Zum traditionellen Neujahrstreffen kamen am Sonnabend zahlreiche Mitglieder nach Arneburg. Dabei standen Themen wie Hochwasser und die neue Imagekampagne der Altmark im Mittelpunkt.

Arneburg l "Wir sind bereits mitten im Klimawandel. Selbst wenn wir die Erwärmung auf zwei Grad begrenzen, wachsen hier bald Olivenbäume", sagte Prof. Dr. Bernd Reuter vom Landesheimatbund (LHB) am Sonnabend. Zu Beginn des traditionellen Neujahrstreffens in Arneburg nahm der Sprecher des Arbeitskreises Kulturlandschaften im LHB das Thema Hochwasser unter die Lupe. Grund für eine Zunahme der Unwetter in Deutschland und Europa seien die sogenannten Omega-Wetterlagen. Und die werden nach Auffassung des Experten in Zukunft noch zunehmen.

Pro Tag: 100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche weniger

Davon gehe auch der weltweit größte Rückversicherer, die Münchener Rück in einer aktuellen Studie aus. Selbst wenn der Klimawandel nicht nur rein menschliche Ursache habe, würde die Entwicklung dennoch von ihnen verstärkt. Dafür würde beispielsweise die zunehmende Versiegelung des Bodens sorgen. Pro Tag gehen durch die Umwandlung in Siedlungsgebiete, durch den Bau von Straßen und anderen Infrastrukturmaßnahmen, 100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland verloren.

Um langfristig die Auswirkungen von Hochwasser zu dämpfen, führte Reuter eine lange Liste möglicher Maßnahmen auf und gab dabei zu bedenken, dass Hochwasserschutz nicht nur in den Auengebieten von Elbe, Mulde und Saale stattfinden dürfe. "Die Ursachenbekämpfung muss schon im Einzugsgebiet beginnen", betonte Referent Bernd Reuter.

Doch auch die Kulturvereine könnten etwas tun. Reuter regte an, Kommissionen zur Kontrolle des Bodenschutzgesetzes zu gründen, Beobachtungsflächen einzurichten, oder auch Gehölzpflanzungspläne zu entwickeln. Die Gehölze seien nicht nur ein natürlicher Wasserspeicher, sondern könnten in Zeiten knapper Ressourcen auch zur Energiegewinnung genutzt werden. Dass etwas getan werden muss, das unterstrich Arneburgs Bürgermeister Lothar Riedinger in seinem Grußwort.

"Wir sollten versuchen, diese Gedanken umzusetzen und müssen uns mit der Gefahr auseinandersetzen. Nichts ist schlimmer, als solche Katastrophen zu erleben. Es ist fast vergleichbar mit einem Krieg, wenn Menschen plötzlich ihre Heimat verlassen müssen", sagte Bernd Witt, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land.

Doch nicht nur das Hochwasser, sondern auch die neue Imagekampagne für die Altmark polarisierte am Sonnabend. In den Augen von Norbert Lazay sei die grüne Wiese in vielerlei Hinsicht mit Blick auf die Bausünden der 90er Jahre oder auch die Investitionstendenzen am Stadtrand negativ behaftet. Zudem kritisierte er die Auffassung der Agenturchefin Boy, wonach viele Menschen die Altmark schätzen würden, weil sie so schön leer sei.

Immerhin gäbe es hier die größte Dichte an Hansestädten oder auch die höchste Zahl von Feldsteinkirchen in ganz Deutschland. Zudem erinnere das Werbebild mit Maulschlüssel an die Adolf-Hennecke-Bewegung vor dem DDR-Aufstand. Doch Lazay wollte nicht nur kritisieren, sondern auch anregen. Mit Hinblick auf die 750 historischen Persönlichkeiten aus der Region könnte nach seiner Ansicht "die Altmark als Hort bedeutsamer Impulse und Anfänge gedeutet werden". So kam er auf Begriffe wie Bismarckland, Johanniterland oder auch Adelsland.

Mutiger Slogan: Osterburg - in the middle of nüscht

Auch wenn Nico Schulz mit der Kampagne nicht ganz glücklich ist, sieht er dennoch interessante Ansätze. "Wir waren 20 Jahre lang nicht untätig und haben trotzdem 40 Prozent unserer Einwohner verloren", sagt der Osterburger Bürgermeister. Man müsse mutig sein und erinnerte an den Findungsprozess für den Stadtslogan. Einer davon war: "Osterburg - in the middle of nüscht". Lothar Riedinger gab beiden zwar Recht, tendierte aber dazu auch einmal abzuwarten, welche Wirkung tatsächlich erzielt werde.

Dass Regionalität zukünftig wieder an Bedeutung gewinnen wird, davon ist Referent Reuter überzeugt: "Mit der Globalisierung ist es in einigen Jahren vorbei. Dann wird es den neuen Trend der Relokalisierung geben. Die Entwicklung von regionalen Produkten birgt dann neue Chancen." Gemäß des Landesmottos, müssten die Akteure nur noch früher aufstehen, um Potenziale wie von Reuter skizziert, auch zu nutzen.

 

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