Stendal (vl) l Bei der Volksstimme-TED-Umfrage am Wochenende sprach sich eine klare Mehrheit gegen das Parken auf dem Sperlingsberg aus. Nur jeder fünfte Anrufer votierte für Stellplätze dort. Pro und Kontra spiegeln sich auch weiterhin in Leserbriefen wider.

Ein ständiges Parkverbot auf dem Sperlingsberg - Ausnahme Behindertenstellplätze - fordert Harald Kröger aus Stendal. Der Hobbyfotograf musste mehrere Anläufe unternehmen, um den Platz einmal autofrei vorzufinden. "Nun ist das für mich als Stendaler gar nicht so arg, aber denken wir doch einmal an Touristen, die vom Stendal-Besuch Erinnerungsfotos mitnehmen möchten. Zugeparkt bietet der Platz mit dem Haackebrunnen kein schönes Motiv." Harald Kröger fragt: "Könnte nicht ein Kompromiss sein, in der Karlstraße gegenüber dem Theater der Altmark die Baulücke als Parkplatz herzurichten?"

"Wollen wir diesen Anblick unseren Besuchern bieten?", schließt sich Uwe Hünemöller aus Stendal mit einer Frage an und verweist auf "gut 20 Autos", die am vergangenen Sonnabend gegen 12.30 Uhr auf dem Sperlingsberg geparkt hätten. Zwar sei für ihn verständlich, dass ein Parkplatz "direkt vor dem Geschäft" für Einzelhändler toll sei, doch die Regelung sei lediglich als Ausnahme geplant gewesen, bis die Parkplätze im Schadewachten fertig sind. "Genügend Parkplätze sind jedoch kein Garant für Erfolg, wie das Uppstall zeigt. Die Stendaler Innenstadt muss attraktiver werden", schreibt Uwe Hünemöller und wünscht sich, "dass Stendals Innenstadt künftig nicht nur von Ramelow bis zum Sperlingsberg stattfindet".

Wie werden 14000 Euro für Stadthaushalt kompensiert?

Matthias Kirchbach aus Stendal fragt sich angesichts der Debatte: "Haben wir keine anderen Probleme?" Er ist der Meinung, dass ein Bedarf an Parkflächen an der Sperlings-ida besteht, "sonst würde da ja auch niemand parken". Die vielen "gegnerischen Stimmen" kann er nicht nachvollziehen. Matthias Kirchbach begründet: "Ständig höre ich großes Gemurre um fehlende Parkplätze in der Stendaler Innenstadt. Und nun sollen noch weitere gestrichen werden?! Das ist für mich unverständlich. Ebenso interessiert mich sehr, wie die ganzen Gegner die 14000 Euro pro Jahr an Einnahmen im Stadthaushalt kompensieren wollen. Ich kann mir nur vorstellen, dass die Stadtratsfraktionen von SPD und Linken hier wieder auf Kosten anderer einsparen werden. Frei nach dem Motto: Weniger Geld für Kinder und Kultur - Hauptsache keiner parkt das Fotomotiv zu."

Auf den "einzigartigen Charakter" des Sperlingsberges bezieht sich S. Lange. "Meiner Meinung nach ist dieser einzigartige Charakter bereits vor Jahren verloren gegangen, als dieser nämlich mit viel Geld aufwendig verschandelt wurde. Ich war entsetzt, dass alles bis auf den letzten Fleck zugepflastert worden ist. Früher grünte und blühte es um die Sperlingsida", schreibt S. Lange. Nachdem alles zugepflastert worden ist, sei die Verlockung zum Parken groß, heißt es weiter. "Es ist so, als würde man jemandem einen leckeren Kuchen vorsetzen und ihm auf die Finger hauen, wenn er zugreift."

"Als Bewohner der Bahnhofsvorstadt bin ich im Alter von 72 Jahren - so wie viele ältere Mitbewohner auch - in der Lage, ohne Auto die Geschäfte der Fußgängerzone unserer Stadt auch zu Fuß zu erreichen", schreibt Dieter Müller aus Stendal. Er meint, die Befürworter für das Parken an der Sperlingsida innerhalb des Stadtrates sollten sich mehr um den Erhalt "unserer wenigen noch erhaltenen geschichtsträchtigen Symbole" der Stadt kümmern. "Sehen die Stadtverordneten nur die Einnahmen aus den Parkgebühren, dann sollten sie alternativ jedem Geschäft eine Parkfläche kostenpflichtig zuweisen mit der Auflage, diese zu betreiben und zu erhalten."

Edeka-Parkplatz soll nur Kunden dienen

Sowohl als Stendaler Einwohner als auch als Edeka-Bezirksleiter verfolgt Axel Kowalski die Parkplatz-Debatte. "Als Mitarbeiter der Edeka bin ich sehr erstaunt, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kundenparkplätze des Edeka-Marktes von Herrn Richter als Parkplätze für die Innenstadt ausgewiesen werden. Hier sollen die Kunden des Marktes für eine Stunde parken können. Auch Herr Richter hat Probleme mit Dauerparkern und wird in Zukunft auch gegen diesen Missbrauch vorgehen."