Was lange währt, wird endlich gut. Im Fall von "Arsen und Spitzenhäubchen" sogar sehr gut. Der Premiere am Freitag folgten zwei weitere Vorstellungen - die "Junggebliebenen Altmärker" begeisterten vor jeweils ausverkauftem Haus.

Stendal l Viele kennen sie bereits: Die reizenden, ältlichen Damen, die mit ihrem speziellen Holunderwein einsame Herren ins Jenseits befördern - aus Nächstenliebe heraus, versteht sich: Neffe Teddy, der sich für Präsident Roosevelt hält und im Keller den Panama-Kanal baut, Neffe Jonathan, der nach einer missglückten Gesichtschirurgie wie Frankensteins Monster aussieht, und all die anderen, meist völlig durchgedrehten Charaktere von "Arsen und Spitzenhäubchen".

Der Film von 1944, eine wunderbare "Screwball"-Komödie, ist vielen ein Begriff. Die Inszenierung der "Junggebliebenen Altmärker" braucht den Vergleich durchaus nicht zu scheuen. Man mochte es beinahe nicht glauben, dass hier Laienschauspieler am Werk sind! Sie haben sich lange mit dem Text von Joseph Kesselring auseinandergesetzt. Ein ursprünglicher Aufführungstermin wurde verschoben. Eine richtige Entscheidung, wie das Ergebnis nun zeigte. Timing, Ausstrahlung, Verständlichkeit - es war alles vorhanden, was zu einem gelungenen Theatererlebnis dazugehört.

Der Begriff "Screwball" kommt aus dem Baseball-Sport und bezeichnet einen angeschnittenen Ball, der nicht vorhersehbar fliegt. Hier im Theater bedeutet das: Eine völlig überspannte, absolut aberwitzige Handlung. Und mittendrin der arme Mortimer, beinah der einzige "Normale", der jedoch angesichts der Tatsache, dass seine Tanten Martha und Abby sich als Todesengel erweisen, ebenfalls kurz vor dem Wahnsinn steht. Da nützt ihm auch nicht zu hören: "Nun hab dich doch nicht so! Bei deinem Großvater lagen ständig ein paar Leichen herum!"

Petra Drescher und Jutta Sasse scheinen die Rollen der Martha und Abby auf den Leib geschneidert zu sein: Sie geben wunderbar die liebenswürdigen, jedoch tödlichen alten Jungfern. Sie alle überzeugen: Janko Claus als Mortimer, Stefan Kolata (gleich in zwei Rollen), Gunnar Gille, Wolfgang Schröder, Jens Beutel (ebenfalls in zwei Rollen), Kathrin Musold, Janin Schlieker, Christina Etzold, Gabi Fischer, Simone Falkenau, Manfred Zerbe und Christa Anni Lange.

Letztere übernimmt den Part einer Erzählerin. Immer wieder halten die Akteure inne, während die Erzählerin erklärt, dirigiert, kommentiert. Eine großartige Idee, die dieser Inszenierung gut tut.

Ausstatterin Sofia Mazzoni sorgte für ein schönes Bühnenbild, vorwiegend in Schwarz und Weiß. Die "Junggebliebenen" unter der Leitung von Robert Grzywotz sorgten für viel Heiterkeit. Bravo!