Autor und Regisseur Peter Ohlendorf tourt derzeit mit seinem Dokumentarfilm "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" durch Deutschland und zeigt ihn an Schulen, in Behörden und kommunalen Kinos. Am Montag wurde der Streifen in der Stendaler Hochschule vorgeführt.

Stendal l Wundert euch nicht, falls ihr in der nächsten Zeit Leuten begegnet, die einen Button, auf dem ein gelbes Sakko abgebildet ist, an der Kleidung tragen. Diese Stendaler haben sich am vergangenen Montag die Filmvorführung "Blut muss fließen - Undercover unter Nazis" im Audimax der Hochschule angesehen.

Der Saal des Audimax war voll bis auf den letzten Platz. Es mussten zusätzliche Stühle aus anderen Räumen geholt werden. Einige nahmen für diesen Film sogar einen Stehplatz in Kauf.

Kuban gab für den Film sein Privatleben auf

Der Journalist und Hauptdarsteller Thomas Kuban hatte sich in die rechte Rock-Szene eingeschleust und über zehn Jahre mit einer versteckten Kamera dokumentiert, wie junge Menschen mit Rechtsrock geködert und radikalisiert werden.

Dafür hatte er sich viele Jahre verkleiden müssen. Tagsüber ging er als Journalist in einem gelben Sakko, mit Heino-Perrücke und dunkler Sonnenbrille zur Arbeit und zu öffentlichen Auftritten. Abends war er froh, diesen Tag unversehrt überstanden zu haben, denn er hatte schon viele Morddrohungen von Rechtsradikalen bekommen.

Nachts tauschte Kuban sein Sakko gegen eine Bomberjacke und Springerstiefel, um sich für seine Recherchen unter das Nazivolk zu mischen. Häufig verbrachte er Nächte vor seinem Laptop, um mit seinen rund 40 Identitäten in Nazi-Foren Kontakte zu knüpfen, Gesten und Verhaltensweisen zu studieren. Der Journalist ist dabei ein hohes Risiko eingegangen. Ohlendorf habe Kuban dabei auf seiner Reise mit der Kamera begleitet.

Der Film konfrontiert die Zuschauer mit Nazi-Parolen und Fremdenhass. Erschreckend ist, dass kein Ort vor solchen Konzerten sicher ist. In dem Streifen wird auch der Polizei und Politik vorgeworfen, nicht hart genug gegen solche Konzerte durchzugreifen.

Das gelbe Sakko das der Journalist auf seinen Reisen durch Deutschland und halb Europa bei öffentlichen Auftritten trägt, soll zum Symbol für den Kampf gegen Nazis und Fremdenhass werden.

Nach der Vorführung kam Regisseur Peter Ohlendorf mit dem Originalsakko in den Hörsaal und eröffnete die Diskussion, die von den Gästen gut angenommen wurde.

   

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