Stendal (tp/ta) l Der gestrige Volksstimme-Beitrag "Ablenken, Ausweichen, Beschwichtigen" rief bei den Altmärkern viele Diskussionen hervor. Das belegen sowohl Leserbriefe als auch Facebook-Kommentare:

SanDra: "Was wir nicht kannten, haben wir auch nicht vermisst!!!"

Brigitte Lausch: "Ich bin in Deutschland geboren, in der DDR aufgewachsen, habe Kindergarten, Schule, Lehre und Studium absolviert. Meine Kinder saßen mit anderen Kindern in einer Reihe auf dem Töpfchen. Meine Tochter ist leider mit neun Jahren tödlich verunglückt. Mein Sohn ist trotz der Topfparade kein Verbrecher geworden. Er hat auch die Schule, obwohl es eine Diktatur war, erfolgreich abgeschlossen und studiert. Jetzt, wo ich Rentnerin bin, muss ich sagen: Gott sei Dank und muss auch sagen, dass ich trotz allem eine schöne Zeit hatte und sie auf keinen Fall missen möchte. Ach übrigens: ohne Bananen kann ich leben, aber nicht ohne Arbeit."

Felix Biere: "Wenn man sich in Diktaturen an die Regeln hält, passiert einem nichts. Nun ja, danach haben ja bis zu einem gewissen Zeitpunkt die meisten gelebt, allerdings diese Erkenntnis aus 40 Jahren DDR-Diktatur als das Nonplusultra zu preisen und jungen Menschen mit auf den Weg zu geben, ist eine Schande!"

Olaf Li: "Die Verklärung einer zurückliegenden Epoche liegt in der Natur des Menschen, man erinnert sich nur an die guten Dinge und verdrängt, was unangenehm war. Damit schützt sich der Mensch für die Gegenwart und Zukunft. Aber ein Lehrer, der einen besonderen pädagogischen Auftrag hat, sollte schon mit Fakten aufwarten, die wissenschaftlich bewiesen sind. Und über 20 Jahre nach Abschaffung dieser Diktatur, für die viele Menschen auf die Straße gegangen waren, es hinzustellen, als wenn man sich nur anpassen musste und schon war alles gut, rückt die tatsächliche Situation in ein falsches Licht."

Klaus Kutzer: "Roman Grafe (geb. 1968) stellte 1985 einen Antrag auf Übersiedlung in die Bundesrepublik. Nach weiteren erfolglosen Anläufen durfte er im Januar 1989 ausreisen. Ich würde ihn an keiner Schule vorlesen lassen, denn ihm fehlt das Leben eines erwachsenen DDR-Bürgers. Seine Erfahrungen sind zu wenig und er sollte sich erst einmal umfassend informieren und nicht das Leben auf die Stasi reduzieren. Aber die haben es auch so gemacht: erstmal jeden Satz sofort aufschreiben, um ihn später verwenden zu können.

Wenn Herr Grafe bei der ersten, von seiner Sichtweise abweichenden, Meinungsäußerung Stift und Zettel bereitlegt, so wirft dies bereits ein bezeichnendes Licht auf diesen Herrn, der, anscheinend bedingt durch sein persönliches Schicksal, zum fanatischen DDR-Hasser wurde."

Norbert Mädge: Wie schon der Hauptteil der Medien seit Jahren nur als objektive DDR-Erfahrung gelten lässt, was auf Grenze und Stasi hinausläuft, so agitiert hier Herr Grafe als einziger Inhaber der Wahrheit. Wer kein Widerstandskämpfer war, hat nach seinen Äußerungen anscheinend jedes Recht auf verantwortliche Tätigkeit in der Gesellschaft verwirkt. Ein Nachweis einer konkreten persönlichen Schuld ist hier wohl nicht mehr erforderlich, um an den Pranger gestellt zu werden?

Wer an unseren Schulen nichts zu suchen hat, sind meiner Meinung nach Fanatiker, die für freie Meinungsäußerung eintreten, aber nur, falls sie der ihren entspricht. Schade, dass sich unsere Heimatzeitung vor diesen Karren spannen lässt."

Sylvia Gohsrich: "In der Hoffnung auf eine sachliche Aufarbeitung des Themas ¿Innerdeutsche Grenze\' saß auch ich Anfang 2008 im kleinen Rathausfestsaal und lauschte den Worten Roman Grafes - mit stetig wachsender Übelkeit. Erinnern wir uns: Grafe gab als Zugabe in Abwesenheit des Oberbürgermeisters eine so genannte Dokumentation ¿Aus dem Leben eines Apparatschicks\'. Die Wahl des OB stand wenig später an. Im Nachgang wurden diese Einlassungen von allen Fraktionen als schmutziger Wahlkampf bezeichnet. Zudem: Auf rein sachlicher Ebene lag Grafe seinerzeit in vielen Punkten schief. Er spitzt zu, polarisiert und mag das offenbar auch jetzt noch nicht lassen. Wir alle gehen dieses Jahr auf das 25. Jahr der Grenz- öffnung zu und sehen, dass es da noch viel aufzuarbeiten gibt. Wir sollten uns dem stellen, sachlich, umsichtig und respektvoll. Dann haben wir alle Grund zu feiern."