Wolfgang List, Stendal:
Dass Sie sich kritiklos den vom Hass geprägten Anschauungen Roman Grafes angeschlossen haben, die in einem Kommentar gipfeln, der indirekt sogar das Berufsverbot einer Lehrerin einfordert, erfüllt mich mit Abscheu. Als ehemaliger Mitarbeiter der "Volksstimme" schäme ich mich für diese Entgleisung. Das Grundgesetz garantiert jedem die Meinungsfreiheit. Insofern haben Sie der Lehrerin nichts vorzuwerfen, und sie hat auch nichts zurückzunehmen. Sie hätte lediglich statt "Diktatur" den Begriff "Staat" verwenden sollen.

In jeder Gesellschaftsordnung dieser Welt gibt es klare Regeln des Zusammenlebens. Wer gegen sie verstößt, bringt sich bewusst in Gefahr. Schwingen Sie sich auf der Suche nach medienwirksamen Skandalen nicht zum Inquisitor auf. Deshalb erwarte ich, dass Sie, Herr Rath, sich bei der Lehrerin wegen der öffentlichen Diskriminierung öffentlich entschuldigen.

Günther Müller, Stendal:

Eine Buchlesung in der Provinz der Frühaufsteher macht uns bei einem Millionen-Publikum bekannt. Für die vom Kultusministerium angekündigten Gespräche bleibt die Hoffnung, dass kein Beteiligter überhitzt am Gesprächstisch Platz nimmt. Unabhängig vom Ausgang dieser Gespräche wird der Oberbürgermeister Klaus Schmotz dann wohl immer noch da sein. Herr Rath hört in der ganzen Stadt Gespräche, die hinter vorgehaltener Hand über die frühere Zugehörigkeit von Klaus Schmotz zum Grenzkommando Nord hier in Stendal geführt werden, beim Neujahrsempfang von Stadt und Landkreis im Januar kann es eigentlich nur am Flurende gewesen sein. Außerdem hat uns unsere Volksstimme immer sehr ausführlich über die Biographien und Lebensleistungen von Kandidaten informiert, die für ein öffentliches Amt aufgestellt wurden. Das angemahnte Versäumnis zu selbstreflektierender Rollenaufarbeitung sieht mehr nach Eröffnung des Wahlkampfes zur nächsten OB-Wahl aus.

Kathrin Wolter, Stendal:
Die Lehrerin hatte mit dem, was sie sagte, völlig Recht, und das hat nichts mit Verklärtheit zu tun. In der DDR war nicht alles gut, einiges war trotzdem besser. Ich erinnere da mal an unser DDR-Schulsystem. Die Aussage der Lehrerin, dass "wenn man sich in Diktaturen an Regeln hält, passiert einem nichts" ist auch nicht falsch. Diktaturen können sehr unterschiedlich sein. In der einen kann man sich aufgehoben, beschützt und geborgen fühlen, in einer anderen unterdrückt, eingeschüchtert und ausgebeutet.

Wissenschaftlich beschrieben hatten wir in der DDR eine Diktatur der Arbeiterklasse. So wie die DDR dargestellt wird, als Stasi- und Überwachungsstaat, hätte ja jeder, der auch mal kritisch seine Meinung äußerte, im Knast sitzen müssen, und das wäre dann die ganze DDR gewesen.

Zudem möchte ich vom Wort Diktatur noch nicht ablassen, wenn man dieses in unserem derzeitigen Gesellschaftssystem betrachtet. Denn wir leben auch in einer Diktatur, nämlich der des Kapitals.