Mit einem Theaterabend nach dem Roman "Die Wand" von Marlen Haushofer gastiert Cornelia Schmaus am Donnerstag, 3. Februar, um 19.30 Uhr im Rangfoyer des Theaters der Altmark. Aud Merkel sprach für die Volksstimme mit der Schauspielerin über ihren Monolog und wie er entstand.

Volksstimme: Cornelia Schmaus, Sie haben schon an vielen deutschen Theatern gearbeitet und an vielen Orten Filme gedreht. Welche Beziehung haben Sie zu Stendal?

Cornelia Schmaus: Hier in Stendal spielen zu können, ist eine besondere Freude, denn ich war hier noch nie. Und jetzt komme ich gleich mit einem Stück, was mir sehr am Herzen liegt. Ich wollte schon lange Zeit etwas Eigenes erarbeiten, bei dem mir keiner reinredet. Ein persönliches Projekt, das aus mir heraus kommt, sich entwickelt und auf die Bühne gebracht wird, selbstbestimmt und ganz und gar ohne die Institution Theater.

Volksstimme: Wie haben Sie dafür die literarische Grundlage gefunden?

Schmaus: Als ich 2003 den Roman von Marlen Haushofer das erste Mal las, war ich sofort ergriffen, habe das Buch immer wieder verschlungen und Freunden empfohlen. Als ich einige Zeit später mit der Dramaturgin Annett Hardegen Theaterstücke las und diskutierte, erzählte ich ihr von "Die Wand" und wie mich die Geschichte von der Frau im Roman nicht mehr loslässt. Und dann war die Idee zur Dramatisierung geboren. Es wurde zu einem Bedürfnis, selbst diese Frau zu spielen. So hatte ich "mein Stück" gefunden. Lange Zeit erzählte ich niemandem davon. Der Roman war zu einer sehr persönlichen Angelegenheit geworden. Ich wollte ihn in mir halten und mit seiner Kraft allein umgehen. Monatelang lernte ich den Text, den Annett Hardegen und ich zu einem Monolog bearbeitet hatten, auswendig. Eines Tages verspürte ich den Drang, ihn herauszulassen und bat meinen geschätzten Theaterkollegen Herbert Olschok, sich einmal anzuhören, was ich bis dahin im stillen Kämmerlein geprobt hatte.

"Nicht spektakulär, sondern innerlich und nachdenklich"

Volksstimme: Die Premiere war dann im April 2010 am Theater im Palais Berlin. Inzwischen haben Sie das Stück dort schon mehrfach und in Chemnitz als Gastspiel aufgeführt.

Schmaus: Obwohl das Stück nicht spektakulär, sondern eher innerlich und nachdenklich ist, bekomme ich begeisterte Zuschauerresonanzen. Das liegt, so glaube ich, daran, dass der Text mehrdimensional ist. Man kann ihn in mehreren Schichten lesen, ohne dass er überintellektuell daherkommt. Genauso wie die Frau im Roman, die bei einem Ausflug in ein Jagdhaus plötzlich von einer Wand umgeben auf sich selbst zurückgeworfen wird. Sie ist eine eher einfache, keine intellektuelle Frau. Aber durch das eingetretene unfassbare Ereignis beginnt sie ihr Verhalten und ihr Denken zu verändern. Sie muss sich mit ihrer neuen Umgebung, aber auch mit ihrem bisherigen Leben auseinandersetzen. Dadurch verändert sie sich. Sie wird auf existenzielle Grundsätze des menschlichen Daseins zurückgeworfen. Teilweise wird die Selbstbeurteilung zur allgemein menschlichen Philosophie, manchmal traurig, aber immer ermutigend.

Volksstimme: Das Theater der Altmark spielt in dieser Saison unter dem Motto "Land in Sicht". Wie ordnen Sie Ihr Stück dazu ein?

Schmaus: Wir können nicht mehr so weiterleben. Unsere Gesellschaft steuert in die Apokalypse. Das verstehen immer mehr Menschen, auch ohne dass eine Katastrophe wie "Die Wand" eintritt. Wir waren alle im Konsum, im ewigen Aufschwung, eingeschlafen. Seit ungefähr zwei Jahren mache ich erfreuliche Beobachtungen. Die Menschen wollen sich ihrem Schicksal nicht mehr hingeben, sondern es selbst bestimmen. Ich bin optimistisch, das langsam "Land in Sicht" kommt, "geistiges Land".