Zum Artikel "Ablenken, Ausweichen, Beschwichtigen", Volksstimme vom 30. Januar:

R. Borstell, Gymnasialgeschichtslehrer:
Ja, trotz Stasi und SED-Regime lebte, bis auf 1,45 Prozent der Bevölkerung, die große Mehrheit mit diesem "Diktatur-Staat" und machte es sich hier lebenswert (es war eben nicht alles schlecht!). Wer die Macht hat, hat das Sagen, und setzt diese ein. Wer dagegen aufstand, bekam diese Macht zu spüren (wie es bis heute üblich ist). Ich verurteile jede Form diktatorischen Vorgehens. Man kann sich aber oft nicht aussuchen, wo man gerade leben kann. Die Ambivalenz der Historie dieses ostdeutschen Staates muss auch bei den vielen Opfern dieses Unrechtsstaates Beachtung finden, ohne die "normalen Bürger" zu beschimpfen oder ihnen Verklärtheit vorzuwerfen.

Ingo Jürges, Hassel:
Da ich in der DDR aufgewachsen bin, fühle ich mich verpflichtet, gegen jede Beschönigung des DDR-Regimes zu antworten! Es ist unglaublich, wie einige Leute vergessen können. Schulsystem in der DDR war besser? Hat man vergessen, wie es wirklich war? Wehrkundeunterricht, Kleidungsvorschriften, Gehirnwäsche in Staatsbürgerkunde inklusive Redeverbot, keine Chance auf Abitur, es sei denn, man wird Offizier usw. Diese Liste lässt sich noch erweitern. Offen geredet wurde nur im Familien- und ausgewähltem Freundeskreis.

Warum darf man hier immer noch nicht öffentlich die damaligen Zustände anprangern? Grundlegende Dinge waren schlecht, da gibt es nichts zu beschönigen. Es sei denn, man war einer der Profiteure in dem System!? Der Eindruck zumindest bleibt.

Helmut Ramme, Stendal:
Die Lesermeinungen zu diesem Thema werden immer unsachlicher und sind von einer Naivität geprägt, die man nicht mehr entschuldigen kann!

Erst wird Herr Grafe niedergemacht, als ob er der Hauptschuldige ist, jetzt soll sich auch noch Herr Rath bei der Lehrerin entschuldigen , das ist doch wohl das Allerletzte und geht entschieden zu weit.

Ich kann nur an diejenigen appellieren, die sich voreilig eine Meinung bilden, lesen Sie erst das Buch von Herrn Grafe und diskutieren dann. Sich aber für eine Lehrerin einsetzen, die vor Schülern, die wahrscheinlich das erste Mal von diesem Unrecht und Verbrechen gehört haben, eine Diktatur gutheißt, wo menschliches Unrecht an der Tagesordnung stand, ist nicht zu entschuldigen und erfordert Konsequenzen. Ich bin selbst in dieser Diktatur aufgewachsen und mir wird jetzt noch speiübel, wenn ich darüber nachdenke.