Der Landkreis Stendal zieht die Konsequenzen aus den Vorgängen zum Elbhochwasser im vergangenen Jahr. Bei den Evakuierungen waren Probleme aufgetreten.

Stendal l Noch in diesem Jahr werden die Einwohner des Landkreises Stendal eine Broschüre mit wichtigen Informationen zum Katastrophenschutz erhalten. Dies teilte der 2. Beigeordnete des Landkreises, Sebastian Stoll, in der vergangenen Woche im Sozialausschuss mit.

Wie die Volksstimme bereits berichtete, wird beim Landkreis ein "Sonderplan Evakuierung" ausgearbeitet. Nach dem Elbehochwasser im vergangenen Jahr waren gravierende Probleme deutlich geworden, sagte Stoll. Einerseits waren die Menschen nicht richtig informiert über die unterschiedlichen Evakuierungsstufen. Dies hatte für Verwirrung gesorgt. Anderseits war es für die Einsatzkräfte schwierig, hilfsbedürftige Personen aus dem Katastrophengebiet herauszuholen. "Es gab keine Listen, die einfach abgearbeitet werden konnten", sagte Stoll.

Leute kannten Stufen der Evakuierung nicht

Ausschussmitglied Günter Rettig (Linke) berichtete über ein Beispiel aus Tangermünde, wo während der Flut Menschen orientierungslos waren. Als die Sirenen für einen Brandeinsatz der Feuerwehr losheulten, da seien zahlreiche Leute mit gepackten Koffern zu einer Bushaltestellen gekommen. "Die dachten, jetzt geht die Evakuierung los", so Rettig.

Die Broschüre, die in diesem Jahr noch verteilt wird, soll die drei Evakuierungsstufen detailliert erklären, sagte Sebastian Stoll. Die Menschen sollen darüber informiert werden, welche Vorkehrungen sie in einem Ernstfall zu treffen hätten.

"Das muss ein bescheidenes Werk werden und darf auch nicht zu kompliziert sein", gab Ausschussmitglied Henning Richter-Mendau (CDU) zu bedenken. Wenn eine solche Broschüre zu detailliert ausfalle, werde sie im Zweifel gar nicht von den Menschen zur Kenntnis genommen.

Im Ausschuss berichtete Stoll darüber, dass in Bezug auf den Sonderplan Evakuierung der Datenschutz gewisse Probleme bereite. "Die Pflegekasse gibt uns nicht einfach die Daten über die hilfsbedürftigen Personen heraus", sagte Stoll. Entsprechende Listen müssen in den einzelnen Kommunen erstellt werden.

Cario: "Datensammeln ist derzeit überflüssig"

"Dies Datensammeln ist eine überflüssige Arbeit", sagte Friedhelm Cario, Leiter des Zentralen Einsatzdienstes des Roten Kreuzes, der im Ausschuss als Gast vertreten war. Im Ernstfall bräuchte man aktuelle Listen. Es sei sinnvoll, auch erst dann mit der Erstellung der Listen zu beginnen, wenn sich eine Evakuierungssituation anbahne. Bei den stationären Einrichtungen wie das Heim in Sandau habe alles reibungslos funktioniert. Problematisch seien die Menschen gewesen, die im häuslichen Umfeld leben. Angehörige hatten sich bei der Elbflut oft erst sehr spät gemeldet.

In einem künftigen Evakuierungsfall werde es einen Leiter sowie einen zuständigen Sachbearbeiter geben, sagte Stoll. "Es soll mit einheitlicher Zunge gesprochen werden."

Eine Gruppe trifft sich regelmäßig, um den Plan weiter auszuarbeiten. Beteiligt sind das Rote Kreuz und die Johanniter. Man arbeite insbesondere an einer Konzeption für Notunterkünfte. Es habe sich herausgestellt, dass beispielsweise die Bundeswehr - aufgrund der räumlichen Gegebenheiten - nur sehr bedingt dafür geeignet war.