Roman Grafe arbeitet DDR-Unrecht akribisch auf, er steht für klare Positionen und er geht Konflikten nicht aus dem Weg. Das ist auch gut so und das sollte man wissen, wenn man ihn einlädt. Erst recht in Stendal.

Die Lehrerin der Comenius-Schule hat sich bei der Lesung nicht nur im Ton vergriffen. Ein Satz wie "Wenn man sich in Diktaturen an die Regeln hält, passiert einem nichts" kann in einer Schule nicht so stehen bleiben. Er muss (und kann) zurückgenommen werden. Geschieht dies nicht, hat die Urheberin im Schulalltag nichts verloren.

Ihr verklärender Auftritt hat jetzt ein Millionen-Publikum erreicht. Damit scheidet eine reine interne Moderation des Konflikts aus. Es geht jetzt um den Ruf und die Glaubwürdigkeit der Schule.

Wie man das Thema öffentlich wegdrücken kann, hat der Umgang mit Roman Grafes Offenlegung der Biografie von Klaus Schmotz beim Grenzkommando Nord im Oberbürgermeisterwahlkampf 2008 gezeigt. Nahezu jeder in dieser Stadt redet heute noch darüber - aber nur hinter vorgehaltener Hand.

Klaus Schmotz hat es bislang versäumt, hier selbstreflektierend seine damalige Rolle aufzuarbeiten und einzuordnen. Seine souveräne Amtsführung übertüncht dies im Alltag der Stadt. Aber dieses Manko ist da und wird wahrgenommen, auch wenn die politische Klasse stillschweigend und ein wenig verschämt darüber hinweg geht. Und sich im übrigen auch nicht wundern darf, wenn deshalb Gräben zwischen der Bevölkerung und ihren Repräsentanten so immer größer werden.

Dieses Beispiel sollte daher keine Schule machen. Erst recht nicht in der Schule.