte Satjukow.

Regionale Aspekte des Krieges werden betont

Genau der Aspekt, dass der Krieg sich bis in den letzten Winkel Europas und somit auch Sachsen-Anhalts ausgewirkt hat, soll durch die Ausstellung mit 186 Exponaten aus 21 Museen gezeigt werden. Zur Eröffnung mussten gestern Nachmittag noch Stühle ins Forum Katharinenkirche geholt werden, um die mehr als 230 Gäste platzieren zu können.

"Es ist geschehen, darum kann es auch wieder geschehen" - dieses Zitat des italienischen Holocaustüberlebenden Primo Levi brachte Landtagspräsident Detlef Gürth (CDU) in seiner Eröffnungsansprache. Der Schirmherr der Ausstellung sagte, dass man sich der Geschichte erinnern muss. Heute würde ein geeintes Europa aus 28 Staaten kreiert. "Es ist nicht selbstverständlich, dass das gelingt", sagte Gürth. Die regionalen Aspekte könnten dem Thema eine besondere Authentizität geben, gerade weil es zum Geschehenen keine Zeitzeugen mehr gebe.

Drei Schauspielern des Theaters der Altmark gelang es bei der anderthalbstündigen Eröffnungsveranstaltung etwas von der Dramatik der damaligen Zeit zurückzuholen. Sie lasen Feldpostbriefe aus dem Buch "Was tun wir hier" sowie Gedichte aus der Anthologie "Der Krieg brach wirklich aus". Musikalisch wurde die Veranstaltung durch das Klavierspiel von Tilman Frieser begleitet.

Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) machte auf einen Jugendwettbewerb aufmerksam, der mit der Ausstellung verknüpft ist. Es sollen junge Menschen bis 22 Jahre animiert werden, sich mit den regionalen Aspekten des Ersten Weltkriegs auseinanderszusetzen. Egal, ob als Text, Theaterstück, Website oder Hörspiel, Beiträge können bis zum Sommer eingereicht werden.

"Ich hoffe, dass viele Impulse von der Ausstellung ausgehen", sagte Cornelia Zimmermann, die stellvertretende Vorsitzende des Museumsverbandes. "Geschichte dient als Denkanstoß und nicht als Totalschlagargument."