Die Stendaler Altstadt, achthundertfach verkleinert, soll in den kommenden Monaten als Bronzemodell entstehen und seinen Platz auf dem Winckelmannplatz finden.

Stendal l Ab geht sie die Führung durch die Stendaler Innenstadt. Vom Markt durch Kornmarkt, Breite Straße, Rohrstraße und Winckelmannstraße zum Uenglinger Tor - in Sekundenschnelle und auf Fingerkuppen. Das könnte in einem Jahr durchaus möglich sein. Sollte in einem Jahr möglich sein, nimmt man den Rotary-Club Stendal beim Wort. Er möchte ein Tastmodell der Altstadt mit ihrem aktuellen Antlitz auf dem Winckelmannplatz installieren.

Einweihung für nächstes Jahr geplant

"In einem Jahr möchten wir das Modell einweihen", erklärte Kay Timm, Präsident des Stendaler Rotary-Clubs, als er gestern mit weiteren Club-Mitgliedern sowie Politprominenz aus Stendal den symbolischen Startschuss für das Projekt für "unsere kleine und liebliche Stadt" gab. Die plastische Abbildung soll Sehbehinderten einen räumlichen Eindruck der Altstadt vermitteln, aber natürlich auch Gäste der Stadt neugierig auf eine Stendaler Erkundungstour machen. Oberbürgermeister Klaus Schmotz (CDU) glaubt, dass es "nicht nur für Touristen interessant ist, die Struktur der Stadt hautnah zu erleben".

Abbild der Innenstadt im Maßstab 1:800

Die Rotarier haben ihr Projekt unter das Motto "Von der Idee bis zum Bronzeguss" gestellt. Denn von der Idee bis zur Umsetzung ist es noch ein Stück Weges. Immerhin müssen dafür rund 30000 Euro und weitere 5000 bis 10000 Euro für einen Sockel aufgebracht sowie ein gerüttelt Maß an Arbeit investiert werden.

Mit dem Auftrag soll Egbert Broerken aus Soest beauftragt werden. Wie Timm berichtete, gießt der Künstler seit fast einem Vierteljahrhundert Stadtmodelle aus Bronze. Über 100 hat er bereits hergestellt. In zahlreichen Arbeitsschritten werden Formschablonen aus Hartschaum, Silikon, Wachs und einer speziellen Gipsart erstellt, bevor das Metall darin gegossen wird. Die Stendaler Altstadt wird im Maßstab 1:800 modelliert; der Bronzeguss soll eine Fläche von 105 mal 170 Zentimeter einnehmen und seinen Platz gegenüber dem Modehaus Ramelow erhalten.

Die Weichen in der Stadt sind gestellt: Der Standort des Modells ist mit Architekt Andreas Möhlmann, der bei der Umgestaltung des Winckelmannplatzes Regie führte, abgestimmt; gestern übergab Stadtmitarbeiterin Bärbel Hornemann die denkmalrechtliche Genehmigung. "Das ist ein super Platz für das Modell", freut sie sich schon gemeinsam mit den Rotariern darauf, auf Fingerkuppen durch die Stendaler Altstadt zu spazieren.